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Schwergewicht wird zum Schätzchen Bockhorst: Alter Schiffsmotor wird neue Attraktion für Oldtimerclub

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gs Bockhorst. Der fast 70 Jahre alte Schiffsmotor hat eine lange Reise hinter sich. Als „Landratte“ sozusagen. Und deshalb ganz ohne zu schnaufen und zu tuckern. Exakt 808 Kilometer legte das fünf Tonnen schwere „Schätzchen“ auf einem kleinen Lkw-Anhänger vom bayrischen Königsmoos bei Ingolstadt nach Bockhorst zurück. Am Mittwoch traf der Koloss, der die Herzen von Oldtimerfreunden höher schlagen lässt, in der Nordhümmlinggemeinde ein.

Werner Kohnen, Vorsitzender des Vereins Frisian Oldtimer Club aus Rhauderfehn, hatte den im Jahr 1943 gebauten Motor der Marke MWM (Motorenwerke Mannheim) schon seit Jahren im Visier. Aber erst jetzt konnte er einem Oldtimerfreund aus Süddeutschland das Liebhaberstück abkaufen. Hillrich Taapken aus Großefehn, ein Freund der Familie und ebenfalls leidenschaftlicher Oldtimer-Fan, holte den Motor aus Königsmoos ab. Die Errungenschaft soll zu einer Attraktion des Frisian-Clubs werden, der den Namenszusatz Traktorenfreunde Overledingen Hümmling trägt.

Bis zur ersten Ausstellung im Sommer will Kohnen den Motor für Schauvorführungen wieder ans Laufen bringen. Dass ihm das gelingen wird, dürfte außer Frage stehen. Der gebürtige Surwolder weiß, wo er die Hebel ansetzen muss. Schließlich repariert Kohnen in seinem Betrieb am Ufer des Küstenkanals in Bockhorst Schiffsmotoren aller Art – nach eigenen Angaben für Kunden in der ganzen Welt.

Warum er gerade hinter diesem Motor so her war? „Ich habe selbst ein baugleiches Modell gefahren“, sagt Kohnen. Das liegt lange zurück. Er erklärt, dass sein Vater Bernhard 1958 einer Reederei ein Mainschleppschiff abgekauft habe. Dieses Schiff wurde im niederländischen Foxhol zu einem Motorschiff (MS) umgebaut. In diesem Zuge erhielt das Schiff die Hauptmaschine aus einem sogenannten Fischlogger (größeres Fangschiff) – und zwar einen 150 PS starken MWM-Motor.

Wie Kohnen erläutert, wurde der Motor hauptsächlich für die deutschen Logger der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges entwickelt. Das Besondere sei die „volle Leistungsausbeute von 375 Umdrehungen pro Minute direkt auf die Schiffsschraube ohne Untersetzungsgetriebe“.

Aus dem Mainschlepper wurde die „MS Werner-Gisela“, die Kohnen seinem Vater 1969 im Alter von 20 Jahren abkaufte, um fortan als Partikulier (selbstständiger Binnenschiffer) seine Brötchen zu verdienen. Seine erste Fracht war eine Ladung Braugerste, die er von Emden nach Mannheim fuhr. In den folgenden Jahren habe die Maschine Enormes geleistet. „Ich konnte sie den ganzen Tag mit Überlast fahren“, erinnert sich Kohnen. 1983 ließ er sich in Bockhorst nieder und baute seinen heutigen Betrieb auf. Mit dem Kauf des Motors, der älter ist als er selbst, hat sich für Werner Kohnen nun gewissermaßen ein Kreis geschlossen.

Der Verein im Internet: www.frisian-oldtimer.de


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