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Auf dem Nikolaiort In Osnabrück demonstrierten "Omas gegen rechts"

Von Monika Vollmer | 08.03.2019, 18:53 Uhr

“Omas gegen rechts“ – eine neu gegründete Osnabrücker Initiative von gleichgesinnten Frauen im Alter von 55 bis über 80 Jahren hat am Freitag erstmals auf dem Nikolaiort gegen Rechtspopulismus demonstriert.

An ihren Jacken kleben kleine, silberfarbene Buttons mit der Aufschrift „Omas gegen rechts“, auf den rot grundierten Plakaten, die sie vor sich halten, prangt in dicken, gelben Lettern der gleiche Text. Knapp 60 Frauen hatten sich flashmobartig verabredet. Nun stehen sie nebeneinander und sind sich einig, dass soziale Standards und Respekt und Achtung anderen gegenüber – alles Dinge, wofür sie einst gekämpft haben – mittlerweile wieder in Frage stehen.

„Wir sind ältere Frauen, sind Kriegs- und Nachkriegskinder, und leben jetzt in einer Epoche, wo ein starker Rechtsdruck zu merken ist“, begründet Renate Wall (76), eine der Initiatoren des Osnabrücker Bündnisses, den eher ruhigen Protest auf dem Nikolaiort. „Als Alt-68er ist es uns vor der Europawahl ein Anliegen, wieder auf die Straße zu gehen und uns klar gegen rechte Gruppierungen auszusprechen.“

Skandierten die Frauen damals noch „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ und lehnten sich gegen das Etablierte der jungen Bundesrepublik auf, zeigen sie heute, 50 Jahre später, ihre Missbilligung gegenüber der AfD und sagen „Nein“ zu Antisemitismus, Nationalismus und Sexismus.

Karin Jabs-Kiesler, pensionierte Geschichts- und Politiklehrerin sowie frühere Bürgermeisterin, hatte im Freundeskreis von der Aktion gehört und wollte sich das Ganze anschauen. Auf die Frage, ob sie nicht kurz eine Rede halten könne, greift sie zum Mikrofon. Was folgt, ist eine flammende, aus dem Stegreif gehaltene Rede, die über den Platz schallt. „Für mich ich es ganz wichtig, für eine parlamentarische Demokratie zu kämpfen“, sagt sie im Anschluss.

„Die Idee ist nicht schlecht“, befindet Manfred Staiger die Initiative, bei der es keine Bedingung ist, biologische Großmutter zu sein. Auch Opas dürfen übrigens durchaus dazu kommen. Bei den vorbeieilenden Passanten erregt die Aktion Aufsehen, was auch daran liegen mag, dass anlässlich des Weltfrauentages gleich fünf verschiedene Demonstrationsgruppen auf dem Platz sind und sich teilweise zu einem großen Pulk vermischen.

Erst im Februar ist die Aktionsgruppe nach einem Wiener Vorbild gegründet worden. Das Thema der politisch engagierten Seniorinnen kam in einem Literaturkreis zur Sprache, relativ spontan schlossen sie zunächst acht Frauen zusammen. „Die Stimme erheben und Anstoß zum Nachdenken geben – auch im Hinblick auf die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder“, erklärt Renate Wall das Engagement der neu gegründeten Gruppe.

Wall kennt sich in Frauenbewegungen aus und prophezeite bereits vor sechs Jahren, als der Osnabrücker Frauenkulturverein seine Türen schloss, dass die Frauenbewegung keinesfalls tot sei, es inzwischen nur andere Formen der Kommunikation gebe. Und so stehen sie heute mit ihren bunten Plakaten in der Osnabrücker Innenstadt.

Demnächst sind weitere Aktionen geplant: So werden die Großmütter am 13. März bei der Demonstration gegen Antisemitismus dabei sein und von März bis Mai an jedem vierten Samstag um 11 Uhr auf dem Platz vor dem Rathaus stehen.