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Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis Diskussionsrunde beim Friedenspreis nimmt Afrika in den Blick

Von Tom Bullmann | 29.11.2019, 19:58 Uhr

Preisträger und Afrika-Kenner diskutierten im Ratssitzungssaal des Osnabrücker Rathauses über das Verhältnis Europas zu den Staaten Afrikas.

„Die Europäer tragen eine Verantwortung für die Außengrenzen von Europa und sie nehmen sie nicht wahr“, sagte Johannes Bayer im Ratssitzungssaal des Osnabrücker Rathauses. Bayer ist Vorsitzender des Vereins „Sea-Watch“, der das Ziel verfolgt, in Seenot geratene Flüchtlinge im Mittelmeer zu retten. Seine Organisation wurde in diesem Jahr mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises ausgezeichnet. Daher nahm er an einer Diskussionsveranstaltung unter dem Motto „Afrika geht uns alle an!“ teil, die im Rahmenprogramm zur Preisverleihung veranstaltet wurde. Moderiert von der Journalistin Birgit Morgenrath waren Bayer sowie Abdilatif Abdalla als Stellvertreter für den erkrankten Hauptpreisträger Ngũgĩ wa Thiong´o zum Gespräch eingeladen worden. Außerdem waren die Meinungen ausgewiesener Afrikakenner gefragt: Professor Manfred Loimeier von der Mannheimer Morgenpost und Christian Jakob, der bei der taz arbeitet.

Diskutiert wurde über den Kolonialismus und dessen Folgen, weil Ngũgĩ wa Thiong´o in vielen seiner Essays eine „Dekolonisierung des Denkens“ gefordert hatte. Als Quelle der afrikanischen Misere sei es wichtig, dass die Dekolonisierung auch in den Köpfen der Menschen in Europa geschehe, so Abdalla.

Umrahmt wurde die Diskussionsrunde von dem Musiker Ray Lema aus dem Kongo, der mit seinen Instrumentalstücken Klassik, Jazz und populäre Musikstile verband, aber mit variationsreicher Stimme auch Lieder in seiner Muttersprache Lingála sang. Er betonte, dass Afrikas Probleme nicht ökonomisch, sondern kulturell begründet seien.