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Zugausfälle und Verspätungen Eurobahn entschuldigt sich bei Fahrgästen im Teutoburger-Wald-Netz

Von Sebastian Stricker

Wegen anhaltend schlechter Leistungen im Teutoburger-Wald-Netz steht der neue Streckenbetreiber Eurobahn bereits nach einem Monat mächtig unter Druck. Foto: Eurobahn/Christian KöstnerWegen anhaltend schlechter Leistungen im Teutoburger-Wald-Netz steht der neue Streckenbetreiber Eurobahn bereits nach einem Monat mächtig unter Druck. Foto: Eurobahn/Christian Köstner

sst Osnabrück. Seit der Übernahme des Teutoburger-Wald-Netzes durch die Eurobahn im Dezember 2017 häufen sich Beschwerden über Zugausfälle, Verspätungen und schlechte Fahrgastinformation. Besonders betroffen sind Verbindungen von und nach Osnabrück. Schon nach einem Monat steht der Streckenbetreiber mächtig unter Druck.

Zunächst hatte die Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz (TWN) mit Wetterunbill wie Schnee und Sturm zu kämpfen, dann mit Baustellen. Zwischendurch aber fielen ihre vor allem von Pendlern genutzten Züge auch immer wieder ohne ersichtlichen Grund aus. Und im Januar haben die Probleme offenkundig noch einmal stark zugenommen.

Kunden wenden sich entnervt ab

An den beiden vergangenen Donnerstagen beispielsweise kam es allein auf der Linie RB66 (Osnabrück–Münster) zu massiven Störungen mit insgesamt mehr als 20 kurzfristig gestrichenen Verbindungen. Dazu Verspätungen von teilweise über 20 Minuten. Auch die Linien RB61 (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo) und RB65 (Münster–Rheine) fallen diesbezüglich extrem negativ auf.

Die Wut bei den Fahrgästen darüber ist groß. Nicht nur, weil sie deswegen Anschlüsse verpassen, unpünktlich – und manchmal sogar überhaupt nicht – zur Arbeit kommen, zur Uni oder nach Hause. Oft fühlen sie sich auch schlecht informiert. Von einer „bodenlosen Frechheit“ sprechen Eurobahn-Kunden gegenüber unserer Redaktion, berichten von einem „aufs Tiefste erschütterten Vertrauen“, sehen angesichts des langen Vertrags, den Keolis Deutschland mit den öffentlichen Aufgabenträgern über den TWN-Betrieb geschlossen hat, „15 unerträgliche Jahre“ vor sich. Mancherorts wenden sich Kunden bereits entnervt von der Eurobahn ab. „Ich arbeite in einem Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten, und dort sind viele frustrierte Pendler. Die ersten Kollegen reaktivieren ihre alten Fahrgemeinschaften und wollen ihre Jobtickets zurückgeben“, schreibt ein Leser.

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Schaden geht in die Hunderttausende

Und wie beurteilt die Eurobahn selbst ihre bisherige Leistung im Teutoburger-Wald-Netz? „Wir nehmen die Situation sehr ernst und können uns bei unseren Fahrgästen für diese Unannehmlichkeiten nur entschuldigen“, zitiert Keolis Deutschland in einer am Freitagnachmittag verbreiteten Mitteilung den Geschäftsführer Thomas Görtzen. Seit dem 10. Dezember seien sechs Prozent der geforderten Leistungen nicht erbracht worden. Das entspricht einer Strecke von gut 38.000 Zug-Kilometern. Was sich wiederum in bare Münze umrechnen lässt: Denn jeder nicht gefahrene Kilometer kostet die Eurobahn nach eigenen Angaben etwa 10 Euro. Geld, das am Ende von den Aufgabenträgern einbehalten wird. Unterm Strich könnte Keolis Deutschland also bereits in den ersten Wochen im TWN ein finanzieller Schaden von weit über 380.000 Euro entstanden sein.

