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NOZ-Monatsrückblick Ringlokschuppen, Zoo und Neumarkt – Osnabrück im August 2019

Von Frank Riehemann | 31.08.2019, 17:26 Uhr

Zukunftsfragen beschäftigten die Region im August 2019. Während für den Osnabrücker Ringlokschuppen und die Bad Iburger Jugendherberge Lösungen gefunden wurden, ist noch unklar, wie es mit der Zoogesellschaft, dem Neumarkt und dem Wallenhorster Philipp-Neri-Haus weitergeht. Mehr im NOZ-Monatsrückblick.

Kein Monatsrückblick ohne Neues vom Neumarkt. Eigentlich sollten die Busse am ersten Schultag nach den Sommerferien wieder am Neumarkt halten, da die Umgestaltung des zentralen Platzes wegen Problemen mit dem Beton auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Am Tag vorher entdecken die Verantwortlichen, dass die Straßenbauverwaltung es offensichtlich nicht geschafft hat, die Haltestellen verkehrssicher zu machen. Als Grund gibt die Verwaltung an, dass wegen der längeren Erkrankung eines Mitarbeiters die Bauarbeiten nicht vergeben wurden. Eine Woche später sind die alten Haltestellen wiederhergerichtet und die Busse fahren wieder über den Neumarkt – bis zur nächsten Sperrung.

Was hat Unibail Rodamco Westfield (URW) mit den Immobilien am Neumarkt vor? Im Juni hatte der Konzern erklärt, dass er kein Einkaufszentrum bauen wird. Doch statt den Bauantrag zu widerrufen, reicht das Unternehmen die fehlenden Unterlagen jetzt doch ein. Die Konzeptgruppe Plan B will verhindern, dass ein anderer Investor die Immobilien kauft und an ihrer Stelle ein Einkaufszentrum errichtet. Die Initiative um Reinhart Richter leitet deshalb eine Unterschriftensammlung ein, um potenziellen Investoren deutlich zu machen, dass ein Einkaufszentrum auf großen Widerstand in der Bevölkerung stoßen würde. Wenn dies gelingt, könnte die Stadt die Immobilie zu einem realistischen Preis kaufen und selber die künftige Nutzung bestimmen. Nach den Plänen der Konzeptgruppe könnten in dem Quartier Räume für die Hochschule, Wohnungen, Büros und Geschäfte sowie eine Bibliothek entstehen. Mittlerweile stellen sich CDU, SPD und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hinter die Pläne und leiten ein Verfahren zur Aufhebung des Center-Bebauungsplans ein. Aber solange die Investoren sich nicht komplett zurückgezogen haben, kann der Bebauungsplan nicht aufgehoben werden, weil sonst Regressforderungen drohen.

Für einen anderen städtebaulichen Problemfall gibt es nach vielen Jahren endlich eine Perspektive. Der Forschungsbereich Künstliche Intelligenz von Universität und Hochschule soll in den denkmalgeschützten Ringlokschuppen am Güterbahnhof ziehen. Außerdem sollen Start-Up-Unternehmen dort Räume finden. Die Aloys & Brigitte Coppenrath-Stiftung unterstützt das Projekt mit fünf Millionen Euro. Das Architekturbüro Kresings aus Münster hat die Pläne für den Umbau des Ringlokschuppens ausgearbeitet.

Ein Höhepunkt für Musikfans ist in jedem Jahr das Schlossgarten-Open Air. Am Freitagabend locken Lotte und vor allem Max Giesinger und Michael Patrick Kelly Fans aus ganz Deutschland auf das ausverkaufte Festivalgelände. Am Samstag sorgen Lokalmatador Christian Steiffen, Rapper Samy Deluxe und Jan Delay für ausgelassene Partystimmung. Mit insgesamt rund 20.500 Gästen ist das Festival besser besucht als im Vorjahr.

Rund um Osnabrück

Beim Festival „Hütte rockt“ geht es härter zur Sache als im Osnabrücker Schlossgarten. In diesem Jahr sorgen Bands wie Weckörhead, Muff Potter, Josh, Beyond the Black, Skindred oder Wingenfelder für Begeisterung bei den Fans am Harderberg. Mit insgesamt 4.500 verkauften Tickets wird diesmal sogar ein neuer Rekord aufgestellt.

