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Polizei bestätigt mehrere Anzeigen Hundebesitzer erheben Vorwürfe gegen Tierheim in Surwold

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 18.12.2017, 19:36 Uhr

Mehrere Hundebesitzer erheben Vorwürfe gegen das Tierheim in Surwold und werfen der Betreiberin Bärbel Lohmann unlautere Methoden vor. Die Polizei bestätigt, dass mehrere Anzeigen eingegangen sind. Lohmann bestreitet die Vorwürfe.

Bereits Ende November war Malli, die eineinhalbjährige Herder-Mix-Hündin von Lisa Pleiter, dem Tierheim am Querkanal 27 in Börgerwald überlassen worden. Zur Kurzzeitpflege, betont Pleiter. „Mein Freund und ich benötigten ein wenig Ruhe für einen Umzug“, berichtet die 27-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Nur einen Tag später wurde sie darauf aufmerksam, dass die Tierheim-Betreiberin den Hund über Facebook zur Weitervermittlung anbot.

In unbewohntem Haus gefunden

Noch am gleichen Tag wurde Lisa Pleiter beim Tierheim, hinter dem der Verein „Tierhilfe Papenburg und Umgebung“ steht und deren Vorsitzende Lohmann ist, vorstellig und forderte die Herausgabe von Malli – ohne Erfolg. „Sie hat mir gesagt, Malli sei bissig, eine Gefahr für die Bevölkerung und sie hat ihn weggegeben“, berichtet die Esterwegerin, die betont, dass der Hund in ihrer Gegenwart noch nie gebissen und ein ruhiges Wesen gezeigt habe.

Nachdem sie die Polizei gerufen hatte, habe ein Transporter mit abgedunkelten Fenstern das Gelände verlassen. Weil die Hundebesitzerin mutmaßte, dass ihr Malli sich in dem Fahrzeug befand, fuhr sie hinterher. Doch sie konnte dem Fahrzeug nicht folgen. Lisa Pleiter suchte mit einem öffentlichen Facebook-Beitrag nach ihrem Hund und bekam den Hinweis, dass ein unbewohntes Haus am Pastorenweg in Börgermoor als „Nebenstelle“ des Tierheims genutzt werde. Dort fand sie ihren Hund zwei Tage später tatsächlich. „Ohne Futter und Wasser und im eigenen Kot“, berichtet die Besitzerin, die inzwischen Anzeige bei der Polizei erstattet hat.

Sie ist nicht die Einzige, die Vorwürfe gegen das Tierheim erhebt.

Chip bei Hund aus Westoverledingen nicht ausgelesen?

15 Jahre treue Dienste als Therapiehund der Logopädin Petra Brand aus Völlenerkönigsfehn hat Golden-Retriever-Rüde Paul geleistet. Am 8. Dezember entlief er der Besitzerin an der Papenburger Straße. „Er muss in einen Graben gefallen sein. Er wurde dann von Anwohnern ins Tierheim in Börgerwald gebracht“, berichtet Brand, die über die Polizei, die Ordnungsämter, soziale Medien, die Online-Tiersuchhilfe „Tasso“ und persönlich nach dem Tier suchte. „Er besitzt ein Halsband mit Telefonnummer, Chip und Tasso-Registriernummer. Es wäre also ein Leichtes gewesen, mich als Eigentümerin ausfindig zu machen“, sagt Brand.

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Auch mit Bärbel Lohmann telefonierte sie und erhielt zunächst die Nachricht, es sei kein Golden Retriever im Tierheim abgegeben worden. Erst als Brand drei Tage später erfuhr, dass Paul sehrwohl in dem Surwolder Tierheim gelandet war und sie dort persönlich erschien, habe man ihr den Hund herausgegeben – nach „seltsamen Fragen, frechen Belehrungen, Androhungen von Anzeigen und vielem mehr“, wie die Hundebesitzerin berichtet und darüber rätselt: „Wieso es Frau Lohmann in drei Tagen und Nächten nicht geschafft hat, die Ohrnummer oder den Chip auszulesen und an Polizei oder Ordnungsamt weiterzugeben, weiß ich bis heute nicht.“

Polizei bestätigt mehrere Anzeigen

Ein Sprecher der Polizeiinspektion Emsland/ Grafschaft Bentheim bestätigte auf Anfrage: „Bei der Polizei sind in den vergangenen Monaten mehrere Anzeigen und Hinweise zu Unregelmäßigkeiten im Tierheim Surwold-Börgermoor eingegangen. Der Institution werden in diesem Zusammenhang insbesondere Unterschlagungen von Tieren vorgeworfen. Die Ermittlungen laufen.“ Der Landkreis Emsland als zuständige Veterinärbehörde teilte auf Anfrage mit: „Tierschutzrelevante Mängel liegen nicht vor. Gegebenenfalls eingeleitete strafrechtliche Ermittlungen erfolgen durch die Polizei.“

Betreiberin streitet Vorwürfe ab

Bärbel Lohmann streitet die Vorwürfe von Petra Brand und Lisa Pleiter ab. Golden-Retriever-Rüde Paul habe auf sie einen „schlechten apathischen Zustand“ gemacht, sie habe ihn drei Tage gut versorgt. Einen Chip habe der Hund ihrer Aussage nach „definitiv nicht gehabt“. Die eintätowierte Tasso-Registriernumme sei ihrer Mitarbeiterin, die Paul betreut habe, nicht aufgefallen, weil sie keine Brille zur Hand gehabt habe. Dass es erst drei Tage später zur Rückgabe gekommen sei, begründet Lohmann mit ihrem 70. Geburtstag, den sie an besagtem Wochenende gefeiert habe.

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Beim Fall Lisa Pleiter bestätigt Lohmann, dass Hund Malli in der Pflegestelle des Vereins am Pastorenweg untergebracht war. Eine weitere Pflegestelle in Vereinsbesitz gebe es in einem ehemaligen Schulgebäude (Nordschule) in Rastdorf. Dort werden die Tiere, genauso wie am Querkanal, vom etwa zehnköpfigen Team des Vereins, das ihren Angaben zufolge aus Ehrenamtlern und 450-Euro-Kräften besteht, dreimal am Tag versorgt, die restliche Zeit seien sie unbeaufsichtigt.

„Keine Tierpension“

Lohmann bestreitet, dass Malli ihr zur Kurzpflege übergeben wurde. Ihrer Meinung nach, sie ihr das Tier von der Eigentümerin zur Weitervermittlung gegeben worden. „Wir sind schließlich keine Tierpension“, so die Vereinsvorsitzende, die bestätigte, dass sie nach einem Gehirnschlag derzeit an das Bett gebunden ist und die Tiere weitgehend von Mitarbeitern des Vereins betreut werden.

Zuschuss durch Samtgemeinde Nordhümmling

Stefan Eichhorn, Bürgermeister der Samtgemeinde (SG) Nordhümmling, teilte auf Anfrage mit: „Die Samtgemeinde Nordhümmling hat eine Vereinbarung mit dem Verein Tierhilfe Papenburg und Umgebung geschlossen, dass Fundtiere aus dem Bereich der SG Nordhümmling dort abgegeben werden. Dafür erhält der private Verein von der SG jährlich einen Zuschuss.“ Zur Höhe machte er keine Angaben.