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Frauen im Bauhaus Der Kampf um die Gleichberechtigung

Von Tom Bullmann | 28.08.2019, 20:18 Uhr

Zahlreiche Frauen studierten vor 100 Jahren im Bauhaus. Ein Vortrag von Ronja Patzer widmete sich der Rolle der Frau an der berühmten Kunstschule.

Sie waren fortschrittlich, ja revolutionär, was die Kunst der Gestaltung anging. Sie waren sogar so progressiv, dass sie Frauen gestatteten, an ihrer Kunstschule zu studieren. Dennoch waren die Meister des Bauhauses nicht auch Meister der Gleichberechtigung. Denn dann wären die Frauen des Bauhauses von ihnen nicht kategorisch in die Textil-Werkstätten geschickt worden.

Im Akzisehaus hatten sich die Mitglieder der VG-Initiative zu ihrer monatlichen Zusammenkunft getroffen und sich nach den Beratungen über ihre aktuellen Aktivitäten einen Vortrag angehört: „Frauen im Bauhaus“ lautete der Titel des Referats, mit dem Ronja Patzer, Mitarbeiterin des Museumsquartiers, die Rolle der Frau im Bauhaus beleuchtete. Vier Studentinnen der Kunstschule, deren 100. Jubiläum in diesem Jahr gefeiert wird, porträtierte Patzer nach einem kurzen, geschichtlichen Abriss: Gunta Stölzl, Friedl Dicker, Maria Rasch und Ise Gropius.

Ise Gropius, betonte Patzer, war keine Bauhaus-Studentin, aber als Ehefrau von Walter Gropius, dem Gründer der Schule, sei sie so wichtig und wertvoll gewesen, dass sie von vielen nur „Frau Bauhaus“ genannt worden sei. Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass ihr Mann alle Frauen am Bauhaus an die Webstühle verbannte. Als einzige Werkmeisterin war seinerzeit Gunta Stölzl am Bauhaus tätig. Sie kämpfte so lange für ihre Gleichberechtigung und die Rechte ihrer Studentinnen, bis sie wegen ihrer Beziehung zu einem jüdischen Mann, den sie schließlich heiratete, auch noch antisemitisch angefeindet wurde. 1931 verließ sie das Bauhaus.

Aus Osnabrück stammte Maria Rasch, die für ein Novum am Bauhaus sorgte: Tapeten. Eine aktuelle Ausstellung im Museumsquartier widmet sich ausführlich ihrer Tätigkeit an der Kunstschule und darüber hinaus. Schließlich beschäftigte sich Frau Patzer mit Friedl Dicker, die sie als „Multitalent“ charakterisierte, weil sie sich nicht nur der Weberei, sondern auch der Architektur, der Malerei und anderen Kunstformen widmete. Sie wurde in Auschwitz ermordet.