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Smarthome und Stromspeicher Osnabrücks erstes Nullenergiehaus steht in der Gartlage

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Osnabrück. Wer in einem Nullenergiehaus lebt, muss weder Strom noch Wärme einkaufen. Zumindest im Jahresmittel soll sich die Eigenproduktion mit dem Bezug die Waage halten. Im Baugebiet Gartlage steht Osnabrücks erstes Nullenergiehaus mit eigenem Stromspeicher und Smarthome-Technik.

Heimeliges Öko-Ambiente? Fehlanzeige! Das Energiewunder an der Carla-Woldering-Straße 18 erweist sich als stocknüchterner Quader mit roter Backsteinfassade. Ein Kasten, in dem auch eine Maschinenhalle oder Druckerei stecken könnte. Architekt Stephan Zech hat sich schon beim ersten Entwurf für einen Riegel entschieden, weil er ein günstiges Verhältnis von Außenfläche und Innenraum bietet. Natürlich sind die Wände optimal gedämmt, um die Wärme festzuhalten. Mit Innenschale, mineralischer Kerndämmung und Verblender ergibt sich eine Gesamtstärke von 49 cm.

Nach Süden öffnet sich der Bau mit großzügigen Fensterflächen, im Norden fällt der Blick auf eine karge Wand mit sparsamen Durchlässen für die Haustür und die Treppenhausbelichtung. Als „sehr reduziert, sehr schlicht“ bezeichnet der Architekt die Formensprache, die sich im Innern fortsetzt. Überall rechte Winkel, weiße Wände, schwarze Spachtelböden.

Küche als Kommandozentrale

Die Küche, die auf den ersten Blick kaum als solche in Erscheinung tritt, erweist sich als Kommandozentrale. Im kompromisslos nüchtern gestalteten Koch-und-Spülblock steckt das Herzstück der Elektronik, sogar der Tieftöner für die Soundanlage. Und am Touchscreen lässt sich steuern, wo die Lichter an- und ausgehen, wie viel Sonne die Raffstoren ins Haus lassen und wo welche Temperatur herrschen soll. Eine Online-Wettervorhersage hilft dabei, die richtige Kombination zu wählen.

Dabei ist das schicke Display gar nicht nötig, eine Smartphone-App tut‘s auch. Vom Sofa ebenso einfach zu bedienen wie von Teneriffa oder Hongkong aus. Die Kunst der Beschränkung zeigt sich darin, dass der Induktionsherd mit dem ins Ceranfeld eingelassenen Dunstabzug nicht ans Smarthome-Netz angeschlossen ist.

Strom für vier Personen

Das Besondere am Nullenergiehaus ist der Stromspeicher im Hauswirtschaftsraum, der von der Fotovoltaikanlage auf dem Dach gespeist wird. Maximal 8,55 Kilowatt produzieren die Module, wenn die Sonne scheint. Der Speicher von der Firma Varta ist ein weißer Kasten, nicht größer als eine Waschmaschine, mit zwei Lithium-Ionen-Akkus für jeweils 3,2 Kilowattstunden. „Für vier Personen müsste das reichen“, meint Architektin Manuela Fischer vom Team Planen + Bauen, das für die Bauausführung verantwortlich ist. Falls noch ein E-Auto angeschafft werden sollte, könnte die Kapazität problemlos erweitert werden.

Für die Beheizung der 184 qm Wohnfläche haben die Energiespezialisten eine Luft-Wasser-Wärmepumpe installiert. Sie ist mit einem 235-Liter-Wasserspeicher und einer zentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung kombiniert. Laut Energieausweis liegt der jährliche Endenergiebedarf des Gebäudes bei fünf Kilowattstunden pro qm, also knapp über Null im dunkelgrünen Bereich. Davon können andere Eigenheimbesitzer nur träumen.

Ab Sommer bewohnt

Das Nullenergiehaus in der Gartlage hat von der Stadt und der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen die „Grüne Hausnummer“ bekommen, mit der besonders energieeffizient gebaute oder sanierte Gebäude ausgezeichnet werden. Als Referenzobjekt der Firma Planen + Bauen ist es bis zur Jahresmitte Ausstellungszwecken vorbehalten. Im Wohnzimmer, das derzeit eher an einen Seminarraum erinnert, informieren Architekten über zeitgemäßes Bauen. Der nächste Vortrag zum Thema „Energieeffizientes Bauen“ findet am 16. Januar statt.

Im Sommer ist es dann mit der Öffentlichkeit vorbei, und das Smarthome an der Carla-Woldering-Straße wird zum Privathome. Architekt Stephan Zech berichtet, dass sich eine Familie mit zwei Kindern das ungewöhnliche Domizil gesichert hat – schon in der Rohbauphase war alles klar.

Bleibt die Frage, was so ein Gebäude mit der intelligenten Haustechnik kostet. Architektin Manuela Fischer will den Endpreis nicht verraten. Nur so viel ist ihr zu entlocken: Gegenüber dem Niedrigenergiestandard KfW 55 müssten Mehrkosten von 65000 Euro kalkuliert werden.


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