Stand-Up-Comedy at its best Feiner Nightwash-Abend im Osnabrücker Haus der Jugend

Riesenbaby 
              
              ohne Bartwuchs, aber mit Sex: Stand-Up-Comedian Thomas Schmidt beim „Nightwash“ im Haus der Jugend. Foto: Hermann PentermannRiesenbaby ohne Bartwuchs, aber mit Sex: Stand-Up-Comedian Thomas Schmidt beim „Nightwash“ im Haus der Jugend. Foto: Hermann Pentermann

OSNABRÜCK. Der plakative Anspruch „Stand-Up at its best“ erwies sich als nicht zu viel versprochen: Hochklassige und abwechslungsreiche Comedy bot der Nightwash-Abend im Haus der Jugend.

Die rosa Wäscheklammer auf der Bühne ist das einzige Utensil im restlos ausverkauften Saal, das an den Kölner Waschsalon erinnert, in dem der Stand-Up-Klassiker seinen Ursprung und seine Heimat hat. Die Programmvielfalt von fein bis dunkel als inhaltliches Markenzeichen der unverwüstlichen Comedy-Gewäschmaschine sorgte indes auch dort für einen abwechslungsreichen Abend, der sich gewaschen hat. Dafür sorgte auch und vor allem Moderator Quichotte, der die Plattform nutzte, um mit musikalischen Einlagen seine gescheiterte Band-Karriere zu kompensieren. Das reichte vom Kurzprogramm der auf den Punkt gebrachten Blues-Persiflage „Got No Money“ über vermeintlichen „Rap Shit“ mit spanischen Gitarrenanklängen und Trompetensolo ohne Instrument bis hin zu einem tatsächlichen Freestyle-Rap. Diesen reimte der ehemalige Poetry-Slammer aus der Domstadt sehr spontan und äußerst kreativ mit fetten Harfen-Beats aus der Loop Station und viel Wortwitz aus mitunter bizarren Begriffen wie Warentrennklotz oder Wurstwasser, die Teile des Publikums in der Pause aufgeschrieben hatten, buchstäblich zusammen.

Sexgeschichten und Musik

Messerscharfe Pointen lieferte der aus der Klingenstadt Solingen stammende Wahlkölner Thomas Schmidt, der mangels ausreichendem Bartwuchs allerdings nicht auf die Produkte seiner Heimatstadt angewiesen ist. Das 32-jährige Riesenbaby berichtete über seine Schwierigkeiten beim Alkohol- und Kondomkauf, bekannte sich als Seehund-Fetischist und verriet Tricks, wie man den Online-Händler Amazon und deren Kunden ärgern kann. In der zweiten Runde punktete er vor allem mit Sexgeschichten.

Das hatte Robert Alan aus Würzburg nicht nötig. Aus der Erkenntnis heraus, dass „Sex ohne Hintergrundmusik wie Schnitzel klopfen“ klingt, übernahm er den Rock’n’Roll-Part des vergnüglichen Abends. Ob mit einer Ballade gegen das bildungsbürgerliche „Kabarettpublikum-Pack“, einer Rhythm-and-Blues-Parodie mit „Kochbeutelreis“ oder pointierten Intro-Variationen eines klassischen „Love Songs“: Der Unterfranke lieferte Musik-Comedy vom Feinsten, die mit Sicherheit auch abendfüllend funktioniert.

Spiel mit Vorurteilen

Werbung in eigener Sache machte schließlich auch Özgür Cebe, der Ausschnitte aus seinem aktuellen Programm „Born in the BRD“ präsentierte. Dabei spielte der Bielefelder mit türkisch-armenisch-kurdischen Wurzeln, der es bis nach Bonn geschafft hat, virtuos auf der Klaviatur der ethnischen Klischees und Vorurteile, mit denen er sich selbst kontinuierlich konfrontiert sieht. Mit rassistischen Witzen hat er kein Problem, denn: „Ich darf das, ich bin Deutscher“, brachte er absurde Legitimierungszwänge auf den Punkt. Entsprechend furchtlos transformierte der Mann, der in Deutschland Kinderfreundlichkeit vermisst („Viele Kinder sind nicht freundlich“) und Currywurst trotz möglichen Schweingehalts auch „aus islamischer Sicht“ für „keine Sünde“ hält, da sie beschnitten sei, abendländisches Schlagergut in morgenländische Varianten.


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