VW Osnabrück 1500 Beschäftigte nehmen in Osnabrück an Warnstreik teil



Osnabrück Am Mittwochmorgen haben rund 1500 Beschäftigte von Volkswagen Osnabrück und Valmet Automotive an einem Warnstreik teilgenommen, zu dem die IG Metall aufgerufen hatte. Es geht unter anderem um eine Lohnerhöhung und flexiblere Arbeitszeiten.

Die Signalfarbe ist rot. Die Metaller tragen rote Mützen und Fahnen der IG Metall, die derzeit in vielen Bundesländern zum Streik aufruft, um den Forderungen der Gewerkschaft im aktuellen Tarifkonflikt Nachdruck zu verleihen. So auch am Osnabrücker VW-Werk. „Wir sind das Volk“, murmelt jemand im Vorbeigehen. Auf einem Transparent steht „Zeitdiebe stoppen!“, auf einem anderen „Miteinander für mehr Zeit für uns“ – und damit ist bereits grob umrissen, worum es in der aktuell laufenden Tarifrunde und bei den Warnstreiks geht.

Erhöhung der Entgelte und mehr Zeit für Familie

Denn neben einer geforderten Erhöhung der Entgelte um sechs Prozent – die Arbeitnehmer „wollen beteiligt sein an der wirtschaftlichen Entwicklung“, so IG-Metall-Vertrauenskörperleiter Joachim Bigus – geht es der Gewerkschaft vor allem um ein Aufweichen des Acht-Stunden-Tags und damit einhergehender Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit. So soll es den Arbeitnehmern bewilligt werden, ihre Zeit im Betrieb vorübergehend auf bis zu 28 Stunden pro Woche zu reduzieren, etwa um Familienangehörige zu pflegen oder sich um ihre Kinder zu kümmern. Dies soll, so der Wunsch der Gewerkschaft, als Ausgleich der verfallenden Arbeitsstunden vom Arbeitgeber bezuschusst werden. Bigus nennt dies eine „kurze Vollzeit“. Um die sogenannte „Teilzeitfalle“ zu umgehen, wie es Stephan Soldanski, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück, betitelt, soll es danach ohne Weiteres möglich sein, wieder zur Vollzeitarbeit zurückzukehren.

Die Arbeitgeber bieten eine Entgelterhöhung von zwei Prozent sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro für die ersten drei Monate an, wenn die Arbeitnehmer einer neuen Arbeitszeitregelung zustimmen. Die Arbeitgeberseite wolle die 18-Prozent-Quote abschaffen. Diese stellt derzeit noch sicher, dass nicht mehr als 18 Prozent der Beschäftigten eines Betriebs eine längere Arbeitszeit als 35 Wochenstunden leistet. „Sie wollen de facto die 35-Stunden-Woche aushebeln“, so Bigus. Damit einhergehend sollen Zuschläge für Überstunden gestrichen werden. Soldanski bezeichnet dies als rückwärtsgewandt.

Hohe Streikbeteiligung der Arbeitnehmer

„Die Beteiligung am Warnstreik war sehr gut, gerade wenn man in Betracht zieht, dass dies die erste Arbeitswoche ist“, resümiert Bigus. 500 Teilnehmer mehr als erwartet waren beim 90-minütigen Streik zugegen, bei dem neben Soldanski und Bigus auch Justus Kirchner, stellvertretender Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung, eine kurze Rede hielt und für bezahlte freie Tage bei der Vorbereitung und dem Absolvieren der Abschlussprüfung der Auszubildenden plädierte.

Auslöser für den Streik war eine Vertagung der dritten Verhandlungsrunde im aktuellen Tarifkonflikt von Mitte Dezember auf Mitte Januar. Soldanski prognostiziert, dass es nach den ersten Warnstreiks auch zu Tagesstreiks kommen kann, sollte es zu keiner Einigung der Parteien kommen.


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