„Demenz trifft Kunst“ Teilnehmer des Osnabrücker Erzählcafés stellen Bilder aus

Von Frederik Tebbe


Osnabrück . Im Erzählcafé der Alzheimer-Gesellschaft Osnabrück treffen sich jeden Donnerstag Demenzerkrankte, um sich auszutauschen oder gemeinsam etwas zu unternehmen. Das vergangene Dreivierteljahr stand für sie ganz im Zeichen der Kunst: Sie malten eigene Bilder, die sie am Donnerstagnachmittag erstmals im Schaufenster des Berliner Carré der Sparkasse ausstellten. Die Ausstellung läuft bis zum 26. Januar.

Manchmal braucht man einfach nur Leute, die einen verstehen, besonders, wenn man an einer Krankheit leidet, die man selbst nicht so richtig erklären kann. So ergeht es den sechs Besuchern des Erzählcafés, einem Angebot der Alzheimer-Gesellschaft Osnabrück, die wöchentlich Demenzerkrankte dazu einlädt, sich dort zu treffen und gemeinsam Unternehmungen auf die Beine zu stellen. Wonach auch immer ihnen der Sinn gerade steht: Sie spielen miteinander, gehen gemeinsam essen, basteln oder singen.

Die vergangenen neun Monate haben sie insbesondere damit verbracht, Bilder zu malen, die seit Donnerstag im Schaufenster des Berliner Carrés der Sparkasse am Berliner Platz ausgestellt werden. Der Impuls, diese Bilder zu malen, kam von den Teilnehmern selbst. Die öffentliche Ausstellung soll Mut machen und auch andere Erkrankte dazu motivieren, so etwas auszuprobieren.

Im Erzählcafé fühlen sich die Demenzerkrankten wohl

Seit 2012 treffen sich im Erzählcafé Menschen mit Demenz. Dort fühlen sich die Erkrankten wohl, da sie dort voneinander an- und aufgenommen werden, „wie man ist“. Die Demenzerkrankung verbindet, es gibt keine Fassade, die man wahren muss, stattdessen kann man gemeinsam über Sorgen und Ängste reden, aber auch einfach herzlich miteinander lachen. So sind die Donnerstage zum fixen Termin für die Beteiligten und ein Ausgleich im Alltag geworden. Es sei auch hilfreich, den Krankheitsverlauf der anderen mitzuerleben, sagt etwa Marion Kowalczyk. Gemeinsam mit Marianne Böckmann und Annegret Kreimer ist sie bei der Ausstellungseröffnung in der Sparkasse dabei. Drei weitere Erkrankte besuchen regelmäßig das Erzählcafé. „Wir waren mal zu acht“, sagt Ingrid Schaal, die 1. Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft. „Doch bei zweien hat sich die Krankheit so verschlechtert, dass sie nicht mehr teilnehmen können.“

Kunst als Ablenkung

Es war gut für die Teilnehmer, in der künstlerischen Betätigung eine Ablenkung gefunden zu haben, so der Konsens. Die Arbeit mit den Lieblingsfarben hatte eine beruhigende Wirkung auf sie. Getreu dem Motto „Fantasie kennt keine Grenzen“ gab es beim Malen kein Richtig oder Falsch, man konnte malen, was man wollte. So hat Annegret Kreimer etwa beim Anfertigen eines blauen Gemäldes an das Meer und an Urlaub gedacht.

Die Ausstellung „Fantasie kennt keine Grenzen – Demenz trifft Kunst“ ist noch bis zum 26. Januar im Berliner Carré zu begutachten. Eine weitere Ausstellung ist im Amtsgericht Osnabrück geplant. Derzeit arbeiten Schaal und ihr Team daran, die Bilder zusätzlich in einem Pflegeheim zeigen zu können.