Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Weihnachtsoratorium als Familienkonzert „Total schön, wie der Bach das komponiert hat“

Von Jan Kampmeier | 23.12.2019, 13:15 Uhr

Die Chöre am Dom stellten am Samstag Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium einem jungen Publikum vor.

Ein Hirte aus der Zeit um Christi Geburt schreitet durch den Dom. Clemens Breitschaft hat sich mit Fellumhang und Hut verkleidet. Sonst schwingt er als Domchordirektor den Dirigentenstab, doch den hat er diesmal an seine Kollegin Julia Arling weiter gereicht und dafür zum größeren Hirtenstab gegriffen. In den ersten fünf Reihen sitzen ausschließlich Kinder – jedenfalls fast: Ein gelber Stoffdino geht als Begleitung eines kleinen Mädchens gerade noch durch.

Den Kindern will der Hirte Clemens nun ein Werk nahe bringen, das schon rund 300 Jahre alt ist und doch alle Jahre wieder aktuell: Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Dass dafür das Hirtenkostüm passend gewählt ist wird klar, sobald Tenor Ulrich Cordes zu singen anfängt, denn um Hirten geht es bei ihm, und auch das Orchester spielt eine sanfte Hirtenmusik. „Wir wollen uns jetzt eine Geschichte anhören“, meint Clemens Breitschaft und erzählt, wie ganz einfachen Hirten vor 2000 Jahren etwas ganz sonderbares passiert ist. Natürlich wird diese Geschichte mit Musik ausgeschmückt. „Jauchzet, frohlocket“ beginnen Orchester, Knaben-, Mädchen- und Jugendchor. Es sind die Engel, die den Hirten von einem ganz besonderen Kind erzählen, das gerade geboren sei. Viele Kinder lauschen der prunkvollen Musik mit offenen Mündern.

Wenn die Weihnachtsgeschichte weiter erzählt wird, werden die Kinder auch direkt mit eingebunden. Schwierig wird es, als Clemens Breitschaft nach einem Instrument fragt, das besonders königlich klingt. Der Kontrabass wird als erstes genannt, und sofort ruft ein Junge: „Ich spiele Kontrabass!“ Gitarre, Trommel, Posaune oder Oboe nennen die Kinder dann, schließlich beschließt Clemens Breitschaft, es einfach mal auszuprobieren. Nacheinander lässt er alle Instrumente des Orchesters spielen. Die Kinder stehen auf, um die Instrumente besser sehen zu können, einige steigen gar auf die Kirchenbank. Die Suche dauert eine ganze Weile, doch so richtig königlich klingt keines der Instrumente – bis die Trompete an der Reihe ist. Sie darf in Bachs „Lied für den König“ spielen, also in der Arie „Großer Herr, o starker König“. Die Kinder finden es offenbar komisch, wenn Jens Hamann diese Bassarie singt, viele fangen an zu lachen.

Etwa 60 Jungen und Mädchen kennen das Werk noch viel besser als die anderen Kinder, denn sie haben es in den Knaben- und Mädchenchören am Dom mitgesungen. Leo Kullmann (11) und Franziska Bodde (10) waren mit dabei. Sie sind schon alte Chorhasen, singen schon seit sechs bzw. vier Jahren, doch das Weihnachtsoratorium haben sie dieses Jahr neu gelernt. Zwei mal jede Woche mussten sie dafür zur Probe, doch zu viel ist es ihnen nicht geworden: „Meistens macht es Spaß“, meinen sie. Leo gehört zu den ganz Eifrigen, er will am selben Abend auch beim Konzert für die Erwachsenen mitsingen, und dann schon wieder in der Messe am ersten Weihnachtstag. Da ist dann bereits wieder ein anderes Programm dran.

Das Weihnachtsoratorium habe ihnen gut gefallen. „Weil das Orchester so schön gespielt hat“, sagt Leo, und Franzi meint, es sei einfach „total schön, wie der Bach das komponiert hat“. Ihr Lieblingsstück, da sind sich beide einig, ist der erste Chor, „Jauchzet, frohlocket“. Nicht ganz so gut gefallen ihnen nur die Da Capo-Arien: Die seien so lang, und am Ende ginge alles nochmal von vorne los. „Da steht man so lange rum“, meint Franzi. Selber singen sei einfach besser.