Und der Nordkreis wächst Warum der Osnabrücker Speckgürtel schrumpfen soll

Der Niedersachsenpark in Rieste trägt dazu bei, dass die Samtgemeinde Bersenbrück bis 2035 laut Bevölkerungsprognose um 12,5 Prozent wachsen wird. Archivfoto: Marcus AlwesDer Niedersachsenpark in Rieste trägt dazu bei, dass die Samtgemeinde Bersenbrück bis 2035 laut Bevölkerungsprognose um 12,5 Prozent wachsen wird. Archivfoto: Marcus Alwes

Osnabrück. Bürger im Umland von Osnabrück zeigen sich von der Bevölkerungsprognose des Landkreises überrascht, wonach bis 2035 ausgerechnet der Osnabrücker Speckgürtel schrumpfen soll. Der für die Prognose zuständige Statistiker des Landkreises, Bernward Lefken, erläutert die Hintergründe.

Lefken macht vornehmlich zwei Faktoren für die unterschiedliche Entwicklung der Bevölkerungszahlen verantwortlich: einerseits die Zahl der Geburten im Verhältnis zu den Sterbefällen und andererseits die Zahl der Zuzüge im Verhältnis zu den Fortzügen. „In Georgsmarienhütte haben sich die durchschnittlichen Geburtenzahlen aktuell leicht erhöht. Es bleibt allerdings bei einem Geburtendefizit von aktuell minus 49 pro Jahr“, konstatiert Lefken. Damit meint er, dass in der Hüttenstadt in den vergangenen vier Jahren im Schnitt 49 mehr Menschen starben, als geboren wurden. Im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2016 seien zwar knapp 20 Personen mehr nach Georgsmarienhütte gezogen als wieder wegzogen, doch das wiege das negative Saldo bei den Geburten und Sterbefällen nicht auf. Im Ergebnis wird für Georgsmarienhütte mit 5,2 Prozent kreisweit der größte Bevölkerungsrückgang vorhergesagt.

„Ausweisung von mehr Wohnraum greift“

Der Georgsmarienhütter Bürgermeister Ansgar Pohlmann kommentiert: „Die Bevölkerungsprognose des Landkreises zeigt gegenüber dem vergangenen Jahr eine Verbesserung von minus 8,3 auf minus 5,2 Prozent.“ Die Einwohnerzahl in Georgsmarienhütte habe sich von 2015 bis 2017 um 289 Personen gesteigert. „Die neuerlichen Zahlen sind ein Indiz dafür, dass die Projekte der vergangenen Jahre, insbesondere die Ausweisung von mehr Wohnraum, greifen.“ Dieser Weg werde weiter beschritten, um auch weiteren Wohnraum für alle Altersgruppen anbieten zu können. „Dabei werden wir die nachhaltige Stadtentwicklung im Blick behalten und zum Beispiel weiterhin auf optimierte Ausnutzung bestehender Bauflächen achten“, zeigte sich Pohlmann ungeachtet des prognostizierten Bevölkerungsrückgangs optimistisch.

Wanderungsgewinn von mehr als 290 Personen pro Jahr in der Samtgemeinde Bersenbrück

In der Samtgemeinde Bersenbrück hingegen gab es Lefken zufolge zwischen 2013 und 2016 einen Geburtenüberschuss in Höhe von durchschnittlich knapp 64 Personen pro Jahr und einen Wanderungsgewinn von mehr als 290 Personen pro Jahr. „Daraus resultiert in der Prognose ein hoher Bevölkerungszuwachs“, erklärt der Statistiker im Referat Strategische Planung des Landkreises. Mit einem Wachstum von 12,5 Prozent bis 2035 entwickelt sich die Samtgemeinde demnach kreisweit am stärksten.

Der Bersenbrücker Samtgemeindebürgermeister Horst Baier erklärt die günstige Prognose mit der Ausweisung von Bauland, der guten wirtschaftlichen Entwicklung vor allem durch den Niedersachsenpark und das familienfreundliche Umfeld in seiner Kommune. „Die massiven Investitionen in Kinderbetreuungsplätze in Kitas und Krippen sowie der Ausbau von Ganztagsangeboten in fast allen Schulen haben den Standort Samtgemeinde Bersenbrück sehr attraktiv gemacht“, erläutert Baier. Die Bevölkerungsprognose habe bereits zum Bau von drei neuen Kitas geführt, ein weiterer Ausbau werde notwendig sein. Außerdem habe die Entwicklung zu der Entscheidung geführt, eine eigene Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, die in den nächsten drei Jahren circa 100 neue Wohnungen bauen wird. „Weiterhin wollen wir erstmalig mit größeren eigenen Mittel den öffentlichen Nahverkehr ausbauen“, so Baier.

Bevölkerungsprognose des Landkreises Osnabrück bis 2035. Grafik: NOZ/Sascha Nabrotzky

Lefken verbindet mit seinem Resümee eine Warnung: „In etlichen Kommunen ist mittlerweile die Zahl der Sterbefälle höher als die der Geburten.“ Bevölkerungszuwächse könnten nur noch dann eintreten, wenn das negative Saldo bei den Geburten durch noch höhere Zuzugszahlen (Wanderungsgewinne) ausgeglichen werden können.


