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Gedenkstätte Esterwegen Ausstellung „Die Polizei im NS Staat“ eröffnet

02.02.2015, 17:45 Uhr

heid Esterwegen. In der Gedenkstätte Esterwegen ist am Sonntag die Ausstellung „Ordnung und Vernichtung – Die Polizei im NS-Staat“ eröffnet worden. Dass diese nicht allein von erheblichem öffentlichen Interesse ist, sondern auch viele heutige Funktionsträger der Erinnerung an diesen Teil der Nazi-Herrschaft eine besondere Bedeutung beimessen, zeigte die große Anzahl von Vertretern der Polizei, des Kreistages sowie der Bürgermeister und Parlamentarier bei der Eröffnung.

„Die Ausstellung stellt einen unverzichtbaren Beitrag zur Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen Polizeigeschichte dar“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, Heiner Reinert. Weder hätten die heute in Friedenszeiten lebenden Menschen das Recht, selbstgerecht über jene Menschen im Dritten Reich zu urteilen, noch dürften die menschenverachtenden Taten verschwiegen werden. „Das Unrecht und die Täter müssen beim Namen genannt werden.“ Daher sei es umso anerkennenswerter, dass die Polizei sich selbst mit ihrer Rolle und ihrem Handeln offen auseinandersetze. Die Ausstellung sei somit nicht nur für alle Bürger ein geschichtliches Lehrstück, sondern ein gelungenes Beispiel für die schonungslose Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

Alle Sparten der deutschen Polizei waren am Terror gegen die politischen und weltanschaulichen Gegner des NS-Staates beteiligt. „Sich einer Anordnung und einem Befehl zu widersetzen verlangte nicht nur Einsicht, sondern vor allem Courage“, erklärte Dirk Götting, Kurator des Polizeimuseums Niedersachsen in Nienburg, während seiner Einführung. Manche Polizisten hätten vielleicht das Glück gehabt, nicht direkt an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt gewesen zu sein, auf Verweigerungen gebe es jedoch so gut wie keine Hinweise. Deshalb verbiete sich jede Differenzierung. „Die nationalsozialistische Polizei war in keiner Weise eine ,gute Polizei‘. Sie war ein Vollzugsorgan eines verbrecherischen Staates, und zwar ohne Wenn und Aber“, so Götting.

Die Polizei im Emsland

Die Ausstellung wurde 2011 von der Deutschen Hochschule der Polizei und dem Historischen Museum in Berlin gestaltet und 2012 von Historikern der Polizeiakademie Niedersachsen um niedersächsische Elemente ergänzt. Mit der Rolle der Polizei im Emsland in den Jahren 1933 bis 1945 befassen sich sechs neue Tafeln, die der Historiker Sebastian Weitkamp in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Esterwegen erstellt hat. Sie berichten unter anderem von der Überwachung von Zwangsarbeitern durch die Gestapo Meppen, politischen Vorbeugehäftlingen im KZ Esterwegen und von dem inhaftierten Polizisten Karl Becker.

Noch bis zum 26. April kann die Ausstellung in der Gedenkstätte Esterwegen besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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