Gemeinnütziges Konzept Trotz Verbots: Am Sonntag Flohmarkt in der Halle Gartlage

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Offen ist noch, ob am 18. Februar in Osnabrück der beliebte Kunsthandwerkermarkt stattfinden darf. Foto: Archiv: Elvira PartonOffen ist noch, ob am 18. Februar in Osnabrück der beliebte Kunsthandwerkermarkt stattfinden darf. Foto: Archiv: Elvira Parton

Osnabrück. Trotz eines Gerichtsurteils, das für zig gewerbliche Sonntagsflohmärkte in Niedersachsen das Aus bedeutet, findet am Sonntag, 7. Januar, in der Osnabrücker Halle Gartlage der übliche Second-Hand-Modemarkt für Frauen statt – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Der Veranstalter will die Einnahmen spenden.

Dadurch wird aus der einst gewerblichen Veranstaltung eine gemeinnützige und die Stadt sagt: „Wir gehen von der Gemeinnützigkeit aus und werden die Genehmigung erteilen“, so Sandra Solf, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat im April 2017 gewerbliche Floh- und Trödelmärkte in Niedersachsen an Sonn- und Feiertagen für unzulässig erklärt. Die meisten Städte und Gemeinden erteilen deshalb 2018 keine Genehmigungen mehr.

Hans-Eckhard Nahrwold macht das Beste aus der neuen Rechtslage. Seit 25 Jahren veranstaltet der 66-Jährige mit seiner Firma DHD-Märkte Floh- und Trödelmärkte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – seit 1993 regelmäßig in Osnabrück in der Halle Gartlage. Die meisten finden samstags statt, einige jedoch auch sonntags, etwa der Second-Hand-Modemarkt von Frauen für Frauen.

Einnahmen werden gespendet

Nahrwold geht in diesem Jahr in Rente und hat nun eine gemeinnützige GmbH namens „DHD hilft Kindern“ gegründet, mit der er weiterhin Sonntagsmärkte durchführt. Er will die Einnahmen, die er aus Standgebühren und Eintrittspreisen generiert, an Einrichtungen vor Ort spenden, die sich für Kinder einsetzen. Durch ein neues Logo soll für Händler und Besucher des Marktes klar erkennbar sein, dass es sich um eine gemeinnützige Veranstaltung handelt, außerdem dürfe nur von privat an privat verkauft werden. „Wir sind im Prinzip nur Platzhalter“, sagt Nahrwold mit Blick auf eine eventuelle Gesetzesänderung, die künftig gewerbliche Sonntagströdelmärkte wieder ermöglichen könnte. 2,50 Euro kostet der Eintritt, die Standgebühr beträgt 30 Euro für drei Meter. „Das Beste ist doch, dass das Geld in Osnabrück bleibt“, sagt er.

Unsicherheit bleibt

Und was wird aus all den anderen Veranstaltern, die sonntags regelmäßig Floh- und Trödelmärkte auf den Parkplätzen der großen Supermärkte organisiert haben? Sie müssen weiter bangen. Die FDP-Fraktion im Landtag hat einen Entwurf zur Änderung des Niedersächsischen Feiertagsgesetzes eingebracht, um gewerbliche Flohmärkte sonntags zu ermöglichen – doch bis zu einer Entscheidung können noch Monate vergehen.

„Wir haben noch nichts schriftlich abgelehnt und stehen weiter mit den Veranstaltern in Kontakt“, sagt Fachbereichsleiterin Sandra Solf für Osnabrück.

Wallenhorst verbietet – Osnabrück verhandelt

Betroffen ist auch der Kunsthandwerkermarkt des Büros Grawe und Osterbrink, der regelmäßig Besucherscharen in die Halle Gartlage lockt. Das Büro bewirbt bereits den nächsten Markt, der am 18. Februar dort stattfinden soll – einem Sonntag. Noch hat die Stadt nicht Nein gesagt, aber auch nicht Ja. „Wir werden kurzfristig einen Gesprächstermin mit den Veranstaltern vereinbaren, um Bedingungen abzuklären“, sagt Solf. Wie sehe es etwa mit der Verlegung auf einen Samstag aus?

Solfs Kollegen in der Nachbargemeinde Wallenhorst haben bereits entschieden: Auch dort ist der Kunsthandwerkermarkt seit Jahren etabliert und findet regelmäßig in der Haselandhalle Hollage statt. Die Beschicker kämen von weither, sagt Rüdiger Mittmann, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Soziales in Wallenhorst. „Das hat mit Hobbymarkt nichts mehr zu tun.“ Der Markt sei nach den Kriterien der OVG-Entscheidung klar gewerblich. Der ursprünglich für den 11. Februar terminierte Markt fällt in Hollage deshalb aus. Stattdessen findet er im Schulzentrum in Westerkappeln statt – in Nordrhein-Westfalen gelten andere Gesetze. Äußern wollten sich die Veranstalter auf Anfrage unserer Redaktion nicht dazu.

Was wird mit dem Markt am Moskaubad?

Offen bleibt außerdem die Zukunft des Flohmarkts am Moskaubad, der immer im Frühjahr und im Herbst von den Stadtwerken organisiert wird und Tausende Besucher auf das Gelände lockt. Die Verantwortlichen haben trotzdem schon die Termine festgelegt: Wenn es nach ihnen geht, findet der Markt am 22. April und 16. Oktober statt.


Genehmigungen in Osnabrück:

61 gewerbliche Flohmärkte fanden in Osnabrück im Jahr 2016 an Sonn- und Feiertagen statt. 2017 waren nach Angaben der Verwaltung 36 Floh- und Trödelmärkte an Sonn- und Feiertagen festgesetzt worden. Genehmigungspflichtig sind nur große Märkte, bei denen eine Gewinnerzielungsabsicht herrscht. Flohmärkte von Nachbarschaftsinitiativen, Kirchengemeinden oder anderen sind von der OVG-Entscheidung nicht betroffen.

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