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Ausstellung "ich krieg dich" Bewegende Bilder von Kinder in Kriegsgebieten im Kreishaus Osnabrück

Von Lea Becker | 22.09.2019, 12:56 Uhr

Im Kreishaus des Landkreises Osnabrück ist am Freitag die bewegende Ausstellung "Ich krieg dich – Kinder in bewaffneten Konflikten" eröffnet worden.

Moses Okot trägt ein zerrissenes Jeanshemd. Um seinen Hals baumelt ein kleines Kreuz. Auf seinem Kopf prangt eine große Narbe. Er blickt ins Leere. Okot hat überlebt – gerade so. Doch der 23-Jährige leidet noch heute an den Wunden seiner Kindheit, den sichtbaren und den unsichtbaren. Der Junge aus Uganda wurde im Alter von 14 Jahren von Rebellen entführt, zwei Monate gefangen gehalten und fast zu Tode geschlagen.

Die Ausstellung "ich kireg dich – Kinder in bewaffneten Konflikten" vom Kinderhilfswerk World Vision Deutschland konfrontiert einen mit dem Leid und den bewegenden Schicksalen von Kindern in Kriegsgebieten. Sie nimmt einen mit in den Südsudan, den Kongo, nach Syrien und Afghanistan und zeigt eine brutale Realität, die man sich hierzulande kaum vorstellen kann.

„"Ich bin noch einmal davon gekommen, aber was bringt mir das? Meine Mutter ist tot, die Rebellen haben sie erschossen. Jeden Tag suche ich meinen Vater. Wenn ich ihn nicht wiederfinde, weiß ich nicht, was aus mir werden soll. Wie soll ich hier überleben?"“
Rachel Kabuho, 10 Jahre, Demokratische Republik Kongo

Jedes fünfte Kind wird in Krisengebiet geboren

"Die Kinder tragen das größte Leid", sagte der Bundetagsabgeordnete Matthias Seestern-Pauly (FDP), der die Ausstellung ins Kreishaus des Landreises Osnabrück geholt hat. "Ihnen wird nicht nur geschadet, sondern auch die Zukunft geraubt." Sie hätten die Kriege nicht verursacht, aber müssten mit den grausamen Konsequenzen leben. Und diese Erlebnisse könnten nicht ungeschehen gemacht werden.

"Mit der Ausstellung wollen wir Aufmerksamkeit für das Schicksal dieser Kinder weltweit erzeugen und auch politische Handlungen provozieren", sagte Gudrun Schattschneider, Leiterin Politik bei World Vision. 29 Millionen Kinder wurden laut Unicef im vergangenen Jahr in konfliktreichen Ländern geboren, das ist jedes fünfte Neugeborene weltweit.

Interaktive und überarbeitete Ausstellung

Die Ausstellung ist einfach konzipiert: Die Besucher werden in den vier Bereichen Zuhause, Bildung, Alltag und Gesundheit zunächst mit schönen Bildern aus Deutschland an ihre eigene Jugend erinnert. Dann werden sie mit ganz konkreten Geschichten und Bildern – wie die von Moses Okot – mit dem Krieg und der Gewalt konfrontiert. "Es lässt sich schwer in Worte fassen, was zu sehen ist", sagte Christiane Rottmann (CDU), stellvertretende Landrätin, bei der Eröffnung am heutigen Weltkindertag. Aber es sei wichtig, dass diesem Thema Beachtung geschenkt werde, "so schmerzhaft die Erkenntnisse auch sein mögen."

"Ich krieg dich" wurde vor zehn Jahren zum ersten Mal ausgestellt und war bereits in Berlin, Brüssel und New York zu sehen. Für die Präsentation im Kreishaus ist die Ausstellung komplett überarbeitet worden und mit interaktiven Elementen ergänzt worden. Auch Lehrermaterial wurde erstellt. Noch bis zum 10. Oktober sind die bewegenden Bilder im Foyer des Kreishauses zu sehen. Der Eintritt ist frei.