Kreis Osnabrück lobt Wildschwein-Prämie aus Schweinepest wäre für Schweinehalter existenzbedrohend

Der niedersächsische Bauernpräsident und Chef des Landvolks im Kreis Osnabrück, Albert Schulte to Brinke fordert, die Wildschweinbestände drastisch zu reduzieren, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Foto: DPADer niedersächsische Bauernpräsident und Chef des Landvolks im Kreis Osnabrück, Albert Schulte to Brinke fordert, die Wildschweinbestände drastisch zu reduzieren, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Foto: DPA

Osnabrück. Der niedersächsische Bauernpräsident und Chef des Landvolks im Kreis Osnabrück, Albert Schulte to Brinke, warnt vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest: „Ein Flächenbrand wäre für viele Schweinehalter existenzbedrohend“, sagte der Bad Iburger auf Anfrage unserer Redaktion.

Laut Schulte to Brinke „spricht Einiges dafür, dass die Seuche kommt“. Zuvor hatte bereits die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) gesagt, dass sie ernsthaft davon ausgeht, dass die Seuche sich ausbreitet. Schulte to Brinke befürchtet, dass die Märkte für Schweinefleisch aus Niedersachsen zusammenbrechen, wenn die Seuche hier ausbricht. „Wenn es heißt, in Niedersachsen ist die Schweinepest ausgebrochen, dann ist die Frage ob der Fleischhandel differenziert, wo genau die Seuche in Niedersachsen ausgebrochen ist. Der Schweinefleischhandel könnte aufgrund der Handelshemmnisse zum Erliegen kommen“, erläuterte der niedersächsische Bauernpräsident.

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Schulte to Brinke betonte: „Das Wichtigste ist, die Wildschweinbestände drastisch zu reduzieren.“ Nur so sei es möglich, die Seuche bei einem Ausbruch möglichst schnell in den Griff zu bekommen. Die Afrikanische Schweinepest ist eine von Viren ausgelöste Krankheit, die Haus- und Wildschweine befällt und sich seit einigen Jahren über Russland und das Baltikum immer weiter gen Westeuropa ausbreitet. Die Infektionskrankheit breitet sich über Wildschweine, verseuchte Speisereste, Viehtransporter und Stallkleidung aus. Derzeit gibt es laut Schulte to Brinke landesweit mindestens 7000 Betriebe mit Mastschweinen oder Zuchtsauen, die Angst vor den Konsequenzen eines Seuchenausbruchs haben.

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Die von der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) zugesagten 4 Millionen Euro für Präventions- und Erstbekämpfungsmaßnahmen begrüßte der niedersächsisches Präsident des Bauernverbands Landvolk. Insbesondere die vorgesehene Wildschwein-Prämie hält er für sinnvoll. Demnach sollen Jäger für Schwarzwild, das sie über ihr bisheriges Kontingent schießen, eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro pro Tier erhalten. Zudem ist für den Einsatz von Hunden bei Drückjagden eine Prämie von 25 Euro im Gespräch. Es muss sich allerdings um eine revierübergreifende Jagd handeln.

Jagdruhezeiten aufheben, Nachtsichtgeräte einsetzen, Gebührenbefreiung

Schulte to Brinke fordert darüber hinaus, die Jagdruhezeiten aufzuheben und auch auf Nachtsichtgeräte zu setzen, um die Tiere sicherer zu treffen. Darüber hinaus fordert er, Jäger von der Trichinenuntersuchungsgebühr freizustellen. Hintergrund ist, dass jedes erlegte Wildschwein vor dem Verzehr auf Trichinen zu untersuchen ist. Der Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass es durch die Gebühr nicht mehr wirtschaftlich sei, Frischlinge mit entsprechend geringem Gewicht zu erlegen. Für eine Trichinprobe sei 17,50 Euro (bei einer Selbstentnahme fünf Euro) zu entrichten. Bei einem Frischling unter zehn Kilo sei aber höchstens vier Kilo des Wildfleisches verwertbar, sodass der Aufwand den Erlös übersteige. „Die Freistellung der Trichinenuntersuchungsgebühr wäre ein Zeichen an die Jäger von Seiten des Landkreises, dass die Lage ernst ist und der Landkreis die Jäger durch die Freistellung bei jeder einzelnen Erlegung eines Wildschweins unterstützt“, appelliert Meyer Lührmann.

