Virtuos und poetisch Florian Noack mit vielfältigem Repertoire in Bad Iburg

Von Jan Kampmeier

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Konzentriert: Florian Noack an seinem Klavier im Rittersaal des Bad Iburger Schlosses.

            

              
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                Egmont SeilerKonzentriert: Florian Noack an seinem Klavier im Rittersaal des Bad Iburger Schlosses. Foto: Egmont Seiler

Bad Iburg. Der junge Pianist Florian Noack präsentierte in Bad Iburg Raritäten von Franz Schubert, Robert Schumann, Nikolai Medtner und Sergej Ljapunow.

Der Gast in Bad Iburg ist ein bescheiden auftretender junger Mann mit einem ausgesprochenem Faible für Raritäten. Der 27-jährige Florian Noack zeigt als Pianist außerdem eine ganz eigene Art des Klavierspiels, sehr geschmeidig im Tempo und der Dynamik, sehr rund und warm, sehr behutsam. Der junge Belgier beginnt mit Franz Schubert, ein Zyklus von zwölf Walzern. Lauter kleine Stücke, aber glänzend gestaltet, alles perfekt gewichtet, zart, weich und singend. Im Konzertrepertoire tauchen Schuberts Walzer selten auf, und auch Robert Schumanns Intermezzi op. 4 gehören nicht zu seinen bekannten Werken, selbst in Gesamtaufnahmen fehlen sie zuweilen. Kauzige Frühwerke sind das, deren Stimmungen immer wieder unvermittelt umschlagen. Florian Noack reagiert auf diesen sprunghaften Charakter mit einem Anschlag, der federnder und lockerer nicht sein könnte. Nach dieser Beschreibung mag es vielleicht überraschen, dass dieser sensible Jüngling am Klavier offenbar auch eine Vorliebe für die extrem virtuosen Extravaganzen einiger russischer Komponisten hat. Nikolai Medtner etwa war einige Jahre jünger als Rachmaninow und wurde dennoch von diesem sehr bewundert. Wer seine späteren Werke kennt, hätte ihn in den drei „fantastischen Variationen“ op. 2 kaum erkannt, die er, so Florian Noack, mit 16 bis 20 Jahren schrieb. Der Pianist arbeitet zur Zeit an einer Gesamtaufnahme der Werke Sergej Ljapunows – wenn ihm dieses Projekt gelingt, wäre er damit der erste. Drei der zwölf „Etudes d‘exécution transcendante“ op. 11 hat er mitgebracht. Sie stehen im Ruf, zu den schwersten Soloklavierwerken überhaupt zu zählen, noch schwerer wohl auch als die ohnehin schon exorbitant schweren Stücke gleichen Titels von Franz Liszt. Übersehen wird dabei gerne, dass sie auch von enormer melodischer und quasi poetischer Qualität sind. Diese Verbindung liegt Florian Noack, denn er ist ein technischer Überflieger und kann durchaus kräftig zulangen, die „Lesghinka“ einen temperamentvollen kaukasischen Tanz, spielt er zudem noch äußerst flott. Doch selbst im ärgsten Trubel bleibt seinem Spiel die Weichheit. Das Iburger Publikum ist von Florian Noacks Raritäten-Programm begeistert und erklatscht sich mehrere Zugaben. Mit einem selbst bearbeiteten Auszug aus Tschaikowskijs Schwanensee sowie einem Brahms-Lied zeigt der Pianist dabei noch beeindruckendes Talent als Arrangeur.


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