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Die Abteilung „Musik/Performance“ Spezialitäten für Auge und Ohr beim EMAF

Von Tom Bullmann | 28.04.2019, 19:10 Uhr

Lecture-Performance, 3D-Performance, Kollektive Performance und Tanzanimation im Allgemeinen bot das EMAF in diesem Jahr den Besuchern, die mehr als Filme und Installationen sehen wollten.

Der Saal im Haus der Jugend ist stockfinster. Hier eine blinkt mal eine LED, dort ein Lämpchen. Plötzlich leuchtet ein Monitor auf. Das Wort „They“ ist zu lesen. Dann wieder Dunkelheit. Gleichzeitig wummern noisige Töne durch den Raum. Diese industriell-apokalyptische Atmosphäre wird von Sebastiaan Schlicher generiert, der unter dem Künstlerpseudonym Amerikan Teenager mit seinen drei Kollegen im Emaf-Segment Musik/Performance agiert. Es ist die einzige Darbietung, die unter der Rubrik experimentelle Musikperformance geführt wird. Ansonsten wurde das Spektrum in diesem Jahr auf Spezialformate wie Lecture-Performance, 3D-Performance, Kollektive Performance und Tanzanimation im Allgemeinen ausgeweitet.

Von einem Scheinwerfer spärlich illuminiert steht Erik Bünger während seiner Lecture-Performance „The Elephant Who Was A Rhinoceros“ auf der Bühne des HdJ. Mit einer großen Portion Pathos in der Stimme erzählt er von seinen schwedischen Vorfahren und ihren Erfahrungen mit wilden Tieren wie dem Bär. Bald verallgemeinert er, doziert über die junge Welt, als Mensch und Tier in Höhlen lebten, und führt vor Augen, dass das Alphabet auf die Höhlenzeichnung eines Bullen mit Hörnern zurückzuführen sei. Der Vortrag wirft ein apartes Schlaglicht auf „Wild Grammar“, das Thema des EMAF.

An einen Fotoklassiker aus den 50er Jahren fühlte man sich während der 3D-Filmprojektion „Ojoboca“ erinnert. Das lustige Schwarz-Weiß-Bild von den Kinobesuchern, die mit ihren weißen Papp-3D-Brillen im Kinosaal sitzen, ging rund um die Welt. Jetzt sitzen die Zuschauer genauso im Saal der Lagerhalle und rätseln darüber, was es mit dem „Wasserbärchen“ auf sich hat, das in der Projektion thematisiert wird. Und er fragt sich, warum das Spektakel in Anaglyphen-3D-Technik in der Sparte „Performance“ geführt wird.

Da ließen sich die EMAF-Besucher lieber von der Performance „F 18W T8 G13 865“ begeistern. Rund um einen blinkenden und tönenden Kasten saßen sie auf dem Boden im Saal des HdJ und beobachteten Dawid Liftinger. Der schaltete wechselnd zehn Leuchtstoffröhren an und verfremdete die Töne unterschiedlicher Frequenz, die sie erzeugten.

Liftinger agierte im Rahmen des Media Campus Init, der EMAF-Plattform für Nachwuchskünstler, die unter anderen von der Kunsthochschule für Medien KHM Köln nach Osnabrück gereist waren.

Eröffnet worden war das EMAF bereits am Mittwoch mit der bizarren Performance „Zunkstujects-Tterings ≈ The Materialist Cult“ von Thomas Keiser, für Tanzspaß sorgte derweil die Clubnacht „Staub“, die diesmal die Abteilung „Musik“ mit Leben füllte.