Neue Zusammensetzung, neue Führung Osmanen Germania neu in Osnabrück gegründet

Von Jörg Sanders

Der Osmanen Germania Boxclub hatte im Jahr 2016 sein Clubhaus in der Neulandstraße (Foto). Inzwischen gibt es das Clubhaus nicht mehr. Archivfoto: Michael GründelDer Osmanen Germania Boxclub hatte im Jahr 2016 sein Clubhaus in der Neulandstraße (Foto). Inzwischen gibt es das Clubhaus nicht mehr. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Die rockerähnliche Gruppierung Osmanen Germania Osnabrück hat sich nach ihrer Auflösung im Sommer 2017 neu und unter neuer Führung gegründet. Verbindungen nach Ankara, zur Regierungspartei AKP und in das Umfeld des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan wie in Nordrhein-Westfalen sind der Polizei nicht bekannt.

2015 war die Osnabrücker Ortsgruppe gegründet worden. Die Mitglieder siedelten sich mit ihrem Clubhaus für einige Zeit in der Neulandstraße an. Das gibt es aber schon lange nicht mehr. Die Ortsgruppe habe sich im Sommer vergangenen Jahres aufgelöst, sagt Polizeisprecher Frank Oevermann auf Anfrage unserer Redaktion.

Neue Gruppe ohne Clubhaus

Im Dezember 2017 sei eine neue Ortsgruppe unter neuer Führung und mit neuer Zusammensetzung entstanden, so Oevermann. Ein neues Clubhaus hätte die Osmanen Germania nicht. Fotos zeigen die neu formierte Gruppe in einer zentral gelegenen Osnabrücker Shisha-Bar.

Zur Anzahl der Mitglieder äußert sich die Polizei nicht. Aktuelle Fotos auf Facebook und Instagram lassen etwa 25 Mitglieder und Unterstützer vermuten.

Offenbar Streitigkeiten

Die Hintergründe der Auflösung und Neugründung seien der Polizei nicht bekannt. Ganz konfliktfrei verlief die Zäsur womöglich nicht: Auf Facebook konkurrieren inzwischen zwei lokale Osmanen Germania-Seiten sowie ein Osmanen Germania-Blog. In einem Eintrag heißt es zu einem Foto eines jungen Mannes: „Dieser Hund, der sich als Mitglieder der Familie Osmanen Germania ausgibt, ist keiner von uns und war auch nie einer gewesen. O.G. Vorstand.“ Auf Instagram zeigt die Gruppe das Bild eines anderen Mannes mit dem Vermerk „Kein Mitglied. Bad Standing“.

Polizei hat Auge auf Osmanen Germania

Einige Mitglieder der damaligen und jetzigen Gruppe waren und sind den Ermittlungsbehörden wegen verschiedener Delikte bekannt. 2016 hatten Landeskriminalamt und Polizei unserer Redaktion bestätigt, die Osnabrücker Ortsgruppe zu beobachten. „Wir haben auch weiterhin ein Auge drauf“, sagt Oevermann. Als Gruppe seien die Osmanen Germania bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Osmanen Germania in NRW mit Verbindungen nach Ankara

Stark vertreten sind die Osmanen Germania in Nordrhein-Westfalen. Dem Innenministerium zufolge hat die rockerähnliche Gruppe Verbindungen nach Ankara und zu Erdoğans Umfeld, berichtete der „Kölner Stadtanzeiger“. Sie seien deren Handlager und würden Geld und Rückendeckung aus Ankara erhalten. „Wir haben keine Erkenntnisse dieser Art“, sagt Oevermann von der Osnabrücker Polizei.

Reul: Rückendeckung aus Ankara

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte dem Düsseldorfer Landtag jüngst berichtet, dass türkische Behörden Aktivitäten der Osmanen in Deutschland – gerichtet gegen die PKK, linksextremistische Türken und die Gülen-Bewegung – als „Terrorbekämpfung“ bewerten und diese befürworten. Belegt seien auch Kontakte von Osmanen-Führern zu Beratern von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. In NRW hat die Gruppierung 14 Chapter mit 170 Mitgliedern und steht auch in Verbindung mit den vom Verfassungsschutz beobachteten „Grauen Wölfen“ mit 4000 Mitgliedern.

Ordner bei UETD-Veranstaltungen

Die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) habe Mitglieder der Osmanen Germania als Ordner eingesetzt, so das NRW-Innenministerium. Auch in Osnabrück war das 2015 der Fall, berichteten die „Stuttgarter Nachrichten“. Die UETD gilt als AKP-Lobbyorganisation. Dem „Kölner Stadtanzeiger“ zufolge soll ein UETD-Funktionär als „Mittelsmann zwischen Osmanen und AKP“ aufgetreten sein. UETD-Chef Bülent Bilgi sprach von „wiederkehrend falschen Behauptungen“ und „Verleumdung“.

Außendarstellung als Boxclub

Seit 2014/2015 gibt es die Osmanen Germania in Deutschland, sie gelten als türkisch-nationalistisch und bezeichnen sich selbst als Boxclub (BC), nicht Motorradclub (MC). Tatsächlich sind deren Mitglieder eher in Limousinen denn auf Motorrädern zu sehen.

Dennoch gelten sie bei den Behörden wie den Landeskriminalämtern als rockerähnlich, da sie ähnliche Strukturen wie klassische Motorradclubs wie die Hells Angels haben. Die Ortsgruppen der Osmanen Germania haben je einen Präsidenten, ihre Mitglieder sind Member. Dem Niedersächsischen LKA zufolge geht es aber nicht ums Boxen, sondern um Gebietsansprüche und Macht.

Die Osnabrücker Mitglieder der damaligen Ortsgruppe hatten das im Gespräch mit unserer Redaktion im Jahr 2016 bestritten.

In Niedersachsen waren dem LKA zufolge Ende 2015 sechs Rockergruppierungen mit 765 Mitgliedern in mehr als 70 Clubs aktiv. Hinzu kamen rockerähnliche Gruppierungen wie die United Tribuns und Osmanen Germania. Neben Osnabrück soll es eine weitere Osmanen Germania-Gruppe seit April 2016 in Steinfeld im Landkreis Vechta geben. Bei einer bundesweiten Razzia im November 2016 und der Suche nach Waffen und Drogen war auch dieser Club durchsucht worden. Bundesweit sitzen zahlreiche Funktionäre der Osmanen Germania in Haft.

Landeskriminalamt und das Niedersächsische Innenministerium sahen sich nicht zuständig für Auskünfte zu den Osmanen Germania und verwiesen an die Polizei.

(Mit dpa)


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