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Dem Platt das angestaubte Image nehmen Wettbewerb „Plattsounds“ fördert den Einsatz von Plattdeutsch

Von Tom Bullmann | 06.08.2019, 19:42 Uhr

Noch bis zum 22. September können sich Bands für den Contest „Plattsounds“ bewerben. Wippsteert aus dem Nordkreis praktiziert die Kombination von Dialekt und modernem Folkrock bereits seit fünf Jahren.

Ein hartes Gitarrenriff fräst sich in den Gehörgang, dann setzt die Band ein und ein Sänger verkündet mit rauem Organ: „Verglich me us mol äinmol mit ännere…“ Wie jetzt? Das ist weder Deutsch noch Englisch! Aber was dann? Richtig, dieser Sänger kann Plattdeutsch - und hat sichtlich Spaß daran, Rocksongs damit anzureichern. Marcus Bruns heißt der Frontmann der Band Wippsteert, die sich seit fünf Jahren im Nordkreis und im Emsland tummelt, um dem Publikum zu zeigen, was sie unter „Folkplattcore“ versteht. Es ist die Fusion von Mundart mit modernem Folkrock, der es vermag, dem niederdeutschen Idiom das angestaubte Image zu nehmen.

Zu alt für den Wettbewerb

„Ein Jahr nach unserer Gründung wollten wir unbedingt bei „Plattsounds“ mitmachen“, erinnert sich Bassist David Hausfeld. Der Wettbewerb, bei dem Bands aus dem norddeutschen Raum mitmachen können, die sich dem Plattdeutsch verschrieben haben (oder es mal probieren wollen), erschien wie maßgeschneidert für Wippsteert. Jedoch: Da es bei dem Contest eine Altersbegrenzung bis maximal 30 Jahre gibt, wurde die Band nicht zugelassen. „Aber die Veranstalter des Wettbewerbs fanden unsere Musik so gut, dass sie uns eingeladen haben, beim Finale im Rahmenprogramm aufzutreten“, erklärt Hausmann. Wie der Zufall es wollte, fand die Endausscheidung damals in der Osnabrücker Lagerhalle statt. Und so begab es sich, dass 2015 nicht nur der erste und der zweite Preis (Toni Trash und Maddy Yo) in die Region Osnabrück vergeben wurden, sondern auch eine Band aus dem Nordkreis für einen adäquaten rockenden Rahmen sorgte.

Platt nicht nur für Omis

„Der Plattsounds-Wettbewerb ist ganz wichtig, um jungen Leuten die Vorstellung zu nehmen, Platt wäre nur etwas für Omas, die ihre alten Geschichten erzählen“, ist Hausfeld überzeugt. Für ihn und seine Bandkollegen ist das Niederdeutsche ein wichtiges Kulturgut, das nicht in Vergessenheit geraten darf. „Auf Platt kann man bestimmte Dinge transportieren und Gefühle ausdrücken, mit denen man auf Hochdeutsch Probleme hätte“, so der Bassist.

Schon bald kann man sich den aktuellsten plattdeutschen Rock auch auf Tonträger anhören, denn gerade befindet sich die Band mitten in den Aufnahmen zu ihrem zweiten Album, das im Osnabrücker DocMaKlang-Tonstudio digital Gestalt annimmt. Gegen Ende des Jahres werden die fünf Plattfans durch die Kneipen und Säle der norddeutschen Tiefebene ziehen, um die zehn neuen Lieder auch live zu präsentieren.

Wer jünger ist und in die Fußstapfen von Wippsteert treten will, kann sich noch in diesem Jahr für „Plattsounds“ bewerben. Dabei ist es gar nicht nötig, dass Teilnehmer im Alltag auf Platt singen. Wer sich von der Direktheit und Ehrlichkeit der Sprachform überzeugen lassen will, kann einen beliebigen, selbst geschriebenen Song ohne stilistische Eingrenzung mit Hilfe der Veranstalter übersetzen. In diesem Jahr wird das Finale am 9. November in Stade stattfinden.

Bewerbungen für „Plattsounds 2019“ bis 22. September. Bandmitglieder müssen mehrheitlich in Niedersachsen wohnen oder von dort stammen, sollen zwischen 15 und 30 Jahre alt sein, und ein MP3 mit einem eigenen Lied einsenden. Infos auf www.plattsounds.de