Klagen von DUH und VCD drohen Luftqualität in Osnabrück: EU-Vorgabe auch 2017 deutlich verfehlt

Autos und Busse machen an Hauptverkehrsstraßen etwa je ein Drittel der NO2-Belastung aus Foto: Jörn MartensAutos und Busse machen an Hauptverkehrsstraßen etwa je ein Drittel der NO2-Belastung aus Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Im vergangenen Jahr hat die Messstation am Schlosswall erneut deutlich mehr Stickstoffdioxid gemessen als die EU als Grenzwert festlegt. Mit 44 Mikrogramm ist es aber der niedrigste Jahresmittelwert seit Beginn der Messungen im Jahr 2006. Schlechter sieht es am Neumarkt aus.

44 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft (µg/m³) maß die Station am Schlosswall im Mittel im Dezember.

Der Jahresmittelwert liegt damit nun ebenfalls bei 44 µg/m³, wie aus vorläufigen Zahlen des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen hervorgeht. Die EU begrenzt ihn auf 40 Mikrogramm. Das vorgeschriebene Ziel wurde folglich erneut verfehlt.

Nicht anders am Neumarkt: Der Passivsammler am Neuen Graben maß in den vergangenen zwölf Monaten bis Ende November einen Jahresmittelwert von 48,3 Mikrogramm.

Seit 2010 müssen die EU-Mitgliedsstaaten den Grenzwert von 40 Mikrogramm einhalten. Wie auch andere Städte bekam Osnabrück Aufschub bis Ende 2015. Doch auch 2016 hatte die Stadt die Latte gerissen: Die Station zur Luftüberwachung am Schlosswall hatte 47 Mikrogramm gemessen, der Passivsammler am Neumarkt 48 Mikrogramm.

Niedrigster Wert seit Messung

Immerhin ist der Jahresmittelwert von 44 Mikrogramm am Schlosswall zugleich der niedrigste Wert, den die Station bislang maß. 2016 waren es 47, 2015 50 und 2006 sogar noch 61 Mikrogramm gewesen. „Die Werte sind in der Tat sehr niedrig, aber mit am höchsten in Niedersachsen“, sagt Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Klimaschutz und Umwelt. Eine Station in Hannover maß ebenfalls 44 Mikrogramm Jahresmittel, nur in Oldenburg ist der Wert einer Verkehrsstation mit 49 Mikrogramm noch höher. In Wolfsburg (31), Göttingen (39), Braunschweig (35) und Barbis (23) registrierten die Messstationen Werte unter 40 Mikrogramm.

Effekt des Neumarkts

Der dennoch vergleichbar geringe Wert am Schlosswall gehe unter anderem auf eine niedrigere Hintergrundbelastung zurück, sagt Gerdts. Die macht an viel befahrenen Straßen etwa ein Drittel der Belastung aus, Busse und Autos die anderen zwei Drittel. So war die Hintergrundbelastung im Dezember 2016 deutlich höher als im Dezember 2017. „Vielleicht lag es am Wetter“, so Gerdts. Mildere Temperaturen erfordern weniger Heizen, die Hintergrundbelastung sinkt. Im Jahresvergleich war die Differenz bei der Hintergrundbelastung jedoch gering. Allerdings war der Neumarkt noch bis Mitte Oktober für den motorisierten Individualverkehr geöffnet – Umwege über den Schlosswall waren nicht nötig.

Klagen drohen

Während das giftige Stickstoffdioxid seit Jahren zum Problem für die Gesundheit der Osnabrücker werden kann, wird es zunehmend zu einem Problem für die Osnabrücker Politik. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) droht mit einer Klage, das Verwaltungsgericht könnte bei einem Erfolg der DUH ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge anordnen. Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zieht eine Klage gegen die Stadt in Erwägung. Nicht zuletzt drohen ihr mittelfristig und bislang indirekt Strafzahlungen an die EU.

Masterplan soll es richten

Im Dezember hatte Osnabrück vom Bundesverkehrsministerium einen Förderbescheid über 185.189 Euro zur Erstellung ihres Masterplans Green City erhalten. Mit ihm hofft die Verwaltung auf eine zweistellige Millionensumme aus dem eine Milliarde schweren Dieselfonds von Bund und Autoindustrie. Der Masterplan soll für sauberere Luft sorgen und Dieselfahrverbote verhindern.

Schlechte Luft, drohende Klagen, Dieselfahrverbote? Fragen und Antworten zum Thema finden Sie hier.


Autos und Busse als Hauptverursacher

An verkehrsreichen Straßen mit hohem Pkw- und Busanteil machen Autos und Busse etwa je ein Drittel der NO2-Belastung aus. Bei den Autos sind insbesondere die Diesel für die Belastung mit Stickstoffoxiden (NOx) verantwortlich. Sie produzieren davon wesentlich mehr als Ottomotoren. Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) sind Bestandteile der Stickstoffoxide (NOx). Ein großer Teil der Stickoxide (NOx), die den Auspuff verlassen, wird erst an der Luft zu NO2 umgewandelt. Das letzte Drittel der NO2-Belastung geht auf die städtische und überregionale Hintergrundbelastung zurück. Dazu zählen auch Emissionen aus Kraftwerken, Autobahnen und der Landwirtschaft.

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