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Abtransport am Mittwoch Glocken der Osnabrücker Melanchthon-Kirche ausgeklungen

Von Michael Schwager | 23.06.2019, 12:54 Uhr

Zum letzten Mal läuteten am Samstagabend die Glocken der Osnabrücker Melanchthon-Kirche gut 50 Nachbarn und Gemeindemitglieder hatten sich zu einer kleinen Andacht auf dem Vorplatz der Kirche versammelt.

Zu Beginn und am Ende der Andacht mit Pastorin Julia Telscher-Bultmann erklang noch einmal das aus vier stählernen Glocken bestehende und rund sechs Tonnen schweren Geläut der am höchsten gelegenen Osnabrücker Kirche. Der letzte Ton verhallte gegen 18.30 Uhr. Die Glocken werden demnächst in einer Gemeinde in der Ukraine läuten.

Pastor Hilko Danckwerts erzählte nach der Andacht die Geschichte des Verkaufs. Ulf Jürgens, bis vor kurzem Geschäftsführer der Gemeinde, hatte die Glocken in einer speziellen Internet-Börse angeboten und Interessenten gefunden. Ein Abgesandter der interessierten Gemeinde in den Karpaten hatte sich dann kurzfristig angemeldet, um sich die Glocken anzuschauen. Der Gesitliche war im Mercedes mit russisch sprechendem Bodyguard vorgefahren.

Die Verständigung funktionierte mit Hilfe eines per Handy zugeschalteten Dolmetschers in Wien. Im Talar und begleitet von Danckwerts stieg der Ukrainer auf den in letzter Zeit offenkundig überwiegend von Tauben belebten Glockenboden, um dann erstmal von Hand die Glocken zum Klingen zu bringen. Es habe keine fünf Minuten nach dem Läuten gedauert, bis der erste Nachbar auf den Turm geklettert war, um zu schauen, was hier oben ablief.

Am Mittwoch beginnt der Ausbau der vier Glocken aus dem Turm. Nach dem Abbau der Verkleidung werden sie mit einem Autokran aus der Höhe geholt und abtransportiert.

Nach der Andacht nutzten die teils etwas wehmütig gestimmten Besucher die Gelegenheit, noch einmal in den großen Kirchenraum zu gehen, an dessen ursprüngliche Funktion nur noch das bronzene Kreuz an der Rückwand der Kirche erinnern. Bänke und Altar sind inzwischen aus der Kirche entfernt worden. Auch die Orgel ist ausgebaut und wird demnächst in einer Wissinger Kirche erklingen. Das Taufbecken war bereits bei der Entwidmung der Melanchthonkirche im Jahr 2015 von Gemeindemitgliedern aus der Kirche getragen worden.

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