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Weihnachtsvorlesung 2018 Chemie vs. Physik: Uni Osnabrück lässt es heftig krachen

Von Leon Walter | 17.12.2018, 17:26 Uhr

Bei der vierten Weihnachtsvorlesung des Instituts für Chemie sorgten die Professoren Marco Beeken und Dirk Berben vor 500 Besuchern im ausverkauften Hörsaal am Campus Westerberg für explosive Stimmung.

Erstmals in der Geschichte der Weihnachtsvorlesung holte das Institut für Chemie einen Gastdozenten für die große Show der Experimente hinzu. Dirk Berben, Physikprofessor an der Hagener Universität Südwestfalen, ergänzte das eingespielte Chemiker-Team um den Osnabrücker Professor des Jahres 2017, Marco Beeken, und seinen Doktoranden Michael Budke, der die Spaßvorlesung moderierte. In diesem Jahr fand zwischen den beiden Naturwissenschaften ein Wettstreit um die besseren Versuche statt. Eine zufällig ausgewählte Publikumsjury bewertete in neun Runden die einzelnen Präsentationen beider Professoren.

Glühende Salatgurke

Zunächst fertigten die beiden Forscher Weihnachtslichter an. Berben präsentierte dabei den "letzten Schrei" auf dem Leuchtmittelmarkt: die "Glühgurke". Dabei handelte es sich um eine handelsübliche Gurke, die jedoch so stark erhitzt wurde, dass sie zu Leuchten begann. Berben räumte dabei gleich ein Problem dieser Methode ein: die "leichte Geruchsbelästigung", welche sich auch in den hintersten Reihen bemerkbar machte.

Für die Weihnachtsbaum-Beleuchtung setzte der Physikprofessor mit einer Wurst noch einen oben drauf, sie fungierte als elektrischer Leiter. "Die Wurst ist danach auch gut durch", stellte Berben mit Blick auf das Weihnachtsessen erfreut fest.Dosen voller Knallgas

Beeken kritisierte die Methoden seines Hagener Kollegen: Sie seien wegen der verschwendeten Lebensmittel nicht nachhaltig. Der Chemiker ließ stattdessen Magnesium zwischen zwei Trockeneis-Würfeln oxidieren, ein hell leuchtender Block hüllte den gesamten Hörsaal in ein winterliches Blau. Das Publikum staunte – diese Runde ging an die Chemie.

Der Osnabrücker Professor entwickelte außerdem einen Adventskranz, "der sich selbst entsorgt". Der Clou: vier mit Wasserstoff gefüllte Dosen und ein bisschen Feuer. Dieses Knallgas-Gemisch ließ die Dosen meterweit durch die Luft fliegen.

Fiepende Flammenorgel

Das große Finale gehörte jedoch dem Experimentalphysiker Berben. In der Disziplin "Silvesterflamme" zeigte er ein Feuerrohr, das mit zahlreichen Ausgängen kleine Flammen austreten ließ. Ein akustischer Verstärker ergänzte diese "Flammenorgel", mit einem lauten, hochfrequenten Ton brachte er die kleinen Feuerstäbe in Resonanz. Die dafür richtige Tonhöhe musste allerdings erst einmal minutenlang gefunden werden – sehr zum Leidwesen aller Anwesenden. Marco Beeken konnte sich dabei eine kleine Spitze gegen seinen Kollegen nicht verkneifen:

„Der Physiker feiert Silvester offenbar lieber alleine.“

Fragwürdige Punkteteilung

Am Ende stand es zwischen den beiden Stardozenten nach Punkten unentschieden 272:272. Einen Raunen ging durchs Publikum, nahm doch ein gemeinsamer Student die Auswertung vor. Ob der es sich mit keinem seiner Professoren verscherzen wollte? Auf den Rängen störte es letztlich keinen: Die vierte Weihnachtsvorlesung begeisterte chemisch und physikalisch gleichermaßen.