Ideen von Osnabrücker Studenten Gertrudenberger Höhlen als Event-Tempel oder Wellness-Oase



Osnabrück. Die einen wollen Licht in die Höhlen leiten, die anderen planen eine Laser-Tag-Arena unter Tage, eine Konzerthalle, eine Sauna und Dampfbäder, eine Tauchstation und ein Museum. Angehende Landschaftsarchitekten der Hochschule Osnabrück haben mit viel Fantasie Gestaltungsvorschläge für das Gertrudenberger Loch gemacht.

Das unterirdische Gangsystem ist verschlossen, und die Bundesanstalt für Immobilien (Bima) rückt den Schlüssel nicht heraus, so lange die Stadt Osnabrück einen Rechtsstreit gegen sie führt. Wilfried Kley, der Vorsitzende des Vereins Gertrudenberger Höhlen, würde den mittelalterlichen Steinbruch unter dem Bürgerpark lieber heute als morgen für Besucher öffnen. Er ist sicher, dass ein großes Publikum schon darauf wartet.

Von Laser-Tag bis Saline

Die Studentinnen und Studenten, die an der Hochschule Haste im 3. Semester Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung studieren, hätten auch gern einen Blick in das Höhlensystem geworfen. Doch der Gang in die Tiefe blieb ihnen verwehrt, obwohl sie von ihrem Professor Jürgen Milchert die Aufgabe bekommen hatten, Ideen für unterschiedliche Nutzungen der Höhlen zu entwickeln. Dabei durften sie sich über alle Konventionen und Sicherheitsvorbehalte hinwegsetzen, die von den beamteten Sachwaltern der unsicher geglaubten Hohlräume erhoben werden könnten. In der Gertrudenkirche stellten sie jetzt ihre Entwürfe vor.

Laut und bunt soll es unter dem Gertrudenberg zugehen, meint ein Teil der Studierenden, während der andere die Ruhe, das angenehme Raumklima und die Gesundheit in den Vordergrund stellen will. Therapien für Menschen mit Atemwegserkrankungen will eine der studentischen Arbeitsgruppen mithilfe unterirdischer Salinen schaffen, Wellness- und Entspannungsangebote, Whirlpools und Bars im Kalkstein schlägt eine andere vor.

Sonnenlicht in der Tiefe

Mehrere Teams setzen auf den Eventcharakter und empfehlen Theatervorstellungen, Konzerte aller Art und Gastronomieangebote, aber auch eine Laser-Tag-Arena, in der Jugendliche virtuell gegeneinander kämpfen können. Auch in der Gestaltung gehen die Arbeitsgruppen sehr unterschiedliche Wege. Während die meisten die rauen Felswände unangetastet lassen wollen, favorisieren andere Abdeckplatten mit indirekter Beleuchtung, um den Höhlencharakter teilweise zu verstecken.

Auch bei der Möblierung und Beleuchtung gehen die Ideen weit auseinander. Die Naturalisten setzen auf das dezente Licht von Glühwürmchen und Leuchtquallen, während die Modernisten Wasserblubbersäulen installieren wollen. Oder gläserne Säulen, die das Sonnenlicht von der Erdoberfläche in die Tiefe leiten sollen. Eine Arbeitsgruppe hat einen Entwurf für ein Eingangsgebäude vorgelegt, der den Luftschutzaspekt aus dem Zweiten Weltkrieg aufgreift. Damals bot das Höhlensystem bis zu 4000 Menschen Sicherheit vor dem Abwurf alliierter Bomben. Düstere Bombenattrappen zieren denn auch den Portalsaal, durch den der Weg unter die Erde führt.

Angesichts der Vielfalt und Gegensätzlichkeit dieser Entwürfe weist Professor Milchert darauf hin, dass die große Ausdehnung des Gangsystems eine Kombination sehr unterschiedlicher Nutzungen zulasse. Jetzt komme es erst einmal darauf an, dass die Höhlen für die Öffentlichkeit freigegeben werden.


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