Das Beispiel Kühnehof So sollen Investoren den sozialen Wohnungsbau in Osnabrück retten

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31 Wohnungen entstehen derzeit im Bauprojekt Kühnehof an der Bohmter Straße. Fünf von ihnen wurden auf Veranlassung der Stadt mit einer Sozialbindung für Familien mit mindestens einem Kind versehen. Aber trotz des günstigen Preises sind bisher erst drei von ihnen verkauft worden. Foto: Lahmann-Lammert31 Wohnungen entstehen derzeit im Bauprojekt Kühnehof an der Bohmter Straße. Fünf von ihnen wurden auf Veranlassung der Stadt mit einer Sozialbindung für Familien mit mindestens einem Kind versehen. Aber trotz des günstigen Preises sind bisher erst drei von ihnen verkauft worden. Foto: Lahmann-Lammert

Osnabrück. Weil die Stadt nur sehr wenig Geld für den sozialen Wohnungsbau ausgeben kann, verpflichtet sie Investoren von Neubauten, ein bestimmtes Kontingent an preiswerten Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Am Kühnehof wurde das erstmals praktiziert. Bislang allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

31 Wohnungen errichtet der Hunteburger Bauträger Futura auf dem früheren Gelände der Essigfabrik Kühne an der Bohmter Straße. Fünf davon unterliegen einer Sozialbindung. Nach dem Willen der Stadt sollen sie zu einem vergünstigten Preis an Familien mit mindestens einem Kind unter 16 Jahren verkauft werden. Die Käufer der übrigen Wohnungen zahlen also etwas mehr, um es den Familien etwas leichter zu machen. „Family First“ heißt dieses Angebot bei der Futura, der Quadratmeterpreis dafür liegt bei 2150 Euro.

Guter Preis, wenig Nachfrage

„Unschlagbar günstig“, nennt Markus Pörtner von der Immobilienabteilung der Sparkasse Osnabrück diesen Preis. Aber zum Renner ist das Angebot nicht geworden. Nach Informationen unserer Redaktion sind bisher nur drei der fünf „Family-First“-Wohnungen verkauft worden – und das, obwohl die Vermarktung bereits seit einem Jahr läuft und alle anderen Wohnungen ohne die Sozialbindung längst in festen Händen sind.

Viele jüngere Familien suchten wohl eher ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte mit Garten als eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, meint Immobilienspezialist Pörtner. Dennoch ist er überzeugt, dass auch solche Wohnformen wie am Kühnehof nicht nur für Singles oder Paare interessant sind. Aber das müsse sich in Osnabrück vielleicht erst noch herumsprechen.

Die Stadt will in Zukunft häufiger mit den sogenannten Rahmenvorgaben für die Baulandentwicklung arbeiten, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Und zwar überall dort, wo sie neues Baurecht schafft oder städtebauliche Verträge mit Investoren abschließt. Mit dem erklärten Ziel, dass 10 bis 30 Prozent der neu geschaffenen Wohnungen vergünstigt angeboten werden. So sollen beispielsweise im Landwehrviertel Mietwohnungen entstehen, die nicht teurer als 7 Euro/qm werden dürfen.

Halbwegs bezahlbar

Ähnliche Absichten verfolgen die städtischen Stellen bei Verhandlungen mit Investoren, die in Voxtrup und Pye bauen wollen. Mit solchen Vereinbarungen werde auch einer einseitigen Bevölkerungsstruktur entgegengewirkt, meint Stadtbaurat Otte. Er ist sich bewusst, dass 7 Euro pro Quadratmeter nicht geeignet sind, die großen Probleme auf dem Wohnungsmarkt zu lösen. Aber wenn es gut laufe, könnten bis 2020 vielleicht 200 bis 300 halbwegs bezahlbare Mietwohnungen den allergrößten Druck aus dem Kessel nehmen.

Die Rahmenvorgaben für die Baulandentwicklung sind für die Stadt ein kleines Trostpflaster, um dem unaufhaltsamen Schwund an Sozialwohnungen entgegenzuwirken. Vor fünf Jahren gab es noch für mehr als 2000 Wohnungen in Osnabrück eine soziale Bindung, 2020 werden es wohl nur noch halb so viele sein. Dabei ist die Zahl der Menschen gestiegen, die sich wegen ihres geringen Einkommens einen Wohnberechtigungsschein ausstellen lassen können. Aber wo es keine Wohnungen gibt, hilft das Papier auch nicht weiter.

Mehr Erfolg mit Altbauten

200000 Euro stellt der Rat nun jährlich für die Wohnraumförderung zur Verfügung, für das laufende Jahr wurden noch einmal 100000 Euro draufgelegt. Weil der Jahresetat bei Neubauten gerade mal für eine(!) 80-qm-Wohnung reichen würde, hat sich die Stadt für einen anderen Weg entschieden. Mit kleineren Beträgen um die 10000 Euro werden Hauseigentümer unterstützt, die Altbauten sanieren und im Gegenzug Belegungsrechte abtreten. Auf diese Weise können pro Jahr 16 bis 18 Wohnungen mit einer Sozialbindung versehen werden – bei Mieten um die 5,70 Euro. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, klagen Politiker. Aber besser als gar nichts.


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