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"Jeden Fall einzeln betrachten" Wie bereitet sich der Kreis Osnabrück auf das Coronavirus vor?

Von Lea Becker | 28.02.2020, 05:00 Uhr

Das Coronavirus breitet sich auch hierzulande weiter aus und stellt Ärzte und Gesundheitsämter vor große Herausforderungen. Wie bereiteten sich Stadt und Landkreis Osnabrück auf einen möglichen Ausbruch in der Region vor?

Es nicht leicht, den Leiter des Gesundheitsdienstes für Stadt und Landkreis Osnabrück in diesen Tagen zu erreichen. Dr. Gerhard Bojara springt von einem Termin zum nächsten – neben dem normalen Tagesgeschäft dreht sich alles um den Coronavirus. "Das Thema hat Priorität", sagt Pressesprecher Burkhard Riepenhoff. "Wir bereiten uns vor."

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Riesenepidemie schwer vorzubereiten

Was genau passiert, wenn in der Region Osnabrück ein Verdachtsfall oder ein Infizierter auftritt, ist schwer zu sagen. "Es gibt keine Blaupausen oder feste Regieanweisungen, das alles ist sehr komplex", so Riepenhoff. Es hänge immer davon ab, wo es überall zum Kontakt kam. "Jeder Fall muss einzeln betrachtet werden." Bei einem Kindergarten seien die Maßnahmen andere als bei der Universität oder dem VW-Werk. Ein Problem sei dabei auch die Isolationszeit. "Alles muss mindestens 14 Tage gelten, das muss man dann immer abwägen."

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Auf Einzelfälle sei man in der Region gut vorbereitet, das sei auch für Kliniken so etwas wie das Alltagsgeschäft. "Aber auf eine Riesenepidemie kann man sich schwer vorbereiten", sagt der Pressesprecher. Auch die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, warnte im Gespräch mit unserer Redaktion bereits davor, dass die Behörden vor Ort schlecht auf einen größeren Corona-Ausbruch vorbereitet seien. Dafür würden den Gesundheitsämtern "schlichtweg die Kapazitäten" fehlen. Riepenhoff sieht es ähnlich:

„"Wir haben einen Gesundheitsdienst, der viel kann und der unter Volldienst arbeitet."“

Hausarzt anrufen

Der Schwerpunkt der Vorbereitungen liegt bisher auf der Kommunikation. Für Ärzte, Pfleger und anderes medizinisches Personal wurde eine Notfallnummer eingerichtet. "Die ist wirklich nur den Ärzten vorbehalten, wenn sie einen Verdachtsfall haben und nicht für die Allgemeinheit", betont Riepenhoff. Er verweist auf die Internetseite des Landkreises und des Robert-Koch-Instituts, auf der Bürger Informationen und Verhaltensregeln finden.

"Die 112 ist dafür nicht da, sondern nur für lebensbedrohliche Notfälle", stellt der Pressesprecher klar. Hier in der Region sei dies zwar noch nicht zum Problem geworden, aber in anderen Kreisen werden die Leitstellen dadurch zusätzlich belastet. Personen, die befürchten, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, sollen zunächst telefonisch Kontakt mit ihrem Hausarzt aufnehmen, um den Verdacht und das weitere Vorgehen abzuklären.