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Zu Haft und Zwangstherapie verurteilt Osnabrücker stahl Gastgebern die Handys und versetzte die Beute für Drogen

Von Horst Troiza | 26.05.2020, 17:27 Uhr

Eine ganze Reihe von Delikten wie Diebstahl und Körperverletzung haben einen jetzt 24-jährigen Osnabrücker vor das Amtsgericht gebracht. Dort ist er kein Unbekannter. Der bereits mehrfach Vorbestrafte wurde zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt. Zusätzlich wurde seine Unterbringung in einer Therapieeinrichtung angeordnet.

Der Angeklagte besitzt wenig soziale Bindungen, war schon häufig Gast in Obdachlosenunterkünften in der Stadt oder nächtigte bei Bekannten. Dazu konsumierte er in nicht unerheblichem Maß Alkohol und Cannabis, was seine Steuerungsfähigkeit beeinträchtigte und immer wieder zu strafrechtlich relevanten Situationen führte.

So hatte er nach Feststellungen des Gerichts Ende 2018 in einer Unterkunft in der Buerschen Straße im Verlauf eines Streits einen Zimmergenossen gewürgt und geschlagen. Als dieser flüchten wollte, hatte er ihn mit einem Steakmesser am Arm verletzt und mit dem Tode bedroht. „Du kannst dich bald neben deine Mutter legen“, soll er nach Zeugenaussagen zu dem Mann gesagt haben, dessen Mutter kurz zuvor verstorben war. In einem anderen Fall hatte der jetzt 24-Jährige einem anderen während eines Streits um einen Rucksack gegen den Kopf getreten.

Als wenig dankbar hatte sich der Angeklagte zudem gegenüber Bekannten gezeigt, die ihn bei sich übernachten ließen. In mehreren Fällen machte er sich mit den Mobiltelefonen seiner schlafenden Gastgeber davon. Die Handys verkaufte er anschließend an Fremde auf der Straße, um sich von dem Geld Marihuana kaufen zu können.

Eine weitere Geldquelle war der Diebstahl von Fahrrädern. In einem Fall wurde er dabei von einer Mitarbeiterin der Bundespolizei beobachtet. Die Frau wurde Zeugin, wie der Angeklagte am Hauptbahnhof das Schloss eines abgestellten Zweirads knackte. Nur Tage später schlug der Angeklagte mit einem Spaten das Fenster einer Einrichtung der Diakonie in Osnabrück ein, offenbar, weil im Inneren Wertsachen vermutete. Er wurde aber bei der Tat gestört und floh.

Die ihm zur Last gelegten Vorwürfe kommentierte der 24-Jährige vor Gericht unisono mit der Behauptung, daran „keine Erinnerung mehr“ zu haben. Das bewog die Richterin, einen Sachverständigen hinzuzuziehen, der den Einfluss von Alkohol und Cannabis bei den Taten zu ermitteln hatte. Dieser kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte suchtkrank ist und an einer psychischen Erkrankung leidet.

Das Gutachten führte das Schöffengericht am Ende zu dem Beschluss, die Unterbringung des Angeklagten in einer Therapieeinrichtung anzuordnen. Im Hinblick auf die Straftaten wurde – unter Einbeziehungen einer früheren Verurteilung – eine Haftdauer von einem Jahr und acht Monaten verhängt.