So kommentieren Bürgermeister die Bevölkerungsprognose

Otto Steinkamp (Wallenhorst) sieht die Prognose, wonach Wallenhorst bis 2035 um 3,9 Prozent schrumpfen soll, kritisch: „Ich gehe nicht davon aus, dass der Bevölkerungsrückgang bis 2035 für die Gemeinde Wallenhorst wirklich so eintreten wird. Gerade durch die regionale Lage zum Oberzentrum Osnabrück und den sehr guten Rahmenbedingungen vor Ort wird Wallenhorst auch zukünftig ein attraktiver Wohnstandort bleiben. Wir sind mit unseren Kindertagesstätten, Schulen und Vereinen und Verbänden sehr gut aufgestellt.“

Guido Halfter (Bissendorf) „Die vom Landkreis Osnabrück in den vergangenen Jahren vorgelegten Bevölkerungsprognosen unterlagen bekanntlich immer wieder ausgeprägten Schwankungen. Die aktuell vorliegende Prognose für die Gemeinde Bissendorf geht in diesem Kontext bis zum Jahre 2035 momentan erstmalig von einem Bevölkerungsrückgang um minus 3,1 Prozent aus. In Anbetracht der zukünftig geplanten und mithin zu erwartenden lokalen Entwicklungen im Bereich neuer Wohnbau- und Gewerbegebiete sowie diverser Wohnungsbauprojekte in einer äußerst attraktiven und familienfreundlichen oberzentralen Lage werden die heutigen Prognosezahlen meines Erachtens bereits mittelfristig der Vergangenheit angehören. Und schließlich gilt immer noch: Je langfristiger die Prognose, desto ähnlicher wird sie der Fata Morgana.

Peter Gausmann (Hagen) „Der hohen Nachfrage nach Wohnbauland für junge Familien können wir leider nicht nachkommen. Die Zahl der Geburten hat sich von 86 Geburten in 2012 auf 131 Geburten in 2017 erhöht, sodass sich die aktuelle Bevölkerungsprognose des Landkreises weiter verbessern wird. Wir sind zuversichtlich, dass sich der Trend der hohen Geburtenzahlen in Hagen fortsetzen und sich der prognostizierte Einwohnerrückgang von 2,5 Prozent (vor fünf Jahren wurde ein Rückgang von 10,7 Prozent prognostiziert) weiterhin positiv verändern wird.“

Holger Elixmann (Hasbergen) sagt zur Prognose, wonach Hasbergen bis 2035 einen Einwohnerrückgang um 3,1 Prozent verzeichnen soll: „Auf den ersten Blick überrascht, dass die Hufeisenkommunen allesamt in ähnlicher Höhe bis 2035 verlieren sollen. Der Bau von 3000 Wohnungen in Osnabrück könnte hier ein Faktor sein. Dass aber eigentlich mehr als das Doppelte benötigt würde, lässt nun wieder ganz andere Schlüsse zu. Aktuell ist das exakte Gegenteil der Prognose zutreffend, die Nachfrage boomt. Wie dieses 2035 aussieht, vermag ich nicht zu beurteilen.“

Hartmut Nümann (Dissen) „Ich freue mich, dass Dissen der Prognose zufolge um 4,9 Prozent wächst und bis 2035 die 10000-Einwohner-Marke knackt. Es zahlt sich aus, dass wir Baugebiete ausgewiesen haben und günstige Grundstückspreise anbieten. Um die große Nachfrage zu bedienen und etwa Mitarbeiter des Landmaschinenherstellers Claas in der Stadt zu halten, entwickeln wir gerade neue Baugebiete. Zudem gehe ich davon aus, dass die Homann-Mitarbeiter auch nach der Werksschließung noch in Dissen und der Region bleiben werden.“

Klaus Rehkämper (Bad Rothenfelde) „Bad Rothenfelde ist auf einem deutlich über Kreisdurchschnitt erwarteten Einwohnerzuwachs. Dies unterstreicht, dass wir mit unseren Entscheidungen zu öffentlichen Investitionen (Therme, Gradierwerke, Kurparkanlagen, Kita- und Bildungsbereich) als auch Entscheidungen zum Ermöglichen von privaten Investitionen auf einem guten Weg sind. Bad Rothenfelde verfügt nicht zuletzt aufgrund solcher Investitionen über eine hohe Attraktivität mit nicht nur hoher Aufenthalts-, sondern eben auch hoher Wohnqualität.“

Benno Trütken (SG Fürstenau) freut sich, dass die Samtgemeinde bis 2035 um 3,8 Prozent wachsen soll: „Mit dem Fursten Forest entstand neben Freizeitqualität auch ein neues Arbeitsplatzangebot, das sich noch erweitern wird. Parallel dazu hat die Samtgemeinde in den Familien- und Bildungsstandort investiert. Bezahlbares Bauland macht die Samtgemeinde Fürstenau im Zentrum zwischen Osnabrück und dem Emsland für junge Familien sehr attraktiv. Mit dem Voltigieren im Abitur ist es uns gelungen, ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal zu erhalten.“

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