Tipps von Osnabrücker Juristen Wenn Mandanten Stress mit dem eigenen Rechtsanwalt haben

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Bei juristischen Auseinandersetzungen sind wir auf die Beratung und den Beistand von Rechtsanwälten angewiesen. Was aber, wenn der Jurist Fehler macht oder der Mandant sich schlecht beraten fühlt? Wie geht man dann vor? Wann und wo ist es überhaupt möglich, sich über einen Anwalt zu beschweren?

Häufig seien solche Fälle zum Glück nicht, sagt Kader Karakas-Wanzelius, die mit ihrem Mann eine Kanzlei in Osnabrück führt. „Meistens kommt es zu Missverständnissen, weil der Sachverhalt nicht gut genug vermittelt wurde.“ Das gelte für beide Seiten: Einerseits könne der Anwalt nur so gut beraten, wie sein Mandant ihm die Details mitgeteilt habe. Andererseits muss der Jurist seine Vorgehensweise dem Mandanten verständlich machen.

Frühzeitig das Gespräch suchen

Hilfreich sei es, das Gespräch mit dem Rechtsanwalt zu suchen, sollte der Mandant verunsichert sein oder einen Fehler vermuten. „Dann ist es sinnvoll, offen zu sagen, wo das Problem ist, um dann gemeinsam zu gucken, ob und wie das Problem angegangen werden kann“, erläutert Karakas-Wanzelius.

„Die Bundesrechtsanwaltsordnung beginnt mit dem Satz, dass der Rechtsanwalt ein unabhängiges Organ der Rechtspflege ist. Mehr noch als im Zivilverfahren sind wir Anwälte im Strafverfahren mit der Aufgabe betraut, auf ein gerechtes Urteil in einem unparteiischen, rechtsstaatlichen und fairen Verfahren hinzuwirken“, sagt Bernd Lettow, der ebenfalls eine Kanzlei in Osnabrück hat. Die Pflichten sind im Berufsrecht für Juristen festgelegt. Dazu gehören die gewissenhafte, sachliche und vertrauenswürdige Ausübung des Berufs und die Verschwiegenheitspflicht. Rechtsanwälte dürfen keine Bindungen eingehen, die ihre berufliche Unabhängigkeit gefährden können. Sie müssen mit ihnen anvertrauten Vermögenswerten sorgfältig umgehen und dürfen keine widerstreitenden Parteien vertreten.

Interessenkonflikte berücksichtigen

Lettow nennt ein Beispiel: „Wenn ich aus einem früheren Verfahren die Vermögenswerte eines Mandanten kenne und mich dann seine Frau darum bittet, sie bei der Scheidung zu vertreten. Dann würde ich diese Vertretung ablehnen.“ Mögliche Interessenkonflikte nicht offen zu legen, wäre ein wesentlicher Fehler, betont der Jurist. Es sei in solchen Fällen aber möglich, dem Ratsuchenden einen Kollegen zu empfehlen.

„Ein guter Anwalt muss auch sagen können, wann ein Kollege fachlich besser geeignet ist“, betont Lettow. Wie aber ist denn ein guter Rechtsanwalt zu finden? „Am besten ist es, auf Empfehlungen zu hören“, sagt Kader Karakas-Wanzelius. Das können beispielsweise Tipps aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis sein. Von Internetportalen ist eher abzuraten, weil die Quelle der Empfehlung nicht nachzuvollziehen ist.

Aufklären müssen Anwälte zu Beginn einer Zusammenarbeit über die Kosten für den Mandanten und die Möglichkeit, vorgerichtliche Beratungs- oder gerichtliche Prozesskostenhilfe in Anspruch zu nehmen. Sie müssen ihren Mandanten über die Rechtslage informieren und über die Folgen des Verfahrens. „Und sie müssen auch drüber informieren, dass der Mandant ein Verfahren verlieren kann, dass es keine Erfolgsgarantien gibt“, ergänzt Karakas-Wanzelius. Sie betont aber auch: „Wir sind alle Menschen. Eine 100-prozentige, umfassende Beratung wird man gerade im Hinblick auf Unwägbarkeiten wahrscheinlich nicht hinbekommen. Aber das Wesentliche muss natürlich einfließen.“

Anwälte dürfen nicht lügen

Auch mit einem weit verbreiteten Vorurteil räumen die beiden auf: Anwälte dürfen nicht für ihre Mandanten lügen. Hat der Mandant beispielsweise eine Straftat begangen, ist es dem Anwalt verboten, vor Gericht die Unwahrheit darüber zu erzählen, um ein geringeres Strafmaß zu erreichen. „Das ist eine Vorstellung aus Hollywood“, meint Lettow und verweist noch einmal darauf, dass Anwälte Organe der Rechtspflege seien. Der Anwalt müsse seinen Mandanten mit allen rechtsstaatlichen Mitteln verteidigen, ohne sich aber mit diesem gemein zu machen, betont er.

Was aber, wenn der Anwalt wirklich einen Fehler gemacht hat? Dann besteht die Möglichkeit, sich bei der zuständigen Anwaltskammer zu beschweren. Das ist ein regionaler Zusammenschluss von Rechtsanwälten. Diese Körperschaft des öffentlichen Rechts ist für die Zulassung von Anwälten zuständig – aber auch für die Überwachung und die Einhaltung des Berufsrechts, beispielsweise durch die Vermittlung zwischen Anwälten und ihren Mandanten. „Wir sind natürlich interessiert daran, dass es in unseren Reihen keine schwarzen Schafe gibt“, sagt Jan Kramer, der Präsident der Rechtsanwaltskammer Oldenburg, die auch für Osnabrück zuständig ist.

Anwaltskammer prüft Beschwerden

Beschwerden müssen grundsätzlich schriftlich bei der Anwaltskammer eingereicht werden und die Sachlage möglichst genau schildern. Die Anwaltskammer prüft den Fall. Nimmt sie ihn an, leitet sie ein Beschwerdeverfahren ein und befragt in seinem Verlauf natürlich auch den Anwalt, über den der Mandant sich beschwert hat.

Die Anwaltskammer kann dann einen belehrenden Hinweis oder eine Rüge aussprechen. Die haben zunächst keine weiteren Konsequenzen, werden aber in die Personalakte eingetragen und können sich beispielsweise dann auswirken, wenn sich Beschwerden häufen oder wenn sich der Anwalt um ein Notariat bewirbt, erläutert Jan Kramer.

Die Anwaltskammer berät den Mandanten nicht juristisch. Sollte er also seinen Fall vor Gericht bringen wollen, muss er sich einen Anwalt nehmen. Die Anwaltskammer steht ihm dann nicht bei. Sie nimmt aber beispielsweise Stellung zur Höhe von Rechnungen, die Anwälte stellen. Geregelt sind diese grundsätzlich über das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Besonders schwere Fälle gibt die Anwaltskammer an die Generalstaatsanwaltschaft ab. „Dann entscheidet ein Anwaltsgericht, wie mit dem Anwalt verfahren wird“, erläutert Kramer.

Bevor es aber zu einer solchen Auseinandersetzung kommt, sollte immer das Gespräch gesucht werden, betonen Karakas-Wanzelius und Lettow. Der Mandant kann auch bei einem weiteren Juristen Rat suchen und auf diese Weise prüfen, ob sein Anwalt ihn richtig beraten hat. Das kann helfen, das Vertrauensverhältnis wieder herzustellen. Gelingt das jedoch nicht, kann der Mandant auch einfach den Anwalt wechseln. Dazu hat er jederzeit das Recht.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN