Autobahn bei Osnabrück gesperrt Abrissarbeiten an der Dütebrücke der A1 haben begonnen

Von Robert Schäfer


Osnabrück. Die Dütebrücke der Autobahn A1 zwischen der Anschlussstelle Osnabrück-Hafen und dem Lotter Kreuz wird an diesem Wochenende längs durchgesägt. Die Autobahn ist bis Montagmorgen gesperrt.

„Aus eins mach zwei“ heißt es an diesem Wochenende an der A1. Seit dem späten Freitagabend wird die marode Dütebrücke der A1 zwischen der Anschlussstelle Osnabrück-Hafen und dem Lotter Kreuz der Länge nach durchgesägt. Ziel ist es, die erste Hälfte des 50 Jahre alten Bauwerks direkt im Anschluss abzureißen. Dafür bleibt die A1 über das Wochenende gesperrt.

Warum eine neue Brücke gebaut werden muss

„Das ist ein wesentlicher Schritt zum Neubau der Brücke“, sagte Dirk Griepenburg, Leiter der Region 2 bei Straßen.NRW, am Freitagabend. Mit mehreren Sägen wird das 270 Meter lange Bauwerk jetzt in der Mitte durchgeschnitten. Das Besondere an der Dütebrücke ist, dass es sich um eine alte Brücke handelt. Anders als bei modernen Brücken sind hier nur zwei Stützenreihen verbaut worden. Eine sechsstreifige Nutzung war daher nicht möglich. Üblicherweise wird in solchen Fällen neben der bestehenden Brücke eine zweite Brücke gebaut und so eine moderne zweiteilige Brücke erstellt. Das war wegen der Bahn, der Düte und dem FFH-Schutzgebiet unterhalb des Bauwerks nicht möglich. So muss eine neue Brücke gebaut werden.

Riesige „Legosteine“ aus Beton und lange Pfähle

Um den koordinierten Abbruch und die Verkehrsführung abzusichern, war eine spezielle Unterbauung nötig. Schon hier kamen besondere Aufgaben auf die Ingenieure zu. Eine normale Gründung des Stützsystems war nicht möglich. Mit verschiedenen Vormaßnahmen – unter anderem eine Verfestigung des Bodens mittels 3500 riesiger „Legosteine“ aus Beton und der Gründung mit 3700 acht Meter langen Pfähle im Boden – wurde der Boden vorbereitet. Dann wurden zwei Stützsysteme unter beide Brückenteile gebaut.

Konstruktion wird dauerhaft überwacht

Während das Stützteil unter der östlichen Brücke nur den Abbau ermöglichen muss, ist der Bereich unter der künftig zunächst weiterhin befahrbaren Hälfte technisch sehr aufwendig. Die Stützung selbst wird hier mit einem hydraulischen System betrieben. Vor dem Sägen wurde die Brücke bereits abgestützt, nach dem Sägen wird der Unterbau die gesamte Last der Straße tragen. 500 Pressen werden dazu computergesteuert die Kräfte aufnehmen. Für den Fall der Setzung des Fundaments können bis zu sechs Zentimeter kurzfristig ausgeglichen werden. Dazu wird die Konstruktion dauerhaft überwacht. „Wir legen die Brücke wie zu Bauzeiten wieder in die Schalung“, erklärte Griepenburg. Schwierig sei das vor allem, weil auf der einen Hälfte noch Verkehr laufen soll.

Brücke wird längs durchgesägt

Im Laufe des Wochenendes wird die Brücke nun längs durchgesägt. Dazu kommen vier Sägeblätter zwischen acht und vier Millimeter Breite zum Einsatz. Wenn die Brücke getrennt ist, kann die westliche Fahrspur vermutlich am Montagmorgen um 5 Uhr wieder genutzt werden. Pro Fahrtrichtung sollen dann zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wird die östliche Hälfte abgebaut. Dazu werden die Brückenteile dann in kleinere Stücke geschnitten und abtransportiert.

Auch Bahnstrecke wird gesperrt

Verzögert wurden die Arbeiten durch die besondere Situation an der Bahnlinie. Die bisherigen Stromleitungen waren an der alten Brücke befestigt. Hier musste zunächst eine neue Halterung gebaut werden. Und auch für die Schneide- und Stützarbeiten ist eine Sperrung der Bahnstrecke nötig. Das ist nur in der Nacht von Samstag auf Sonntag möglich, wenn über die sonst viel befahrene Trasse weniger Verkehr rollt.

Gesamtkosten von rund 60 Millionen Euro

Gleichzeitig beginnen die Bauarbeiten für die neue Brücke in Fahrtrichtung Bremen. Voraussichtlich Mitte 2019 kann der Verkehr auf diesen neuen Brückenteil geleitet werden. Dann soll auch der westliche Teil der alten Brücke abgerissen und ersetzt werden. Nach dem Zeitplan der Straßenbauer wird die neue Brücke 2020 vollständig für den Verkehr freigegeben. Sie besteht dann aus zwei separaten Brücken und soll so wieder zukunftsfähig sein. Das Gesamtprojekt wird ungefähr 60,1 Millionen Euro kosten, ein Drittel davon geht auf den schlechten Untergrund zurück. Für die neue Brücke ist ebenfalls eine extrem aufwendige Gründung notwendig.

Auch für Ingenieure keine alltägliche Aufgabe

Für die Ingenieure ist diese Arbeit eine nicht alltägliche Herausforderung. Zwei Mal wurde sie bereits ähnlich umgesetzt. „Sie wird aber bestimmt noch mehrfach eingesetzt werden“, ist sich Griepenburg sicher. „Es gibt im südlichen Ruhrgebiet noch weitere ähnliche Situationen.“