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Begegnung in Gedenkstätte Esterwegen: Junge Leute arbeiten für den Frieden

11.07.2013, 20:05 Uhr

Versöhnung über den Gräbern, Arbeit für den Frieden – unter diesem Motto kümmert sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seit 1919 um den Erhalt von Gefallenenfriedhöfen und Denkmälern. Zusammen mit der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen organisierte der Volksbund nun ein internationales Sommerlager mit jungen Erwachsenen aus sieben europäischen Ländern.

„Natürlich hatte ich Vorurteile“, räumt die 16-jährige Myriam Rapior ein. Die junge Berlinerin war eine von 22 Teilnehmerinnen des Projekts in der Gedenkstätte Esterwegen . Ihre Augen leuchten auf, als sie fortfährt: „Aber wir sind alle die gleichen Jugendlichen, hören dieselbe Musik, haben dieselben Interessen, auch wenn wir aus unterschiedlichen Ländern kommen.“ Auf die Frage, warum sie hier sei, antwortet die junge Frau, dass es ihr wichtig sei, ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Auch der internationale Charakter der Arbeitsgruppe habe sie gereizt.

Die Eindrücke der Berlinerin werden auch von Pawel Wegrzak geteilt. Der 19 Jahre alte Pole freut sich über die neu entstandenen Freundschaften. „Es ist wichtig, Freunde in anderen Ländern zu haben, um den historischen Kontext besser zu verstehen.“ Dann sagt er: „Wir müssen zusammenhalten, damit so etwas nie wieder passiert.“

Die jungen Leute aus Russland, Weißrussland, der Ukraine, Moldawien, der Türkei, Polen und Deutschland sowie ihre fünf Gruppenleiter haben sich in der Gedenkstätte mit der Geschichte der Emslandlager auseinandergesetzt. Dabei beschäftigten sie sich vor allem mit den Schicksalen einzelner Häftlinge. Die Lagerhaft wurde auch theaterpädagogisch behandelt, indem Handlungen von Opfern und Tätern szenisch dargestellt wurden. So sollten die jungen Erwachsenen zum Nachdenken angeregt werden. Die sprachlichen Barrieren waren hierbei irrelevant, sagt Andrea Kaltofen, Geschäftsführerin der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen. „Die Verständigung lief über den Inhalt, nicht über die Sprache.“ Neben dieser thematischen Arbeit halfen die Freiwilligen bei der Pflege der Gräber auf dem Friedhof Aschendorfermoor und der Massenkriegsgräber in Oberlangen.

„Wer miteinander redet, sich über Nationalgrenzen hinweg verständigt, sich um eine gemeinsame Sache bemüht, schießt nicht“, sagt Martin Gerenkamp, Erster Kreisrat, zur Bedeutung eines solchen Sommerlagers.

Laut Campleiter Henrik Berthold werden die Helfer am Wochenende im belgischen Lommel sein, wo drei internationale Arbeitsgruppen aufeinandertreffen. An diesem Ort feiert der Volksbund 60 Jahre Jugendarbeit.