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Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Schulen und Sportvereine dürfen beim FSJ nicht mehr kooperieren

Von Johannes Zenker | 09.04.2016, 11:31 Uhr

Sportvereine und Schulen in Niedersachsen dürfen künftig nicht mehr kooperieren, wenn es um den Einsatz von jungen Leuten geht, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Sport absolvieren. Diese Entscheidung des Kultusministeriums sorgt für Unverständnis.

Acht Jahre lang war es in Niedersachsen üblich, dass FSJler in Sportvereinen im Einsatz waren und einen Teil ihrer Stunden in Schulen ableisteten. Dort halfen sie etwa im Sportunterricht oder bei der Ganztagsbetreuung. Beliebt war diese Kooperation, weil gerade kleinere Sportvereine Schwierigkeiten damit hatten, einen FSJler die vorgesehenen 39 Stunden pro Woche zu beschäftigen. Zudem übernahmen die Schulen einen Teil der Kosten, die für einen FSJler 430 Euro pro Monat betragen.

Intentionen des Ministeriums

Dieser gängigen Praxis schiebt das Ministerium nun einen Riegel vor. Von August an ist es einer Schule nur noch erlaubt, selbst FSJler zu beschäftigen – unter der Voraussetzung, dass diese arbeitsmarktneutral eingesetzt werden, also hauptamtliches Personal unterstützen, aber nicht ersetzen. Nach unseren Informationen soll damit sichergestellt werden, dass FSJler von den Schulen nicht als billige Arbeitskräfte genutzt werden und die Einstellung von neuen Beschäftigten nicht verhindert wird.

Der ASC Göttingen, der den Freiwilligendienst im Sport in Niedersachsen zusammen mit der Sportjugend Niedersachsen organisiert, kann die Entscheidung des Ministeriums nicht nachvollziehen. „Die bisherige Regelung hat sich bewährt und war gewinnbringend für alle Beteiligten: Die Jugendlichen konnten zum Beispiel erproben, ob sie für den Beruf des Lehrers geeignet sind, die Sportvereine konnten für ihre Angebote werben, und auch für die Schüler war der Unterricht mit jungen Erwachsenen eine Bereicherung“, sagt Ole Fröhlich vom ASC.

Vereine und Einrichtungen spät oder gar nicht informiert

Fragen wirft vor allem die Kommunikation des Kultusministeriums auf, denn eine offizielle Erklärung findet sich nirgends. Und obwohl die Entscheidung im Ministerium bereits im vergangenen Dezember getroffen wurde, haben die Schulen erst am 29. März eine Handreichung von der Landesschulbehörde erhalten. In dieser wird jedoch nur die Beschäftigung eigener FSJler thematisiert, nicht aber die Abschaffung der Kooperationspraxis begründet.

Die Sportvereine sind noch gar nicht informiert worden. Dabei läuft in vielen Vereinen gerade die Bewerbungsphase für den Startpunkt 1. September. Teilweise wurden sogar schon Verträge mit FSJlern abgeschlossen, die davon ausgehen, sowohl in Schulen als auch in Sportvereinen eingesetzt zu werden. 

Selbst der Landessportbund hat nach eigenen Angaben erst am 31. März zufällig von den Veränderungen erfahren. „Wir sind äußerst überrascht und können die Positionierung des Kultusministeriums nicht verstehen“, sagt Vorsitzender Norbert Engelhardt. Weiter möchte er sich aber nicht äußern, denn er wolle die Begründung von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt abwarten. Am 13. April soll ein klärendes Gespräch in Hannover stattfinden. 

Rund 300 Jugendliche betroffen

Auch Ole Fröhlich kann sich aus der Entscheidung keinen Reim machen: „Wir glauben nicht, dass FSJler die Einstellung von neuem Personal verhindern. Wenn die Konsequenz der Neuregelung aber ist, dass 500 neue Stellen geschaffen werden, würde mich das eventuell überzeugen. Das sehe ich aber nicht.“ Laut Fröhlich wurden in diesem Jahr rund 300 Jugendliche in Niedersachsen sowohl im Sportverein als auch in der Schule eingesetzt.

Sollte die Entscheidung Bestand haben, bestände für die Sportvereine das Problem, dass sie einen FSJler 39 Stunden pro Woche beschäftigen und die Kosten alleine tragen müssten. Erste Signale aus Vereinen aus der Region Osnabrück zeigen, dass dies trotz Zuschüssen vom Landkreis zu teuer werden könnte.

Landkreis hat Kooperation besonders gefördert

Apropos Zuschüsse vom Landkreis: Auch die Verwaltung dürfte sich über die Neuregelung wundern. Sie hat im Rahmen ihrer Sportförderprogramme für die Jahre 2015 und 2016 nämlich FSJler, die von Sportvereinen auch in Schulen eingesetzt wurden, mit höheren Zuschüssen gefördert als jene, die ausschließlich im Verein gearbeitet haben.

Vom Kultusministerium war am Freitag keine Stellungnahme mehr zu bekommen.