Gefälschte Mail mit Hakenkreuz Das Chaos bei der AfD Osnabrück nimmt kein Ende

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Osnabrück. Die AfD Osnabrück zeigt sich auch unter dem neuen Kreisvorstand unverändert chaotisch. Neues Ziel der parteiinternen Attacken ist jetzt nicht mehr der zurückgetretene Kreischef Daniel Wolf, sondern der erst im Oktober 2017 gewählte Nachfolger Linderkamp, der nun Anzeige erstattet hat.

Die parteiinternen Querelen der Rechtspopulisten erreichen einen neuen Tiefpunkt. So wird dem Kreisparteichef unterstellt, eine dubiose Email an den AfD-Kreisvorstand geschickt zu haben. Der Wortlaut klingt auf den ersten Blick harmlos: „Auf dass das Jahr 2018 von Erfolg, für eine gute und gemeinsame Zusammenarbeit und die Belange unserer AfD gekrönt ist.“ Der Mail wurde jedoch ein Bild mit einem Hakenkreuz hinzugefügt. Darunter steht in altdeutscher Schrift „Deutsche Neujahrsgrüße“. Linderkamp bestreitet, Urheber der Mail zu sein, die aus AfD-Kreisen an unsere Redaktion weitergeleitet worden war: „Die Email ist nicht von mir. Ich habe Anzeige erstattet“, sagte Linderkamp am Montag.

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„Das ist eine Fake-Email. Wir werden dem nachgehen“

Am späten Sonntagabend erreichte unsere Redaktion zudem eine Mail, deren Absender sich als AfD-Kreisvorsitzender Matthias Linderkamp ausgibt und schreibt, dass er wegen der „Vorkommnisse und der immer weitergehenden persönlichen Anfeindungen in der letzten Zeit vom Amt des ersten Vorsitzenden der AfD Osnabrück zurücktrete“. Linderkamp kommentiert auf telefonische Anfrage unserer Redaktion: „Auch das ist eine Fake-Email. Wir werden dem nachgehen.“

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„Es sind immer wieder dieselben Leute“

Der ehemalige Kreisvorsitzende Daniel Wolf, der nach seinem Rücktritt zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde und sich nun um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, glaubt, dass eine Gruppe von AfD-Mitgliedern „diese Fake-Emails“ schreibt. „Es sind immer wieder dieselben Leute, die Unwahrheiten in die Welt setzen.“ Vornehmlich seien es zwei Personen, „einer im Bereich Video und einer im Bereich Email, die immer wieder querschießen“, wie Wolf es beschreibt. Konkreter wollte er nicht werden. „Es laufen gerade die Ermittlungsverfahren dazu“, erläuterte Wolf. Sobald die Fakten vorliegen, werde es Parteiausschlussverfahren geben, um das parteischädigende Verhalten der Mitglieder zu ahnden. Der AfD-Sprecher zeigt sich empört: „Wer Hakenkreuze als Fake-Emails verschickt, um andere Leute zu diskreditieren, der soll sich bei der NPD tummeln, aber nicht bei der AfD.“ Polizeisprecher Frank Oevermann bestätigte, dass Anzeige erstattet wurde. Es gehe etwa um eine Email mit strafrechtlich relevanten Inhalten sowie um das Ausspähen von Daten und um die Fälschung beweiserheblicher Daten. Mittlerweile sei die Sache zur weiteren Strafverfolgung an die Staatsanwaltschaft Osnabrück abgegeben worden.

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Ehemaliger AfD-Sprecher: Dissidentenkreis

Als Wolf selbst noch Chef des AfD-Kreisverbands Osnabrück war, hatte er auch Mitglieder der vierköpfigen AfD-Kreistagsfraktion zu einem Freundeskreis gezählt, die Stimmung gegen den Kreisvorstand gemacht hätten. Der ehemalige AfD-Sprecher Hartwig Knoops hatte kurz vor seinem Rücktritt von einem „Dissidentenkreis“ gesprochen, der auch ihn immer wieder angefeindet habe. Auch der Georgsmarienhütter Gero Körding, der im Oktober neben Wolf zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt wurde und für die Organisation innerhalb der Partei zuständig sein soll, gehörte zu der Gruppe, die sich mit dem Kreisvorstand überworfen hatte. Linderkamp, der bereits von 2015 bis Anfang 2017 Chef des AfD-Kreisverbands Osnabrück-Land war, wurde bei dem nichtöffentlichen Kreisparteitag zum Vorsitzenden gewählt, weil er sich im Machtkampf der beiden verfeindeten parteiinternen Lager laut Wolf neutral verhalten hatte. Auf Nachfrage, warum es auch ihm noch nicht gelang, die Partei zu einen, sagte Linderkamp: „Dass die Konflikte bestehen, wurde im letzten Jahr bereits deutlich. Geben Sie uns noch ein bisschen Zeit. Wir sind zuversichtlich, die Probleme zu lösen.“

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