Bei der geplanten 380-kV-Trasse durch Voxtrup gibt es eine überraschende Wende. Bisher bevorzugte Netzbetreiber Amprion mit dem „Korridor 1“ eine 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung, die von Lüstringen kommend an Voxtrup entlang nach Süden führt und dann hinter der Autobahn 30 Richtung Melle und NRW-Landesgrenze nach Südosten abknickt. Weil der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von 400 Metern zur bestehenden Wohnbebauung nicht eingehalten werden kann, ist eine Freileitung in diesem Bereich nicht möglich. Eine Erdverkabelung kommt aus Gründen des Trinkwasserschutzes nicht in Frage. Deshalb rücken jetzt zwei Korridore durch Bissendorfer Gemeindegebiet in den Fokus: ein etwa sechs Kilometer langer „Korridor 2“ zwischen Sandforter und Eistruper Berg und ein etwa acht Kilometer langen „Korridor 3“ östlich des Eistruper Berges.

In Wallenhorst machen sich die Kommunalpolitiker Gedanken über die Zukunft des Philipp-Neri-Hauses, des alten Hollager Rathauses. Die katholische Kirchengemeinde St. Josef gibt ihre Pläne auf, das bisher als Pfarr- und Jugendheim genutzte Gebäude umzubauen oder abzureißen, um an der Stelle betreutes Senioren-Wohnen einzurichten. Grund sind die geschätzten Baukosten von weit über vier Millionen Euro. Die Kirchengemeinde möchte deshalb nach dem Bau eines neuen Jugendheims das 1965 errichtete Gebäude an die Gemeinde Wallenhorst zurückgeben.

Auch die Nutzung der ehemaligen Jugendherberge in Bad Iburg war lange offen. Jetzt kaufen der Osnabrücker Christian Eckstein und sein Compagnon Till Meyer aus Lingen die Einrichtung, um aus ihr eine Ausbildungsstätte und ein Seminarzentrum für 100 McDonald's-Mitarbeiter zu machen. Es sollen aber auch drei Appartements für Wanderer und Radfahrer oder Monteure eingerichtet werden.

Zum Monatsende schließt die Teutoburger Wurstfabrik Heinrich Böggemann GmbH & Co. KG im Bad Iburger Stadtteil Sentrup. Als Grund geben Geschäftsführung und Gesellschafter der Firma die nicht mehr gegebene Wettbewerbsfähigkeit am Standort an. Die meisten der 50 betroffenen Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ihre Tätigkeit beim Schwesterunternehmen H. Kemper GmbH & Co. KG in Nortrup fortzusetzen.

Das Stoppelfeldrennen in Dissen wird von einem schweren Unfall überschattet. Nach einer Kollision und dem mehrfachen Überschlag eines Fahrzeugs wird das Rennen abgebrochen. Die Feuerwehr kann den 56-jährigen Fahrer aus dem Wrack befreien. Er wird mit einem Krankenwagen ins Marienhospital gebracht, wo die Ärzte zahlreichen Prellungen, ein Schleudertrauma, zwei Brustwirbelbrüche und Rippenbrüche feststellen.

Andreas Maurer verliert seinen Sitz im Osnabrücker Kreistag sowie im Rat der Samtgemeinde Artland und dem Quakenbrücker Stadtrat. Der Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil des Landgerichts Osnabrück gegen den Linken-Politiker. Damit ist Maurer wegen Wahlfälschung und Unterschlagung einer Wahlbenachrichtigungskarte bei den Kommunalwahlen im September 2016 zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem wird ihm die Wählbarkeit für vier Jahre aberkannt.

Das Landgericht Osnabrück verurteilt nach einem zweimonatigen Prozess einen 66-jährigen Mann aus Hasbergen wegen vielfachen sexuellen Missbrauchs von Waisenkindern im westafrikanischen Togo zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten. Seit mehr als zehn Jahren reiste der Familienvater jedes Jahr für vier Wochen nach Togo, um ein Waisenhaus zu unterstützen Zwischen 2016 und 2018 hat der Angeklagte während seiner Besuche fünf Mädchen zwischen zwei und zwölf Jahren mehrfach sexuell missbraucht. Seine Taten dokumentierte er auf Fotos und Videos.

Der August endet mit einem kurzen aber sehr heftigen Gewitter im Lotte und Atter. Innerhalb von nur 20 Minuten fallen in Alt-Lotte 28 Liter Regen pro Quadratmeter. Im Bereich Braumkamp ziehen Orkanböen einen 50 Meter breiten Korridor der Verwüstung. In Osnabrück ist besonders der Stadtteil Atter betroffen, wo im Bereich der Birkenallee mehrere Bäume entwurzelt werden.