Forstamtsleiter Stockmann im Gespräch Holzeinschlag sichert Arbeitsplätze – auch im Osnabrücker Land

Forstamtsleiter Florian Stockmann begutachtet eine Jungbuchen-Pflanzung und die Naturverjüngung von Fichten im Bereich der WSG Osnabrück-Süd. Foto: Harald PreuinForstamtsleiter Florian Stockmann begutachtet eine Jungbuchen-Pflanzung und die Naturverjüngung von Fichten im Bereich der WSG Osnabrück-Süd. Foto: Harald Preuin

Osnabrück. „Unser Wald ist großartig“. Er dient dem Naturschutz, dem Klimaschutz, der Erholung, dem Wasserschutz. Das fällt einem beim Stichwort Wald sofort ein. Aber er sichert auch Arbeitsplätze. Darüber wird viel zu wenig gesprochen, sagt der Leiter des Forstamtes Weser-Ems in der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Dr. Florian Stockmann (35).

Immer wenn in der kalten Jahreszeit Forstarbeiten ausgeführt werden, fräst sich mit dem Geräusch der Motorsäge bei vielen Menschen das Bild der Zerstörung in die persönliche Wahrnehmung. Stockmann will mit diesem Eindruck aufräumen: „Es wächst mehr Holz nach, als geschlagen wird“. Das tragen die privaten Waldbesitzer geradezu gebetsmühlenartig immer wieder vor, doch ihre Kritiker scheinen auf diesem Ohr taub zu sein. 2017 betrug der Waldzuwachs pro Hektar über zehn Kubikmeter Holz, entnommen wurde dagegen vier Kubikmeter.

Schnelles Wachstum

Stockmanns Bilanz verdeutlicht die Aussage der Waldbauern. Die Mitglieder der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd (WSG) haben 2017 auf 34 Hektar Neuanpflanzungen vorgenommen. Das ist eine Fläche von knapp 34 Fußballfeldern. Eigentlich sollte das auffallen, tut es aber nicht, weil die öffentlich geförderten Neupflanzungen auf über 50 Einzelflächen erfolgt sind– im Schnitt auf 0,65 Hektar“. Von der Pflanzung bis zum Einschlag dauert es Jahrzehnte.

Einige Waldbesitzer konnten sich Landeszuschüsse für die Aufforstung von 46000 Pflanzen auf 14 Hektar sichern, musste sich aber verpflichten, entweder Laubholzkulturen (mit höchstens 20 Prozent Nadelholz-Anteil; Förderung 85 Prozent) oder Mischkulturen mit mindestens 50 Prozent Laubholz-Anteil (Förderung 70 Prozent) anzupflanzen. Auf Landeszuschüsse verzichteten die Besitzer von etwa 20 Hektar, weil sie dem Nadelbaum (70 Prozent) unter den 66.000 Jungpflanzen Vorrang vor dem Laubbaum (30 Prozent) geben wollten. Den Grund sieht Florian Stockmann im schnelleren Wachstum und in der höheren Nachfrage auf Douglasie, Lärche, Fichte und Tanne, die unter anderem als Bauholz lange haltbar sind. „Dachstühle aus Fichte oder Tanne überleben die meisten Möbelstücke aus Buche, Kirsche oder Eiche“, erklärt Stockmann.

Positive Ökobilanz

Der größte Anteil an Neupflanzungen erledigt allerdings die Natur selbst, nachdem Flächen von Menschenhand ausgelichtet oder nach Stürmen aufgeräumt worden sind. Die Naturverjüngung im Bereich der WSG Osnabrück-Süd umfasse etwa 40 Hektar, was sich in der Ökobilanz ebenfalls positiv niederschlägt. Stockmann nennt ein Beispiel: „Bei der Herstellung von drei Meter hohen Stützen mit vergleichbarer Lastauslegung ist der Primärenergieverbrauch bei Stahlbeton fast viermal so hoch wie bei Holz, Aluminium hat den Faktor 126“.

Drei Prozent des volkswirtschaftlichen Gesamtaufkommens

Dass die Waldbauern einen hohen Beitrag zum Thema Arbeitsplätze liefern, macht Stockmann an dem Beispiel WSG Osnabrück-Süd deutlich: „Bei stofflicher Nutzung, im Vergleich zur energetischen Nutzung, wird je 100 Kubikmeter Rohholz ein Arbeitsplatz für ein Jahr gesichert“. Der Holzeinschlag im vergangenen Jahr betrug bei der WSG 33600 Festmeter, sicherte damit 33 Arbeitsplätze im Bereich Forst und Holz. In diesem Segment sind mehr als 1,2 Mio. Menschen in Deutschland beschäftigt, mehr als im Bereich Automobilindustrie (etwa 800000). Der Jahresumsatz beträgt mit 170 Milliarden Euro etwa drei Prozent des volkswirtschaftlichen Gesamtaufkommens in Deutschland.

Fehlende Wertschätzung

Bei dieser Bedeutung der privaten Waldbesitzer verwundert es Stockmann, dass Waldbauern in der öffentlichen Diskussion häufig nicht die Wertschätzung erfahren, die sie haben sollten. Das Engagement, die Hege und Pflege für den privaten Wald dient auch ökologischen Zwecken. Der Wald entzieht der Atmosphäre rund 52 Millionen Tonnen Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), mindert damit die Emissionen um 6 Prozent.

1169 Millionen Tonnen Kohlenstoff sind gegenwärtig in lebenden Bäumen und Totholz gebunden, 850 Mio. Tonnen in Streuauflage und Mineralboden, beschreibt Stockmann: „Pro Festmeter Holz werden 250 Kilo Kohlenstoff in Holz, Rinde, Zweigen, Blättern sowie Wurzeln gebunden und 750 Kilo Sauerstoff freigesetzt“. Eine 100 Jahre alte und 35 Meter hohe Fichte hat in ihrem Dasein der Atmosphäre etwa 2,6 Tonnen CO2 entzogen, eine 140 Jahre alte Buche kommt auf 3,5 Tonnen CO2.


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