Leere Versprechungen

Dabei hatte Görtzen unserer Redaktion noch im November versichert: „Wir sind bereit für das Teutoburger-Wald-Netz!“ Vor allem die bekannten Probleme der Eurobahn – Mangel an Triebwagenführern und schlechte Dienstplanung –schienen rechtzeitig behoben. Vom Altbetreiber Westfalenbahn wurden viele, dringend benötigte Fachkräfte übernommen, dazu reihenweise eigene ausgebildet. Letzteres aber wohl nicht schnell genug. „Aufgrund von unvorhergesehenen Verzögerungen beim Abschluss zweier Ausbildungskurse waren wir kurzfristig gezwungen, mit einer dünneren Personaldecke als geplant zu starten. Dadurch ließen sich Zugausfälle sowie ein reduziertes Sitzplatzangebot in zu vielen Fällen nicht vermeiden“, erklärte die Eurobahn am Freitag. Für verspätete und unzureichende Fahrgastinformationen im Internet machte das Unternehmen Fehler in der Datenübermittlung verantwortlich.

Erste Krisengespräche

Und so wiederholt sich allen Versprechungen zum Trotz auch für die Fahrgäste im Raum Osnabrück zurzeit alles, was der Eurobahn schon vor Jahresfrist im angrenzenden Ostwestfalen-Lippe-Netz zum Verhängnis geworden war und Kunden wie Besteller auf die Barrikaden brachte. Wie damals wurden auch jetzt wieder Krisengespräche geführt, und das in einem „sehr ernsten Ton“, wie es beim federführenden Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) heißt.

Nächste Bewährungsprobe

Denn die nächste Bewährungsprobe im Teutoburger-Wald-Netz steht unmittelbar bevor: Nach amtlicher Zulassung von acht neuen Mehrsystem-Elektrotriebzügen in Deutschland und den Niederlanden soll ab Sonntag die Linie RB61 bis Hengelo fahren. Ob das klappt, ist offen. Im jüngsten Testbetrieb zeigten die neuen Fahrzeuge laut Eurobahn „vereinzelt technische Störungen“. Vorsorglich würden entlang der Strecke Bad Bentheim–Hengelo Busse als Ersatz bereitgestellt.


Wissenswertes über die Eurobahn

Das Eisenbahnunternehmen Keolis Deutschland mit Sitz in Düsseldorf ist seit 2000 mit seiner Marke Eurobahn im öffentlichen Schienenpersonennahverkehr unterwegs. In Nordrhein-Westfalen betreibt es das Ostwestfalen-Lippe-Netz (vier Linien bis 2025), das Hellwegnetz (vier Linien bis 2030) sowie das Maas-Rhein-Lippe-Netz (zwei Linien bis 2025). Von 2019 bis 2031 kommt das S-Bahn-Netz Rhein-Ruhr mit zwei weiteren Linien hinzu.

Am 10. Dezember 2017 übernahm die Eurobahn das bislang von Westfalenbahn und DB Regio gemeinsam betriebene Teutoburger-Wald-Netz (TWN). Dieses umfasst fünf Linien: RB61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg). Mit 5,3 Millionen Zugkilometern jährlich ist das TWN das Netz mit den zweitmeisten Fahrten im Eurobahn-Portfolio.

Allen Fahrgästen steht rund um die Uhr das Eurobahn-Kundencenter unter einer Hotline zur Verfügung. Die Nummer 00800 387 622 46 ist laut Keolis sowohl innerhalb Deutschlands als auch aus dem Ausland kostenlos mobil und aus dem Festnetz zu erreichen. Auf seiner Internetseite sowie auf Twitter (@eurobahn_info) informiert das Unternehmen nach eigenen Angaben durchgängig zur aktuellen Verkehrslage in Echtzeit.

Fahrgäste, die mit den Leistungen der Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz unzufrieden sind, können sich mit ihren Beschwerden auch direkt an die Aufgabenträger wenden. Diese sind auf deutscher Seite der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) in Unna, Telefon 02303/95263-0 , E-Mail info@nwl-info.de, und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) in Hannover, Telefon 0511/53333-0, E-Mail info@lnvg.de.