Neue Schule in der Innenstadt? Es kommt Bewegung in die Osnabrücker Schullandschaft

Die Tafeln hängen noch: Das zwei Jahre alte Foto zeigt den Umbau der Käthe-Kollwitz-Schule für Flüchtlinge. Die Unterkunft wurde nie benötigt. Aber vielleicht kann ja die Tafel reaktiviert werden, wenn das Gebäude wieder zum Schulstandort wird. Foto: Jörn MartensDie Tafeln hängen noch: Das zwei Jahre alte Foto zeigt den Umbau der Käthe-Kollwitz-Schule für Flüchtlinge. Die Unterkunft wurde nie benötigt. Aber vielleicht kann ja die Tafel reaktiviert werden, wenn das Gebäude wieder zum Schulstandort wird. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Um in frenetischen Jubel auszubrechen ist es sicherlich noch zu früh, aber ab Donnerstag könnte endlich Bewegung in die Osnabrücker Schullandschaft kommen. Mit ihrer Zustimmung zur Vorlage der Verwaltung kann die Politik Schwung in die Schulentwicklungsplanung für die Sekundarstufe I und die Umstellung auf das Abitur nach 13 Jahren bringen.

Das Papier der Verwaltung, dass der Ausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag, 18. Januar, ab 17 Uhr im Stadthaus I diskutieren wird, eröffnet Perspektiven für die städtische Schulentwicklung der kommenden Jahre. Hilfreich für eine zügige Umsetzung könnte sein, dass das Papier nicht nur ein verwaltungseigenes Gewächs ist.

Eingeflossen sind sicherlich auch Ergebnisse des Arbeitskreises Schulentwicklungsplanung, dessen Mitglieder sich aus Vertretern der Fraktionen, Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern sowie der Verwaltung zusammensetzt. Insofern dürfte der nun skizzierte Rahmen zumindest auf einem Minimalkonsens basieren.

Die Zeit drückt

Wenig Zündstoff dürfte folglich vor allem die Umstellung von G8 auf G9 bringen, also die Wiedereinführung des Abiturs nach 13 Schuljahren. Drei städtische Gymnasien – Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Ratsgymnasium und Gymnasium in der Wüste – haben mit Blick auf die Umstellung Raumbedarf angemeldet.

Für das EMA veranschlagt die Verwaltung acht neue Unterrichtsräume für 2,5 Millionen Euro, das Wüstengymnasium braucht fünf Räume für 1,5 Millionen Euro und das Rats wird für 3,5 Millionen Euro sechs zusätzliche Unterrichtsräume bekommen. Der Bedarf ist weitestgehend unumstritten.

Die Kosten sind im Haushalt eingepreist. Allerdings drückt mittlerweile die Zeit, denn die Bauten müssen bis zum Beginn des Schuljahres 2020/21 fertiggestellt sein, da dann der zusätzliche Jahrgang die Schulen erreicht.

Schulneugründung in der Innenstadt

Etwas spannender könnte die Diskussion um die Neustrukturierung der Sekundarstufe I ausfallen. In ihrer Vorlage stellt die Verwaltung klar, dass „aufgrund der aktuellen Schülerprognosen bis 2023 zusätzlicher Schulraum geschaffen werden muss“. Wobei das Wörtchen „zusätzlich“ in dem Papier eigens unterstrichen wurde. Soll wohl heißen: Allein die geplante Schulneugründung in der Innenstadt (Arbeitstitel Neue Schule) – hervorgehend aus der Schule an der Rolandsmauer, der Hauptschule Innenstadt und der Möser Realschule¨– wird das Problem der fehlenden Kapazitäten nicht lösen können.

Abhilfe muss ein zusätzlicher Schulstandort schaffen, entweder auf der sogenannten Grünen Wiese oder in der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Schule (KKS), wie es der Stadtelternrat vorgeschlagen hat. Hinzu kommt, dass durch Gründung der Neuen Schule für die dann letzte Hauptschule, die Felix-Nussbaum-Schule am Standort Sonnenhügel, eine zukunftsfähige Lösung gefunden werden muss, zum Beispiel durch das Auslaufen dieser Schule und die Neugründung eines bedarfsgerechten alternativen Angebotes.

Zusätzliche Schule in der Südstadt

Auch in diesem Punkt legt die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage eine mögliche Marschrichtung fest. Da die Kooperative Gesamtschule Schinkel und die Integrierte Gesamtschule Eversburg seit Jahren regelmäßig vor allem eine große Zahl von Haupt- und Realschülern ablehnen müssen, solle eine zusätzliche integrierenden Schule wie eine IGS oder eine Oberschule gegründet werden.

Die Umwandlung eines bestehenden Schulzentrums scheint damit vom Tisch zu sein, da sie keine zusätzlichen Schulplätze schaffen würde. Auch in der Standtortfrage positioniert sich die Verwaltung und „favorisiert“ einen Standort in der Südstadt, um eine „ausgewogenen Verteilung“ integrierender Schulen zu erreichen.

Neue Räume für das EMA

Die Frage, warum unter diesen Voraussetzungen denn am Standort Sonnenhügel für das EMA noch neue Räume gebaut werden müssen, beantwortet das Team um Schuldezernent Wolfgang Beckermann dann auch gleich: „ Die erforderlichen Kapazitäten von acht Räumen würden frühestens in fünf Jahren zur Verfügung stehen. Zum einen ständen damit zum Schuljahr 2020/2021 nicht die erforderlichen Raumkapazitäten am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium zur Verfügung, zum anderen wäre ein sofortiger Beschluss zum Auslaufen der Felix-Nussbaum-Schule erforderlich. Dazu müsste aber zum gleichen Zeitpunkt, d.h. ab sofort, ein Alternativangebot geschaffen werden. Dieses ist faktisch, d.h. planerisch, organisatorisch etc. unmöglich.“

Schritt in die richtige Richtung

Für den Schulausschussvorsitzenden Jens Martin (SPD) sind die Verwaltungsüberlegungen „ein Schritt in die richtige Richtung“. Die Verwaltung habe die Idee eines zusätzlichen Schulstandortes schon früh in ihre Überlegungen aufgenommen. Weiteren konkreten Schritten stehe aber ein Ratsbeschluss gegenüber der für den KKS-Standort eigentlich eine Wohnbebauung vorsieht.

Allerdings ist der Bebauungsplan noch nicht in diese Richtung geändert, eine zukünftige Nutzung der Fläche als Schulstandort wäre also zumindest derzeit baurechtlich noch unproblematisch.


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