Angebot für Jugendliche „Book Dating“ und „Book Slam“: Stadtbibliothek eröffnet Buchclub

Wollen junge Menschen zum Lesen animieren: Laura Beerwerth (links) und Isabel Widera. Foto: Elvira PartonWollen junge Menschen zum Lesen animieren: Laura Beerwerth (links) und Isabel Widera. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Ein neuer Buchclub für die Stadtbibliothek Osnabrück bietet Jugendlichen einen kommunikativen Austausch über das gedruckte Buch. Die Bibliothekarinnen Isabel Widera und Laura Beerwerth konzipierten Veranstaltungen wie „Book Dating“ oder „Book Slam“, die das Lesen wieder interessant machen.

Frau Beerwerth, Frau Widera, Sie haben einen neuen Buchclub für die Stadtbibliothek initiiert. Wer soll in dem Club Mitglied werden?

L. B.: Oh, da sprechen Sie gleich einen Punkt an, der uns wichtig ist: Man muss nicht Mitglied werden. Der Buchclub ist ein offenes Treffen, das einmal im Monat stattfindet und zu dem man sich nicht anzumelden braucht. Was die Zielgruppe angeht: Wie haben junge Menschen zwischen 15 und 20 Jahren ins Auge gefasst.

 

Wie sind Sie auf die Idee zu dem Buchclub gekommen?

I. W.: Eigentlich wurden wir durch die Teilnehmer des „Julius-Clubs“ inspiriert. Das ist ja ein Leseclub, bei dem man bis zum Alter von 14 Jahren mitmachen kann. Es gab dann immer mal Anfragen von Jugendlichen, ob es nicht ähnliche Angebote für Ältere gibt.

L. B.: Auf der Suche nach ansprechenden Aktionen haben wir im letzten Jahr den „Escape Room“ gegründet. Das ist eigentlich eine virtuelle Rätseljagd, die mittlerweile gern in die Realität übertragen wird. Man betritt Räume, in denen man Aufgaben erfüllen und Fragen beantworten muss, um zur nächsten Station zu gelangen. Also haben wir den Keller der Stadtbibliothek entsprechend präpariert und uns eine Geschichte ausgedacht, die zum Ambiente passt: „Das Gift des Bibliothekars“. Dieser „Escape Room“ wird gern besucht, aber es gibt mit sieben Personen immer eine begrenzte Teilnehmerzahl.

 

Daher haben Sie dann über weitere Angebote für Jugendliche nachgedacht?

I. W.: Richtig. Unser Anliegen ist es, junge Leute zu einem gemeinsamen Austausch über das gedruckte Buch zu animieren. Beispielsweise durch ein „Book Dating“, das wir im Rahmen des Buchclubs veranstalten wollen.

 

Was muss man sich darunter vorstellen?

L. B.: Wir stellen hier im Jugendbereich im zweiten Stock der Stadtbibliothek Tische auf, an denen sich wie bei einem herkömmlichen Dating zwei Leute gegenübersitzen. Nur stellt jemand dem anderen oder der anderen nicht sich selbst, sondern ein Buch vor, das er gerne liest. Wenn es klingelt, wechseln die jeweiligen Personen an einen anderen Tisch.

 

Ein solches „Book Dating“ findet also zur Eröffnung des Buchclubs statt?

I. W.: Nein. Wir starten am 17. Januar zunächst mit einem freien Treffen, zu dem man sich nicht anmelden braucht. Da reden wir mit den Interessenten zunächst mal darüber, wie wir unseren Buchclub überhaupt nennen sollen und wie wir ihn gemeinsam gestalten können. Wir wollen, dass die Teilnehmer möglichst selbst entscheiden, was passieren soll.

L. B.: Damit das Projekt in Gang kommt, haben wird allerdings bereits ein paar Angebote konzipiert: das „Book Dating“ zum Valentinstag oder ein „Book-Slam“ im März.

 

Würden Sie bitte erklären, was bei einem „Book-Slam“ passiert?

I. W.: Dafür ist eine gewisse Vorbereitung nötig. Wir bilden Gruppen, die eine Szene aus einem Buch auswählen. Die wird dann darstellerisch vorgespielt. Es ist eine Verbindung von Literatur und Theater, die sehr kreativ sein kann. Aber das ist ja unsere Zielsetzung: Wir wollen den jungen Leuten zeigen, dass Lesen keine einsame Angelegenheit ist. Wir wollen uns in einem kommunikativen Prozess mit dem Buch beschäftigen.

 

Das heißt, Sie wollen die jungen Menschen in unserem digitalen Zeitalter hinter dem Smartphone und dem Computer weglocken, um mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen?

L. B.: Klar. Wir sind Bibliothekarinnen und unter anderem dafür zuständig, junge Leute im Rahmen von Bibliotheksführungen mit unserem Haus vertraut zu machen. Es gehört zu unserem Job dazu, den Leuten zu vermitteln, wie eine Bibliothek funktioniert und dass man sie beispielsweise als Schüler hervorragend nutzen kann, wenn man eine Hausarbeit schreibt oder ein Referat vorbereitet.

I. W.: Manche Leute wissen gar nicht, dass man in unserer Bibliothek nicht nur Bücher, sondern auch andere Medien wie Videos und Spiele ausleihen kann. Daher wollen wir unseren Buchclub auch für Neue Medien offen halten. Vielleicht wollen ja einige Teilnehmer eine Art Internet-Forum oder Blog anbieten, in dem man sich über die Aktivitäten des Buchclubs austauscht.

 

Das heißt, Sie verbinden die Beschäftigung mit dem Buch mit den modernen Errungenschaften des Internets.

L. B.: Ja, manche sprechen in diesem Zusammenhang von „social reading“. Es gibt ja ganz praktische Aktivitäten über das Lesen hinaus, bei denen man sich mit Büchern, also auch Comics oder Mangas, beschäftigt. Wir können Handlettering betreiben, eine Art moderne Schönschrift. Wir können Schaufenster der Bibliothek gestalten oder auch einen Thementisch zusammenstellen. Über all das kann man dann ja auch im Internet berichten. Ansonsten sind wir gespannt, welche Impulse von den Teilnehmern bezüglich der Gestaltung des Buchclubs ausgehen.

Stadtbibliothek Osnabrück: Buchclub für junge Menschen zwischen 15 und 20 Jahren, ab 17. Januar einmal im Monat mittwochs, jeweils ab 16.30 Uhr im Kinder- und Jugendbereich (2. Etage).


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