96-Präsident in Osnabrück CDU-Mittelständler hören auf Kind



mey Osnabrück. Mit Hörgeräten hat er ein Vermögen gemacht und mit Hannover 96 die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga geschafft. Jetzt verschaffte sich 96-Präsident Martin Kind in Osnabrück Gehör bei CDU-Mittelständlern.

Osnabrück sei eine „schöne Stadt“, die er gut kenne, sagte der Gast aus Großburgwedel bei Hannover beim Neujahrsempfang der Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT). Zugleich erinnerte er – für manchen Zuhörer schmerzlich – daran, dass sich sein Verein und der VfL Osnabrück zuletzt vor 17 Jahren in einem Pflichtspiel gegenüberstanden. Er wünsche dem VfL Erfolg, und das „Mindestziel“ für die Osnabrücker müsse „der Aufstieg in die 2. Liga“ sein, sagte Kind.

 

Als der 73-jährige Unternehmer davon berichtete, dass Hannover 96 zu Beginn seiner Präsidentschaft im Jahr 1997 drittklassig war und „vollumfänglich den Tatbestand der Insolvenz“ erfüllte, dürften einige Zuhörer darin Ähnlichkeiten mit ihrem Lieblingsverein entdeckt haben. Die MIT-Verbände aus Stadt und Landkreis Osnabrück hatten Kind eingeladen, um zu Beginn des neuen Jahres über den von ihm geführten Fußball-Bundesligisten als Wirtschaftsunternehmen zu sprechen.

„Nicht gewusst, worauf ich mich einlasse“

 

Bei der Übernahme des Präsidentenamts in Hannover habe er intuitiv zugesagt und „nicht gewusst, worauf ich mich einlasse“, sagte Kind. Anschließend erklärte er, wie er es schaffte, den Club aus den Schulden von damals zehn Millionen D-Mark zu bringen und in die nationale Elite-Liga zurückzuführen. Zuerst durch Analyse, dann durch die Formulierung von Zielen und schließlich auch durch „eine gewisse Härte“ bei der Verfolgung dieser Ambitionen.

 

Für die laufende Saison hat Kind bei 96 das Ziel Klassenerhalt ausgegeben und hält es angesichts der bisherigen Erfolge auch für erreichbar. Danach möchte der Präsident seinen Klub „stabil im Mittelfeld“ der Fußball-Bundesliga etablieren, um „langfristig vielleicht auch mal europäisch“ anzugreifen. Basis dafür sei die bereits erfolgte Trennung des „basisdemokratischen Breitensportvereins“ vom „Wirtschaftsunternehmen“, aber die sogenannte 50+1-Regelung in der Bundesliga, wonach der Verein auch bei der Profi-Abteilung das Sagen hat, müsse beseitigt werden.

Investoren sollen frei entscheiden können

Um höhere sportliche Ziele zu erreichen, braucht Hannover 96 nach Ansicht seines Präsidenten weiteres Kapital. Das wiederum werde es nur geben, wenn die Investoren über die Genehmigung des Haushalts und der Investitionen sowie über die Berufung der Geschäftsführung frei entscheiden könnten.

 

Aus Sicht des Organisators des MIT-Neujahrsempfangs, H.-Dieter Klahsen, ist Kind trotz seiner bundesweiten Marktführerschaft im Hörgeräte-Filialgeschäft ein mittelständischer Unternehmer mit persönlicher Verantwortung geblieben. Mit Blick auf die Bemühungen um eine Regierungsbildung im Bund sagte Klahsen in einem Grußwort, die Politik des „weiter so“ müsse „ein Ende haben“. Man müsse zudem „überlegen, ob auch einige personelle Veränderungen notwendig sind“. Kritisch äußerte sich der städtische MIT-Kreisvorsitzende zur Verkehrspolitik in Osnabrück. Man müsse demokratische Entscheidungen akzeptieren, doch bleibe der Verdacht, dass diese ideologisch geprägt seien.

Hilbers: Entwicklungsland bei Digitalisierung

 

Ebenfalls Grußworte sprachen Niedersachsens neuer Finanzminister Reinhold Hilbers und der Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg (beide CDU). Middelberg appellierte an die SPD, das Ergebnis der Sondierungsgespräche zur Bildung einer erneuten Großen Koalition zu akzeptieren. „Ich hebe dazu die Hand“, erklärte der Osnabrücker Parlamentarier. Hilbers erinnerte daran, dass es der Mittelstand gewesen sei, der in seiner Heimatregion Grafschaft Bentheim den Niedergang der Textilindustrie wirtschaftlich aufgefangen habe. Mit Blick auf die Staatsausgaben plädierte er trotz aktuell  sprudelnder Steuereinnahmen für „Maß und Mitte“. Besonders bemühen werde sich die neue Regierung in Hannover um Fortschritte bei der Digitalisierung, denn hier sei Niedersachsen bisher „ein Entwicklungsland“. 

 

 


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