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Umstrittener Kunst-Kauf Schnell reagiert: Osnabrücker Klinikum verkauft Bild mit Gewinn

Von Wilfried Hinrichs

Konferenzraum mit Bild von Helle Jetzig. Foto: Wilfried HinrichsKonferenzraum mit Bild von Helle Jetzig. Foto: Wilfried Hinrichs

pm/hin Osnabrück. Das Klinikum Osnabrück hat schnell auf die Kritik am Kauf teurer Kunst reagiert und heute das Bild eines Osnabrücker Künstlers verkauft.

Der Sprecher der Klinikum-Geschäftsführung, Martin Eversmeyer, teilte am Mittwochnachmittag mit, das Bild von Helle Jetzig sei an einen Osnabrücker „mit Gewinn“ verkauft worden. Der Kunstfreund werde das Werk dem Klinikum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen.

Den Namen des Käufers und den Kaufpreis wollte Eversmeyer nicht nennen. Es sei jemand, „der dem Klinikum nahesteht“. „Wir kennen ihn gut“, so Eversmeyer. Er habe aber um Anonymität gebeten. Der Käufer kommt nach Angaben des Geschäftsführers nicht aus dem Management des Krankenhauses, nicht aus dem Aufsichtsrat oder aus der Politik.

Den Kaufpreis wollte Eversmeyer nicht preisgeben, „weil der letzte Euro noch nicht ausgehandelt ist“. Dem Klinikum bleibe aber auf jeden Fall ein Gewinn, versicherte Eversmeyer. Wo die Dauerleihgabe in Zukunft aufgehängt wird, ist noch offen. „Vielleicht an einer öffentlichen Stelle, vielleicht bleibt es auch da, wo es jetzt ist. Mal sehen.“

Harsche Kritik

Alexander Lottis, Mitglied der Geschäftsführung, hatte das Bild im vergangenen Jahr zum Preis von 14000 Euro erworben und im großen Konferenzraum des Klinikums aufhängen lassen. Der Raum ist für Besucher oder Patienten in der Regel nicht zugänglich. Nach Expertenmeinung liegt der tatsächliche Wert des Bildes deutlich über dem Kaufpreis. Bilder von Helle Jetzig aus jener Periode werden ab 25000 Euro gehandelt.

Lottis ist in der Geschäftsführung für das Gebäudemanagement und den Einkauf zuständig. Er hat beim Kunst-Kauf seine Kompetenzen nicht überschritten, wie Wirtschaftsprüfer feststellten. Lottis erwarb das Bild in einer Phase, als das wirtschaftlich angeschlagene Klinikum in einem harten Sanierungsprozess erste Erfolge melden konnte. Dazu hatten auch die Mitarbeiter beigetragen, die fünf Jahre auf 3,5 Prozent ihres Gehaltes verzichten.

Zuvor hatte FDP-Kreisvorsitzender Moritz Gallenkamp die Kritik an Alexander Lottis bekräftigt. Dass der Geschäftsführer ein Bild für 14000 Euro kaufe, während die Mitarbeiter auf Gehalt verzichten müssten, grenze an Realitätsverlust, so Gallenkamp in einer Mitteilung. Wenn das Klinikum mit dem Spar- und Effizienzsteigerungsprogramm KOS-Work mehrere Millionen Euro erwirtschaftet habe, dann müsse das Geld zunächst bei den Mitarbeitern auf dem Konto landen „und nicht an die Wand genagelt werden“.

Der FDP-Vorsitzende forderte, das künstlerisch wertvolle Bild zu verkaufen und den Gewinn zu realisieren. Gallenkamps Vorschlag: „Eine gute Möglichkeit wäre doch, wenn der Geschäftsführer das Bild selbst erwirbt und es dem Klinikum als Dauerleihgabe kostenlos zur Verfügung stellt.“