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Vorurteile spielerisch hinterfragen Berufsschüler entwickeln Konzepte gegen Schubladendenken

Von Matthias Liedtke | 27.02.2019, 16:01 Uhr

Mit Vorurteilen spielen: Auf Initiative der Arbeitsgruppe „Politische Bildung“ des Bistums und der Diözese Osnabrück haben Auszubildende des Berufsschulzentrums am Westerberg Ideen für einen „Vorurteils(de)generator“ entwickelt.

Mit Vorurteilen spielt man nicht? Von wegen: Gerade ein spielerischer Umgang mit ihnen könnte hilfreich sein, um sie zu überdenken, infrage zu stellen, abzubauen und bestenfalls zu revidieren. Wie das funktionieren soll, zeigen die Ergebnisse eines Projekts, das die seit drei Jahren bestehende Arbeitsgruppe „Politische Bildung“ initiiert hat, die aus Vertretern des Caritasverbandes und des Sozialen Seminars der Diözese Osnabrück sowie des Bistums und der dort angesiedelten Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) besteht - und unter anderem Argumentationsseminare „gegen Stammtischparolen“ anbietet. Die Aufgabe einer Gruppe Auszubildender des Fachbereichs Gestaltungstechnische Assistenten (GTA) im Berufsschulzentrum am Westerberg bestand darin, gestalterisch verschiedene Vorschläge für einen sogenannten „Vorurteils(de)generator“ zu entwickeln, mit dem die Öffentlichkeit auf eine spielerische Weise für das Thema sensibilisiert werden soll.

Haltung bewahren oder ändern?

Die unterschiedlichen Ideen der Berufsschüler im zweiten Ausbildungsjahr waren so kreativ und vielfältig, dass Lehrerin Corinna Komarnicki die Initiatoren davon überzeugen konnte, anstelle des ursprünglich vorgesehenen einen Spiels gleich drei verschiedene Konzepte auszuwählen, um sie in die Tat umzusetzen. Deshalb können die eigenen Vorurteile nun im Sitzen, im Stehen und auf dem Boden kniend „degeneriert“ werden: Einmal auf Augenhöhe durch die rote „Toleranzbox“, die wie ein Zufallsgenerator bestimmte Personen- oder Berufsgruppen mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften versieht und dadurch buchstäblich zur Überprüfung der eigenen Haltung und des eigenen Standpunktes animiert. Zum anderen gebückt auf dem Boden der vermeintlichen Tatsachen, wo in ähnlicher Weise mit großen, begehbaren Puzzleteilen und in aller Doppeldeutigkeit ein „Weg von Vorurteilen“ gepflastert wird. Und schließlich am Gesellschaftstisch, wo das Kartenspiel „Reflex“ zum gemeinsamen Spielen mit Vorurteilen einlädt – frei nach dem Bonmot von Heinz Erhardt, dass wir nicht alles glauben dürfen, was wir denken.

Mit Humor ins Gespräch kommen

So ist der „Vorurteils(de)generator“ eine Trias unterschiedlicher, sowohl in der Bildungsarbeit und im Klassenzimmer als auch auf der Straße und in der Fußgängerzone einsetzbarer „Produkte“ geworden, die nicht nur die „Vielfalt der Ideen abbilden“, sondern auch verschiedene „Zugänge zu eigenen Vorurteilen ermöglichen“, wie KEB-Direktor Frank Buskotte anlässlich ihrer Präsentation im Forum am Dom betonte. „Ernst, aber nicht bierernst“ und „eifrig, aber nicht übereifrig“ über Vorurteile miteinander ins Gespräch zu kommen und so Schubladendenken und Stammtischparolen Einhalt zu gebieten, verspricht sich auch Domkapitular Reinhard Molitor von dem Projekt – und ging schon mal mit gutem Beispiel voran: Als er sich selbst beim Ausprobieren der Toleranzbox der Frage „Sind Theologen kreativ?“ stellen musste, konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.