Serie „Der rote Faden“ Werlter Rotkreuzler organisiert Hilfe für Rumänien mit

Von Susanne Risius-Hartwig

Hans Gerd Colmer ist Bereitschaftsleiter beim Deutschen Roten Kreuz Ortsverein Werlte. Fotos Susanne Risius-HartwigHans Gerd Colmer ist Bereitschaftsleiter beim Deutschen Roten Kreuz Ortsverein Werlte. Fotos Susanne Risius-Hartwig

Werlte. Hans Gerd Colmer ist Bereitschaftsleiter beim Deutschen Roten Kreuz Ortsverein Werlte.

Seit 1990 ist Hans Gerd Colmer fest angestellt im Emslandmuseum Schloss Clemenswerth. Als moderner Hausmeister, wie er sagt. Seine Aufgaben, beschreibt er, reichen von der Reparatur der Beleuchtung, der Kontrolle und Wartung der Alarmanlage und anderer Museumstechnik bis zur Begleitung der Aufbauarbeiten bei Ausstellungen. Beim Adventsmarkt oder Rosenfest schaut Colmer, ob die Stände auch dort sind, wo sie stehen sollen, versorgt die Aussteller mit Strom und praktischer Hilfe.

Geboren wurde Colmer am 3. Februar 1962 in Werlte. Er hat eine Schwester. Sein Weg führte über die Hauptschule 1977 zu einer Tischlerlehre. Seit 1987 war der Werlter im Rahmen einer Maßnahme beim Emsländischen Heimatbund beschäftigt.

Seit seiner Schulzeit wurde Colmer „Honey“ genannt. „In der sechsten Klasse durften wir uns im Englischunterricht einen Namen aussuchen. Bis heute haftet mir dieser Spitzname an und viele kennen mich nur als Honey“, schmunzelt Colmer.

„Am Ende wird alles gut.“

Sein Einsatz für das Deutsche Rote Kreuz hat 1983 angefangen, erzählt der Emsländer. Er startete als Helfer beim DRK, wurde 2009 Bereitschaftsleiter und ist seit 2011 Leiter der Schnell-Einsatz-Gruppe 2. Diese Gruppe ist zum Beispiel bei Unfällen mit vielen Verletzten zur Stelle und wird über die Leitstelle alarmiert.

Die Aufgaben der Schnell-Einsatz-Gruppe sind, die Feuerwehren bei langen Einsätzen zu verpflegen, bei Busunfällen die Passagiere mit Decken und Wasser zu beliefern oder bei Hochwasserlagen Menschen in Notunterkünften zu versorgen. Während der Flüchtlingswelle hat Colmer eine Unterkunft in Meppen mit aufgebaut.

„Der Arbeitgeber muss zustimmen, dann kann man zu solchen Einsätzen fahren“, sagt Colmer. Flexibel und stressresistent muss man für diese Aufgabe sein, meint der 55-Jährige und besonders als Leitungskraft die Nerven behalten. Aber er weiß auch: „Am Ende wird alles gut und die Menschen sind dankbar für die Hilfe.“

Das ganze Jahr ist genug zu tun

Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist Hans Gerd Colmer und seiner Frau Petra 2005 verliehen worden. Jahrelang hatte das Ehepaar Colmer Mutter, Tante und Onkel gleichzeitig zuhause gepflegt. Geehrt wurde mit der Auszeichnung auch ihr Einsatz für Hilfstransporte nach Rumänien. Ab 1990 wurden diese über den Landesverband des DRK organisiert und bis jetzt weiter geführt, berichtet der Emsländer. Gerade (bis zum 6. November) geht der 29. Transport über die Bühne. Der Ortsverein Werlte/Sögel hat ihn wieder über Spenden finanziert. „Die Not in den Bergdörfern, die wenig entwickelt sind, ist groß“, erläutert der Organisator, der sich auf ein Team von zehn Helfern stützen kann.

Ein großer LKW wird zur Verfügung gestellt vom DRK. Zur eigenen Sicherheit kommen sechs Mitglieder mit und ein Begleitbulli. Die Emsländer verteilen an Schulen, Kinder- und Altenheime aber auch direkt an die Bevölkerung, nichts kommt in Lager. „Es ist zwar ein Tropfen auf den heißen Stein aber das Lachen in den Kinderaugen tut immer wieder gut,“ sagt Comer.

„Wir haben vor Ort nie versprochen wiederzukommen. Es wurde immer erst abgewartet, ob ein neuer Transport finanziert werden kann.“ Colmer persönlich war 26 Mal mit in Rumänien. „Gesundheitsbedingt geht es gerade nicht,“ bedauert er. Aber das ganze Jahr über ist genug vorzubereiten: Haushaltsartikel und Kleidung werden sortiert und in Kartons verpackt. „Ähnlich wie in der Kleiderkammer müssen wir raussuchen, was nicht mehr gut ist, eventuell waschen oder ausbessern.“

Es ist eine andere Welt

Auch finanzielle Spenden werden mit nach Rumänien genommen, denn manches lässt sich besser im Land anschaffen. Schulbücher zum Beispiel oder Dinge, die dort günstiger sind als hier. „Man kann dort alles kaufen, allerdings gibt es Monatslöhne von 300 Euro und sehr niedrige Renten“, erläutert der Werlter.

Es sind Freundschaften entstanden, erzählt er weiter. Der Arzt nimmt sich frei genauso wie die Dolmetscher, die die Emsländer begleiten. Schon übers Jahr schauen sie sich um, wo die Not am größten ist, halten Kontakt und informieren, was gebraucht wird. „Wenn ich an Rumänien denke, bin ich mit dem Leben hier super zufrieden. Es ist eine andere Welt dort.“