Serie zum Osnabrücker Wissensforum Wie gefährlich sind Mikrofasern im Abwasser?

Von Jörg Klasmeier (Gastautor)

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Jörg Klasmeier ist Lehrbeauftragter am Institut für Umweltsystemforschung. Foto: Gert WestdörpJörg Klasmeier ist Lehrbeauftragter am Institut für Umweltsystemforschung. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Beim 10. Osnabrücker Wissensforum im November 2017 haben 32 Professoren der Universität Osnabrück Fragen von Lesern der Neuen Osnabrücker Zeitung beantwortet. Heute als Beitrag: Mikrofasern im Abwasser. Wie gefährlich sind sie für Mensch, Pflanze und Tier?

Jeder von uns weiß, dass Kleidung regelmäßig gewaschen werden muss. Die meisten wissen auch, dass sich in der Waschmaschine regelmäßig Mikrofasern (Flusen) aus den Textilien lösen. Aber wie viele Mikrofasern sind im Abwasser? Und können sie in die Umwelt gelangen und dort Probleme verursachen?

Mit bloßem Auge kaum zu erkennen

Die Antwort auf die erste Frage ist schwieriger als gedacht. Einzelne Fasern sind sehr klein (0,1 bis 5 Millimeter lang und wenige Mikrometer dick), sodass man sie mit bloßem Auge kaum erkennen kann. Im Waschmaschinenablauf sind andererseits so viele, dass man sie selbst unter einem Mikroskop nicht mehr zählen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die Menge von verschiedenen Faktoren abhängt und stark variieren kann. Untersuchungen des Instituts für Umweltsystemforschung haben ergeben, dass die Oberflächenstruktur der Textilien einen großen Einfluss auf die Fasermenge in der Waschlauge hat. Kurz gesagt: Je rauer die Oberfläche ist, desto mehr Fasern werden abgelöst. Je nach Kleidungsart wurden 7 bis 190 Milligramm Mikrofasern pro Kilogramm Textilien aus dem Waschmaschinenablauf filtriert; eine Größenordnung, die durch Studien anderer Forscher bestätigt wird.

17 Gramm pro Jahr

Eine Hochrechnung der Ergebnisse ergibt, dass der Durchschnittsbürger durch Waschen einen Eintrag von über 157.000 Mikrofasern pro Tag beziehungsweise 17 Gramm pro Jahr ins Abwasser verursacht. Das klingt besorgniserregend. Aber gelangen die Fasern auch in die Umwelt und letztlich in die Nahrungskette, wie es Berichte über Mikrofasern in Fischen nahelegen? (Weiterlesen: Roboter als Star des Abends beim 10. Osnabrücker Wissensforum)

Ein erstes Indiz liefern verschiedene Untersuchungen an kommunalen Kläranlagen, bei denen im Ablauf vergleichsweise geringe Fasermengen gefunden wurden. Mikrofasern haben aufgrund ihrer Eigenschaften eine Tendenz zur Anreicherung im Klärschlamm und werden so in der Kläranlage zu einem großen Teil aus dem Abwasser entfernt. Aus den Daten kann man schließen, dass höchstens ein bis zwei Prozent der Fasern aus dem Haushaltsabwasser in die Flüsse gelangen. Unklar ist allerdings, ob dieser Anteil durch die Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft noch erhöht wird.

Als unverdaulich ausgeschieden

Wir müssen also davon ausgehen, dass Mikrofasern in die Umwelt gelangen. Unabhängig davon, dass man sie aus hygienischen Gründen genau so wenig verschlucken möchte wie zum Beispiel Haare, ist zu klären, ob dies eine Gefahr darstellt. Direkt giftig sind sie nicht – aber was passiert, wenn sie verschluckt werden? Die gute Nachricht ist, dass sie bei funktionierender Verdauung von den meisten Organismen als unverdaulich wieder ausgeschieden werden. Ist allerdings die Menge so groß, dass sich die Fasern zu größeren Knäueln zusammenballen, kann dieser Schutzmechanismus ausgehebelt werden. In der Folge kann es zur Verstopfung und sogar zum Verhungern kommen, weil sich ein Sättigungsgefühl einstellt.

Gefahr zurzeit gering

Ähnliches wurde schon bei Seevögeln für größere Plastikteile beobachtet. Für die meisten Organismen und für den Menschen ist diese Gefahr zurzeit gering, aber wir sollten alles daran setzen, die Einträge in die Umwelt zu minimieren, damit es auch so bleibt.


Über das Internetangebot der Universität Osnabrück sind die Beiträge des 10. Wissensforums auch als Video abrufbar unter www.uni-osnabrueck.de/wissensforum.

Das 11. Wissensforum findet am Freitag, 16. November 2018, statt.

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