Werbefilm Stadt Osnabrück will mehr Flüchtlinge fürs Ehrenamt gewinnen



Osnabrück. Die Freiwilligen-Agentur der Stadt Osnabrück will mehr Flüchtlinge dazu bringen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dafür haben drei junge Bundesfreiwilligendienstler (Bufdis) einen zweiminütigen Film produziert.

Rund 4500 Flüchtlinge leben mittlerweile in Osnabrück. Bislang waren sie diejenigen, die Hilfe brauchten. Doch aus dieser defizitären Rolle sollen die Geflüchteten nun herauskommen und selbst anderen helfen, sagen Ulrich Freisel und Raphael Dombrowski von der Freiwilligen-Agentur. „Viele wollen etwas tun, etwas zurückgeben und wirklich Teil dieser Gesellschaft werden“, sagt Dombrowski. „Für uns stellte sich die Frage: Wie erreicht man sie?“


Die Idee, dafür einen kurzen Film zu produzieren und über die sozialen Medien zu verbreiten, hatten die Bundesfreiwilligendienstler Nathalie Albrecht und Colin Partington, bei der Umsetzung wurden sie vom dritten Bufdi der Freiwilligen Agentur unterstützt, Mohanad Alhajee aus Syrien, der seit zwei Jahren in Osnabrück lebt und seit November bei der Freiwilligen-Agentur arbeitet. Über sein Engagement als Judotrainer kam er zu dem Bundesfreiwilligendienst. Sein Hauptziel: Seine Deutschkenntnisse verbessern.

Alle Darsteller sind Geflüchtete

Der zweiminütige Streifen kommt ohne Worte aus. Zu sehen sind junge Flüchtlinge, die aus Alltagssituationen heraus in ein Ehrenamt gezogen werden: vom Schlendern über den Markt in einen Kinderhort, vom Telefonieren unter dem Heger Tor in einen Einsatz mit der Freiwilligen Feuerwehr oder vom Tippen einer Handynachricht vor dem Dom zu zwei Seniorinnen ins Altersheim. „Wir wollten zeigen, dass Ehrenamt mitreißend ist“, erläutert Nathalie Albrecht. Sämtliche Darsteller sind Geflüchtete.

Hier geht es zum Film

Die junge Frau, die in der Altenheim-Szene zu sehen ist, heißt Ayda Alamani. Seit zwei Jahren lebt die Syrerin in Osnabrück. Ihre Deutschkenntnisse sind schon gut, sie will die Sprache aber noch besser beherrschen und dafür mehr Kontakt zu Deutschen haben. Eine Lehrerin gab ihr und einer Freundin eines Tages die Adresse der Freiwilligen-Agentur – und jetzt ist die junge Frau regelmäßig auch im realen Leben im Altersheim im Einsatz, unterhält sich dort mit den Bewohnern oder spielt Mensch-Ärgere-Dich-Nicht mit ihnen, wie sie lächelnd erzählt.

Projekt „Neu-Osnabrücker willkommen“

„Wir hatten bislang etwa 60 Beratungen“, sagt Dombrowski, sprich: 60 Flüchtlinge, die sich auf der Suche nach einem Ehrenamt an die Freiwilligen-Agentur gewandt haben. Von etwa 18 Personen wisse das Team, dass sie fest vermittelt seien, wie viele es wirklich sind, ist bei Ehrenamtlichen – geflüchtet oder nicht – immer schwer zu sagen, die Dunkelziffer ist in der Regel erheblich höher. „In den Moscheen gibt es viel ehrenamtliches Engagement, in den Bereichen der Flüchtlingshilfe selbst ebenfalls“, sagt Ulrich Freisel.

2016 hatte die Freiwilligen-Agentur erste Angebote für Flüchtlinge initiiert und gezielt mit Einrichtungen Kontakt aufgenommen, um diese neue Gruppe potenzieller Ehrenamtlicher zu vermitteln. Im Sommer 2017 lief das Projekt „Neu-Osnabrücker willkommen“ dann richtig an, erläutert Dombrowski. Rund 20 Partner hat die Agentur gefunden, an die sie Geflüchtete vermitteln kann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN