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06.01.2018, 16:38 Uhr KOMMENTAR ZUR ABGESAGTEN EVAKUIERUNG

Kritik, die eigentlich ein Kompliment ist

Kommentar von Arne Köhler

Auch Mitarbeiter der Kampfmittelbeseitigung Niedersachsen müssen sich einer kritischen Öffentlichkeit stellen und werden im Internet bisweilen hart angegangen. Foto: Archiv/Michael GründelAuch Mitarbeiter der Kampfmittelbeseitigung Niedersachsen müssen sich einer kritischen Öffentlichkeit stellen und werden im Internet bisweilen hart angegangen. Foto: Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Die Evakuierungsaktion, die am Sonntag in Osnabrück wegen eines Bombenblindgängers stattfinden sollte, ist einen Tag zuvor abgesagt worden. In die Erleichterung hat sich am Samstag vereinzelt auch Kritik gemischt. Ein Kommentar.

Wenige Minuten, nachdem die Stadt am Samstag die Evakuierung abgesagt hatte, wurden im Internet die ersten kritischen Stimmen laut. Die ganze Aktion sei ja wohl mal wieder deutlich überdimensioniert gewesen, hieß es, und die Verantwortlichen hätten es sich zudem viel zu leicht gemacht, indem sie erst einen Tag vor der geplanten Entschärfung nachgesehen haben, ob es sich denn nun wirklich um eine Bombe handelt oder eben doch nur um Metallschrott.

Und tatsächlich: Ist in Osnabrück in den vergangenen Jahren bei zig Bombenräumungen nicht immer alles gut gegangen…? Und ist das nicht womöglich der Beweis dafür, dass die Gefahr, die von den rostenden Kriegsrelikten angeblich ausgehen soll, mit dem für Behördenmenschen typischen Sicherheitsdenken überdramatisiert wird? Ist es mithin nicht auch völlig unnötig, jedes Mal, wenn ein Blindgänger im Boden vermutet wird, noch Hunderte Meter vom Fundort entfernt Menschen notfalls unter Zwang ihrer Wochenendroutine zu berauben?

In Göttingen starben drei Entschärfer

Nein und nochmals nein. Dass bislang in Osnabrück nichts passiert ist (anders als 2010 in Göttingen, als drei Entschärfer starben), ist eben kein Beleg dafür, dass in Wahrheit alles gar nicht so schlimm und gefährlich ist. Es ist vielmehr das Ergebnis des hervorragenden Jobs, den Experten wie der Osnabrücker Ordnungsamtsleiter Jürgen Wiethäuper und Sprengmeister Hans Mohr von der Niedersächsischen Kampfmittelbeseitigung nebst vielen weiteren haupt- und ehrenamtlichen Beteiligten ein ums andere Mal leisten.

Auch für Sprengmeister gehört das Internet mit seiner oftmals hyperkritischen Attitüde heute zum Berufsalltag. Und gegen sachliche Kritik ist ja auch nichts einzuwenden. Wenn aber unreflektiert herumgenörgelt wird, dann sollten sich die Beteiligten am besten nicht darüber ärgern, sondern die Anwürfe als Kompliment auffassen. Denn wenn auch nur ein einziges Mal etwas schiefgehen würde bei einer Bombenentschärfung, würden die Menschen schlagartig anders denken. Aber darauf können Wiethäuper, Mohr & Co sicherlich dankend verzichten. Auch wenn sie sich manchmal so einiges anhören müssen.


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