Ein Artikel der Redaktion

Hilfsorganisation sucht Räume Osnabrück soll eine Arche für arme Kinder bekommen

Von Sandra Dorn | 07.08.2018, 21:07 Uhr

Osnabrück soll eine Arche für benachteiligte Kinder bekommen. Der bundesweit tätige und von vielen Promis unterstützte Verein „Die Arche“ plant, hier ein Betreuungs- und Freizeitangebot für 50 bis 80 Mädchen und Jungen ins Leben zu rufen. Nun sucht der Verein Räumlichkeiten und Sponsoren.

Den Anstoß, das Kinderhilfsprojekt hierher zu holen, gab der Osnabrücker Charity-Läufer John McGurk, der mit seinem Verein „Sportler 4 a childrens world“ schon mehrfach Spenden für die Berliner Organisation erlaufen hat.

Deutschlandweit betreut das christliche Kinder- und Jugendwerk Arche nach Angaben von Pressesprecher Wolfgang Büscher täglich 4500 Kinder und Jugendliche. In den Freizeiteinrichtungen bekommen sie kostenlose Mahlzeiten und eine Nachmittagsbetreuung.

Der Verein arbeite komplett spenden- und sponsorenfinanziert, so Büscher, und beschäftige 200 Pädagogen. Kooperationen mit den Fernsehsendern Pro Sieben oder RTL und die Unterstützung durch Promis wie Lukas Podolski, Wolfgang Thierse, Günther Jauch oder die Schauspielerin Claudia Michelsen haben dazu geführt, dass die Hilfseinrichtung bundesweit bekannt ist und über ein entsprechend hohes Spendenaufkommen verfügt.

In Deutschland dauere es laut einer aktuellen OECD-Studie sechs Generationen, um aus der Armut herauszukommen, betont Büscher, in Dänemark nur zwei Generationen. „Wir versuchen, den Kindern zu vermitteln, dass sie stark sind“, so Büscher. „Der schlimmste Spruch in der Politik ist: ‚Kinder sind Zukunft‘“, betont er. „Kinder sind Gegenwart.“

Jedes vierte Kind betroffen

In Osnabrück leben stadtweit 24,7 Prozent aller Kinder unter zehn Jahren – also jedes vierte – in Familien mit Sozialhilfebezug, sagt auf Anfrage Rita Alte-Bornholt von der städtischen Koordinierungsstelle Kinderschutz. Im Schinkel sind es sogar 47,1 Prozent, also fast jedes zweite Kind. „Die Brisanz des Themas ist da“, so Alte-Bornholt. (Weiterlesen: Mehr als 5000 Kinder in Osnabrück leben in Armut)

Viele Unternehmer und Freunde hätten ihn gefragt, warum es in Osnabrück keine Arche gebe, berichtet John McGurk. Er sei aus tiefstem Herzen von dem Konzept überzeugt. „Wir wollen die Armut hier vor Ort bekämpfen.“ Ihm sei bewusst, dass es in Osnabrück schon Projekte wie etwa die Kindertafel gibt. „Aber das reicht nicht.“

Die Arche vor Ort soll eine Osnabrücker Einrichtung werden und ins bestehende Hilfenetzwerk eingebunden werden, sagt Pressesprecher Büscher. Ideal wären Geschäftsräume in der Größenordnung von 150 bis 200 Quadratmetern mit einem Außengelände, erläutert er. Und: „Wir wollen in ein Brennpunktgebiet.“ McGurk kann sich etwa die Quartiere Schinkel, Rosenplatz, Dodesheide, Eversburg oder Atter vorstellen. Starten will die Arche mit zwei bis vier festangestellten Mitarbeitern, die von Ehrenamtlichen unterstützt werden sollen, so Büscher.

Eine Zugangsbeschränkung für die Kinder, etwa den Osnabrück-Pass, den Sozialhilfempfänger und Geringverdiener bekommen, soll es nicht geben, so Büscher. „Bei uns kann jeder kommen. Wir sind eine offene Einrichtung und haben auch Kinder, wo beide Eltern arbeiten gehen.“ Altersmäßig peilt die Arche in Osnabrück zunächst Kinder von sechs bis zwölf Jahre an, die Einrichtung solle mit den Jahren dann in den Jugendbereich hineinwachsen.