Günstiger als Helene Fischer Indie-Rockband Razz aus dem Emsland kommt nach Osnabrück

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Razz beim Popsalon 7 in der Lagerhalle: Die Band aus dem Emsland kommt am Donnerstag, 18. Januar erneut nach Osnabrück. Foto: Katharina LeuckRazz beim Popsalon 7 in der Lagerhalle: Die Band aus dem Emsland kommt am Donnerstag, 18. Januar erneut nach Osnabrück. Foto: Katharina Leuck

Osnabrück. Seit 2012 steigern Razz stetig ihren Erfolg. Anlässlich ihres Gastspiels in der Osnabrücker Lagerhalle unterhielten wir uns mit dem Sänger Niklas Keiser über Schöninghsdorf, Festivals und prominente Produzenten.

Niklas Keiser, im vergangenen Jahr haben Sie mit Ihrer Band Ihr zweites Album herausgebracht. Es heißt „Nocturnal“, also „Nachtaktiv“. Das hört sich nach Party und „Sex Niklas Keiser, im vergangenen Jahr haben Sie mit Ihrer Band Ihr zweites Album herausgebracht. Es heißt „Nocturnal“, also „Nachtaktiv“. Das hört sich nach Party und „Sex & Drugs & Rock´n´Roll“ an.amp; Drugs Niklas Keiser, im vergangenen Jahr haben Sie mit Ihrer Band Ihr zweites Album herausgebracht. Es heißt „Nocturnal“, also „Nachtaktiv“. Das hört sich nach Party und „Sex & Drugs & Rock´n´Roll“ an.amp; Rock´n´Roll“ an.

Witzig, Sie sind der Erste, der das assoziiert. Eigentlich hat der Titel nicht so viel mit Party zu tun. Bevor wir im letzten Jahr ins Studio gegangen sind, hatten schon relativ viele Songs vorbereitet. Darunter waren viele Instrumentalstücke ohne Text. Ich muss zugeben, dass ich nicht der schnellste Textschreiber bin. Damals war ich nachts sehr oft wach, mir gingen tausend Fragen durch den Kopf: Sind unsere Songs gut genug. Werden sie auch auf der Bühne funktionieren? Ich war von Selbstzweifeln getrieben. Daraus resultierten immense Schlafprobleme. Weil ich wach war, habe ich die Zeit dann zum Schreiben neuer Songs genutzt. Das heißt, viele Stücke sind nachts entstanden. Daher der Albumtitel.

Sind die Songs dadurch düsterer geworden?

Weil wir unserem Sound einige elektronische Instrumente hinzugefügt haben, ist er im Vergleich zu unserem ersten Album ein wenig kälter und sphärischer geworden. Vielleicht auch ein bisschen düsterer.

 

Mit Stephen Street haben Sie einen prominenten Produzenten für das Album gefunden, der schon mit Blur, The Smiths und Morrissey zusammengearbeitet hat. Wie viel Einfluss hat er auf Ihr Album genommen?

Er hat relativ wenig am Arrangement der Stücke verändert, sondern eher an den Sounds gefeilt. Und er hat sich meine Texte vorgenommen. Dadurch, dass er als Brite ein „Native Speaker“ ist, sind ihm einige englische Formulierungen aufgefallen, die nicht ganz korrekt waren. Diese Anregungen habe ich gerne übernommen. Außerdem ist durch seine Mitwirkung der Sound harmonischer und das ganze Album homogener geworden. Das Album bekam eine gewisse Reife und unsere Band auch.

Waren Sie befangen, als Sie dem Kultproduzenten gegenübertraten?

Klar am Anfang herrschte das Gefühl vor: Wow, wie kommt es, dass der Mann sich für uns interessiert? Aber wenn man mit zu viel Ehrfurcht an solch eine Person herangeht, ist das hinderlich. Wir haben uns sehr schnell angefreundet, sodass wir durchaus offen auch über emotionale Dinge sprechen konnten, um die es in unserer Musik geht. Aber klar, eine gewisses Maß an Respekt ist geblieben.

 

Ihre Band stammt aus Schöninghsdorf im Emsland. Leben Sie noch dort?

Ja. Zwar sind wir durch die Albumproduktion und die anschließende Tour seit fast einem Jahr pausenlos unterwegs. Da kommen wir eher selten nach Hause. Aber wenn wir mal einen Tag frei haben, ziehe ich mich tatsächlich hierhin zurück. Es ist ja auch von Vorteil, wenn man einen ruhigen Bezugspunkt hat. Außerdem haben wir hier unseren Proberaum.

