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Medienkunst statt Leerstand beim Emaf Eigentümerin überlässt Haus in der Heger Straße jungen Künstlern

Von Tom Bullmann | 25.04.2019, 20:22 Uhr

Auf zwei Etagen zeigen Studierende der Kunsthochschule für Medien Köln in einem Haus im Heger-Tor-Viertel während des Emaf aktuelle Arbeiten. Hauseigentümerin Ilka Thörner freut sich über die medienkünstlerische Okkupation.

In einem Fenster des Hauses Heger Straße 29/30 ist ein gezeichneter, animierter Kopf zu sehen. Mit geschlossenen Augen liegt er auf einem Kopfkissen. Schlafend. Das Bild ist eine Projektion aus dem Inneren des Hauses heraus und trägt den Titel „Deep Sleep“. Es ist die Medienarbeit von Nausheen Javed, einer Studentin, die ursprünglich aus Indien stammt und jetzt an der Kunsthochschule für Medien in Köln studiert. Zusammen mit einigen Kölner Kommilitonen hat sie das Haus an der Heger Straße während des Emaf okkupiert.

Auf zwei Etagen präsentieren die Studierenden aktuelle Arbeiten. So donnern noch bis Ende der Woche im Erdgeschoss Bronzebleche in einer dynamischen Komposition, in der ersten Etage erzeugen an kleinen Motoren befestigte Alltagsgegenstände eher dezente Geräusche durch Berührung eines sechs Meter langen Gebildes aus Wabenkarton. Filme in einem abgedunkelten Raum, die Wahrnehmung der Umgebung, künstlerisch verändert durch den Blick in eine Virtual-Reality-Maske, sowie andere Installationen machen das Haus mitten in der Altstadt zu einem Ort der Medienkunst.

Früher Mode, heute Kunst

„Das Ladenlokal in Parterre und die Praxisräume in der ersten Etage stehen zurzeit eigentlich noch leer“, erklärt Hauseigentümerin Ilka Thörner. Also war es für sie klar, dass sie die Anfrage der Emaf-Leitung, ob sie das Haus für den Media Campus INIT nutzen könnte, positiv beantworten würde. „Ich stelle die Räumlichkeiten gerne zur Verfügung, weil ich die Medienkunstwerke mag, die während des Emaf in unserer Stadt gezeigt werden“, sagt die Kunsthistorikerin, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Tuchmachermuseum in Bramsche arbeitet.

Bereits 2007, kurz nachdem die Osnabrückerin die Immobilie im Heger-Tor-Viertel erworben hatte, war das Emaf schon einmal dort zu Besuch. „Das Gebäude musste damals saniert werden. Früher beherbergte es über alle drei Etagen ein Modegeschäft. Bevor die Bauarbeiten begannen, konnten sich die jungen Medienkünstler hier ausbreiten“, erzählt Thörner. Auch während einer Kulturnacht waren die Schaufenster im Erdgeschoss schon einmal zum Blickfang geworden, als Performer durch die Glasscheiben versuchten, Blickkontakt mit den Passanten aufzunehmen und so zur nonverbalen Kommunikation aufzufordern.

Haus voller Installationen

Das Haus in der Heger Straße ist nicht der einzige Standort, an dem sich aufstrebende Nachwuchskünstler aus dem Hochschulbereich austoben können. Im gesamten Haus der Jugend entdeckt man Installationen von Studierenden aus Enschede, Gent, Bremen und Köln. Ob futuristische Promotion für ein Projekt zur Rettung der Welt, ob pittoreske Ansammlung von Fundstücken medialer und realer Art in einem bizarren Wohnzimmer oder kinetischer Klangerzeuger, die Arbeiten kommen äußerst vielschichtig daher.

Im BBK Kunst-Quartier haben drei Studierende der Universität Osnabrück ihre Arbeiten aufgebaut, derweil im Kunstraum Hase 29 lernende Roboter, fingerfertige Klanginstallationen und die illustrierte Geschichte eines Studenten der in seiner Wohnung überfallen und beraubt wurde, auf den Besucher warten. Darüber hinaus lockt der Media Campus INIT mit einem fünfteiligen Filmprogramm und eine Klasse der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig hat speziell für das Emaf passend zum Thema „Wild Grammar“ das Programm „Wild Grandma“ produziert.

Media Campus INIT: Bis 28. April, Heger Straße 29/30, Haus der Jugend, Kunstraum Hase 29 und BBK-Kunst-Quartier. Nähere Informationen unter www.emaf.de