Eine Folge der Wohnungsnot In Osnabrück wird höher und dichter gebaut

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Als Folge der Wohnungsnot verändert sich das Stadtbild in Osnabrück. Um die verbleibenden Flächen besser auszunutzen, wird dichter und höher gebaut als in den vergangenen Jahrzehnten. Nicht nur auf zentrumsnahen Grundstücken. Dagegen gibt es vereinzelte Widerstände.

Dreieinhalb Geschosse will die Stadt auf einem Teil des Baugebiets am Finkenhügel zulassen. Viel zu hoch, meinten empörte Teilnehmer einer Bürgerversammlung, in der die Stadtplaner ihre Entwürfe vorstellten. Zu solchen Reaktionen kam es in Osnabrück schon häufiger. Geschosswohnungsbau gab es lange Zeit nur in der Kernstadt und an den Ausfallstraßen, neue Baugebiete wurden fast ausschließlich für Eigenheime ausgewiesen – also freistehende Einfamilienhäuser, Doppelhäuser und Reihenhäuser.

Zwei Geschosse aufstocken

„So lassen sich die Probleme der Zukunft aber nicht bewältigen“, sagt Stadtbaurat Frank Otte. Er hat im Blick, dass die Flächenreserven in Osnabrück schon arg geschrumpft sind, sodass die Ausweisung neuer Wohn- oder Gewerbegebiete immer häufiger grüne Finger, Frischluftschneisen und landschaftlich sensible Gebiete berührt. Die Engpässe sind eine Folge der zurückhaltenden Eingemeindung von 1972.

Wenn behauptet wird, dass vier oder fünf Geschosse nicht zu Osnabrück passten, widerspricht Otte. Am Johannistorwall habe man schon vor dem Zweiten Weltkrieg so hoch gebaut. Vielerorts sei das auch heute vertretbar, teilweise sogar noch etwas höher. Und zuweilen könnten auch vorhandene Häuser aufgestockt werden – etwa, mit zwei Geschossen in Holzrahmenbauweise. „Das ist die beste Form der Nachverdichtung“, bekundet der Stadtbaurat. Im Gespräch mit Wohnungsbaugesellschaften werde auch schon ausgelotet, wo auf diese Weise zusätzliche Wohnungen geschaffen werden können.

Drehleiter als Maßstab

Drei bis vier Geschosse sind im Wohngebiet Mittewest am früheren Busdepot schon Realität, und für das Landwehrviertel auf dem früheren Kasernengebiet sollen die gleichen Maßstäbe gelten. In der Innenstadt geht noch mehr. Bis zu sieben Geschosse will die Stadt bei Neubauten am Berliner Platz zulassen, wo schon jetzt bis zu zwölf Eben gezählt werden.

Nach der gängigen Definition gilt ein Gebäude als Hochhaus, wenn es mehr als sechs Obergeschosse hat. So weit reicht nämlich die Drehleiter der Feuerwehr. Wer höher baut, braucht entweder zwei voneinander unabhängige Treppenhäuser oder andere besondere Schutzvorrichtungen.

Keine Wohntürme

Hochhäuser im eigentlichen Sinne gibt es in Osnabrück nur wenige. Relikte aus den 60er und 70er Jahren sind die Wohnsilos an der Humboldtbrücke, an der Mozartstraße und das Iduna-Hochhaus am Herrenteichswall. Das Bauen in die Höhe galt damals als Ausdruck der Modernität. Inzwischen sind die Standards aber überholt und die teilweise vernachlässigte Gebäudetechnik erfordert aufwendige Sanierungen.

Wohntürme wie das Iduna-Hochhaus sind in den Augen der Stadtplaner nicht die Lösung, um der Wohnungsnot wirksam zu begegnen. Osnabrück zeichne sich ja durch eine gewisse Höhenstruktur aus, meint Stadtbaurat Frank Otte, da wirkten einzelne Solitäre doch eher störend. Höher bauen ja, aber so hoch soll es denn doch nicht sein.