 

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, mit der Band in eine größere Stadt zu ziehen, beispielsweise nach Berlin?

Gute Frage. Ich kann mir das durchaus vorstellen. Berlin wäre natürlich eine gute Wahl, weil die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, dort ihre Büros haben. Aber ich finde Köln und Hamburg auch ganz schön.

 

Ich habe gehört, dass ein Bandmitglied mit dem Gedanken spielt, sich ein Zimmer in Osnabrück zu nehmen.

Ja, unser Drummer Steffen. Vielleicht macht er das im Sommer. Momentan denken wir aber weniger darüber nach, weil wir schon seit letztem November fast durchgängig auf Tour sind. Zuerst sind wir als Support für Mando Diao aufgetreten, dann startete anschließend unsere eigene Tournee, die noch bis Februar geht. Am Ende haben wir 45 Konzerte gespielt.

 

Geht das nicht an die Substanz?

Nein. Wir mögen es, Gigs hintereinander weg zu spielen. Man merkt mit jeden Abend, dass man eingespielter wird und dass man sich dann mehr aufs Publikum konzentrieren kann. Wenn man einzelne Festivalshows spielt, ist man nervöser und man konzentriert sich eher darauf, was innerhalb der Band passiert und ob rein musikalisch alles passt. Auf Tour kann man sich mehr dem Moment widmen.

 

Razz ist eine Band, die durch Live-Auftritte relativ schnell bekannt wurde.

Nein, das würde ich nicht sagen. Wir sind keine Hype-Band, die kurz nach oben gepusht wurde und dann schnell wieder verschwindet. Ich glaube, wir entwickeln uns sich stetig und konstant weiter. Wir haben seit unserer Gründung im Jahr 2012 – wie man so schön sagt – auch schon viel Scheiße gefressen.

 

Jetzt sind Sie in dem Stadium, in dem Sie eine richtige Fangemeinde haben?

Ja, es gibt mittlerweile tatsächlich viele Leute, die mehrere Konzerte von uns anschauen. Ich habe Zuschauer getroffen, die für neun Gigs auf der laufenden Tour Tickets hatten. Dass diese Fans sich so viele Konzerte anschauen, liegt vermutlich auch daran, dass unsere Tickets nicht so teuer sind wie die für ein Konzert von Helene Fischer.

 

Müssen Sie eigentlich noch nebenbei arbeiten?

Naja, zurzeit sind wir ja auf Tour und da wird man von morgens bis abends und von Kopf bis Fuß versorgt. Ich habe aber auch schon Fenster geputzt oder im Getränkemarkt gearbeitet, um Geld zu verdienen. Zwischendurch habe ich auch schon mal vier Semester Wirtschaftswissenschaften studiert. Das Studium pausiert momentan.

 

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Jetzt beenden wir erst einmal unsere Tour, dann kommen diverse Festivalauftritte im Sommer und wir schreiben auch schon wieder neue Songs.

 

Wo treten Sie im Sommer auf?

Leider darf ich viele Termine noch nicht verraten, weil das Line-Up noch nicht veröffentlicht wurde. Aber ich freue mich schon sehr aufs Deichbrand-Festival. Da werden wir jetzt zum dritten Mal auftreten und das war bisher immer total gut. Noch häufiger waren wird nur beim Rocken am Brocken-Festival. Dort haben wir sechs Jahre hintereinander gespielt. Das ist ein Festival, das mit Herzblut gemacht wird. Dagegen ist

Rock am Ring, wo wir im letzten Jahr waren, ein Riesending mit ganz anderer Atmosphäre. Aber wir waren geradezu schockiert, wie viele Zuschauer dort absolut textsicher waren.

 

Gibt es Gigs auf der Tour, auf die Sie sich besonders freuen?

Wie sind noch ziemlich geflasht von der Resonanz auf unseren Berlin-Auftritt: Die Location ist mit knapp 1000 Leuten bereits ausverkauft.

Und auch Rostock, wo ich vorher noch nie in meinem Leben war: ausverkauft. Aber ich freue mich natürlich auf unseren Gig in Osnabrück, weil dort viele Freunde von uns wohnen. Das wird bestimmt die beste Show!


Razz live: Donnerstag, 18. Januar, 20 Uhr, Lagerhalle Osnabrück. Support: Yukno.

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