Markt für Wildschweinfleisch eingebrochen

Der Markt für Wildschweinfleisch sei in den vergangenen Wochen durch die Diskussion um die Afrikanische Schweinepest bereits stark eingebrochen, weshalb sich das Problem noch verschärfe. Meyer Lührmann sieht darin einen Widerspruch: „Wir Jäger sollen mehr Wildschweine schießen, können diese aber nur noch schlecht vermarkten.“ Insbesondere der Abschuss von schwachen und jungen Tieren sei sinnvoll. Durch den Verzicht auf die Gebühr könne der Landkreis ein deutliches Zeichen in Richtung der Jäger setzen. Die geforderte Aufhebung der Schonzeit hält Meyer Lührmann für sinnvoll. Nach seiner Einschätzung werde diese auch in den nächsten Wochen verfügt. Nach seiner Einschätzung leben im Landkreis aktuell rund 2000 Wildschweine. Die milden Winter und der vermehrte Anbau von Mais komme den Wildschweinen sehr entgegen, weshalb sich das Schwarzwild rasant vermehre. Der Kreisjägermeister weist darauf hin, dass auch der Mensch zur Ausbreitung der Seuche beitragen kann: „Jeder einzelne ist daher aufgefordert, sehr sensibel bei Reisen in die Ostländer zu sein. Es sollten keine Produkte von Wildschweinen von dort mitgebracht werden. Auch Saisonarbeiter aus diesen Regionen sollten daraufhin gewiesen werden, dass die Seuche durch Mitbringen und Wegwerfen von Essenresten übertragen werden kann.“

Landkreis zahlt 50 Euro Prämie

Die Kreistagsfraktion der Grünen hatte sich diesem Anliegen angenommen und einen entsprechenden Antrag in den Kreistag eingebracht, der jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt worden war. Der Kreistag beschloss in seiner jüngsten Sitzung jedoch, dass Jäger, die der Veterinärbehörde den Fundort eines Wildschweine-Kadavers mitteilen, eine Prämie von 50 Euro erhalten und darüber hinaus für jede abgelieferte Blutprobe 5 Euro erhalten. Diese Regelung begrüßt Meyer Lührmann: „Das ist natürlich ein zusätzlicher Anreiz. Allerdings melden die Jäger auch jetzt schon alle Totfunde.“ Die Jägerschaften und die Veterinärbehörde des Landkreises Osnabrück entwickeln aktuell ein Präventionskonzept, in dem es etwa um die Identifizierung von Lebensräumen mit höherem Einschleppungsrisiko geht. Darüber hinaus bereiten sich Jägerschaften und Veterinärbehörde auf einen Ausbruch der Seuche vor und entwickeln ein Bekämpfungskonzept.

So bereitet der Landkreis sich auf Seuchenausbruch vor

Der leitende Veterinär für Stadt und Landkreis Osnabrück, Jörg Fritzemeier, beschreibt, wie der Landkreis auf einen Ausbruch reagieren würde: „Wenn die Seuche im Landkreis ausbrechen sollte, wird ein Tierseuchenkrisenzentrum eingerichtet. Der betroffene Bereich muss dann weiträumig abgesperrt werden. Zudem müssten alle bereits erlegten oder verendeten Tiere dann auf das Virus untersucht werden. Bislang werden Stichproben genommen.“ Wenn ein Stall befallen ist, muss der gesamte Bestand geschlachtet werden. Bislang gibt es keine Impfung oder Medikamente gegen die Afrikanische Schweinepest. Die Tierseuche ist für Menschen nicht ansteckend.


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