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Mehr als 1500 Besucher in Esterwegen Hilfsaktion für verunglückten Nico übertrifft alle Erwartungen


Esterwegen. Auf überwältigende Resonanz ist die Benefizaktion für den schwer verunglückten Nico Jansen aus Esterwegen gestoßen.

Schätzungsweise mehr als 1500 Zuschauer strömten am Mittwochabend zu dem Freundschaftsspiel zwischen dem SV Esterwegen und dem SV Surwold. Das Ergebnis (1:2) war Nebensache, die Spendensumme für die Familie des 17-Jährigen indes dürfte im fünfstelligen Bereich liegen. Damit sind alle Erwartungen der Initiatoren weit übertroffen worden. Sie hatten ursprünglich nur ein paar Bratwürstchen verkaufen wollen. Doch es kam ganz anders...

Für Großereignis gerüstet

Es ist angerichtet. Fleißige Helfer haben im Esterweger Sportpark ganze Arbeit geleistet, damit das Großereignis reibungslos über die Bühne gehen kann. Rund um den Hauptplatz, wo sich zu den Punktspielen des SV Esterwegen (1. Kreisklasse) für gewöhnlich nicht mehr als zwischen 50 und 80 Zuschauer verlieren, versammeln sich nach übereinstimmenden Schätzungen der Organisatoren und Beobachter mehr als 1500 Besucher. Wie viele genau die Stadiontore passieren, bleibt unklar. Der Eintritt ist frei. Und doch zückt fast jeder seine Geldbörse und stopft einige Euro in die bereit gestellten Spendenboxen. Beim Losverkauf für die Tombola, am Würstchen-, Popcorn-, Waffel- und Getränkestand herrscht rasch großer Andrang. Im Clubheim gibt es eine Cafeteria. Nicos Clique hat eine Schinkenschätzaktion organisiert.

(Der Liveblog zum Nachlesen: So war der Benefizabend für den verunglückten Nico aus Esterwegen)

Alle Einnahmen für die Familie

Die gesamten Einnahmen vom Verzehr über jede einzelne Spende bis zur Tombola kommen der Familie von Nico Jansen zugute, versichert Hermann Lampen. Der Fußballobmann des SV Surwold ist zugleich Trainer der B-Juniorenmannschaft der Jugendspielgemeinschaft Hümmling, zu der sich der Surwolder und Esterweger im Nachwuchsbereich zusammengeschlossen haben. In seinem Team kickte auch Nico Jansen bis zu seinem folgenschweren Sturz zuhause, bei dem er sich im vergangenen Herbst die Schädelhirndecke dreifach brach. Nach einem Dutzend Operationen und 14 Wochen auf der Intensivstation des Meppener Krankenhauses Ludmillenstift wird der 17-Jährige in eine Pflegeeinrichtung in Barßel verlegt. Seine Eltern besuchen ihn jeden Tag. Bis heute zeigt ihr Sohn jedoch keine Reaktion. Die Familie möchte ihn nach Hause holen. Dazu wird das Eigenheim an- und umgebaut.

Erste Gänsehautmomente

Als die Mannschaften, angeführt von Schiedsrichterin Ramona Goldenstein aus Papenburg und mit Kindern an der Hand, mit musikalischer Untermalung vor der ungewohnt großen Kulisse aufs Spielfeld laufen, entstehen die ersten Gänsehautmomente. Sie werden verstärkt, als Hermann Lampen zum Mikrofon greift und er angesichts der enormen Resonanz von seinen Gefühlen übermannt wird. Sichtlich berührt, muss der Bundespolizist seine Ansprache mehrfach unterbrechen, weil er mit den Tränen kämpft. Das Publikum zeigt ein feines Gespür für die Situation und spendet warmen Applaus. „Normalerweise bin ich nicht auf den Mund gefallen, aber die Resonanz hier ist schon beeindruckend. Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Lampen. Er zollt allen Helfern Dank und Anerkennung. Ein besonders dickes Lob gibt es für Nico Jansens Mannschaftskollegen. „Ohne meine Jungs wäre es nicht machbar“, sagt Lampen. Die Wimpel, die die Spielführer Jörg Röwe (Esterwegen) und Niklas Papen (Surwold) zur Begrüßung im Anstoßkreis tauschen, will Lampen Nico Jansen nach Barßel bringen.

Surwolder Doppelschlag

Das Spiel, nach Einschätzung der Beobachter trotz des frühen Zeitpunktes der Saisonvorbereitung recht ansehnlich, können die Hausherren gegen den zwei Klassen höheren Gast zunächst ausgeglichen gestalten. Nach gut einer halben Stunde Spielzeit setzt sich Carsten Schulte in einem Zweikampf gegen Röwe durch und erzielt die Surwolder Führung. Keine 120 Sekunden später erhöht Henrik Grote zum 2:0 für den Bezirksligisten. Die Esterweger vergeben noch vor der Pause einen Foulelfmeter samt Nachschuss auf das leere Tor. Eine gute Viertelstunde nach Wiederanpfiff gelingt Maik Rieken der Anschlusstreffer. Zu mehr reicht es für die gut mitspielenden Gastgeber nicht.

Spendensegen in der Halbzeitpause

Die Halbzeitpause hatten Lampen und seine Mitstreiter genutzt, um alle Gruppen, die Spenden überreichen wollten, in den Anstoßkreis zu bitten. Ob Abordnungen von Altherrenmannschaften, Nachbarvereinen und anderen Gruppen – die Schlange ist lang. Nicos Schulklasse vom Hümmling Gymnasium in Sögel überreicht einen symbolischen Scheck in Höhe von fast 1500 Euro. Der emsländische Fußballkreisverband hat bei der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußballbundes gar eine 2500-Euro-Spende losgeeist. Wie Lampen verkündet, hat sich überdies eine Putzfirma bereit erklärt, die entsprechenden Arbeiten beim Umbau von Jansens Haus kostenfrei zu übernehmen.

Doppelter Glückspilz

Nach dem Schlusspfiff bleiben fast alle Zuschauer am Platz. Die meisten haben Lose für die große Tombola gekauft, deren Hauptpreis ein E-Bike im Wert von 5000 Euro ist. Glücksfee Laura aus der Familie Jansen sorgt für ein Kuriosum: Sie macht durch ihre Losziehung mit Simon Jansen nicht nur ausgerechnet jemanden aus Nico Jansens Fußballmannschaft zum Hauptgewinner. Kurz zuvor hatte derselbe auch den zweiten Preis – einen Werkzeugwagen im Wert von 700 Euro – gewonnen. Der Jugendliche kann sein Glück zunächst kaum fassen und blickt ein wenig ungläubig drein.

HSV-Fanclub gewinnt Werder-Trikot

Ebenfalls kurios: Ein signiertes Trikot des Fußballbundesligisten Werder Bremen gewinnt mit Rainer Sinnigen ausgerechnet ein Fanclubmitglied des Erzrivalen Hamburger SV. Er gibt das Trikot postwendend zurück und zur Versteigerung frei. Für 120 Euro wird es von Pascal Ferneding aus Esterwegen ersteigert. Den Schinken nimmt ebenfalls ein Esterweger mit nach Hause. Hermann Koers hatte das stattliche Gewicht – 6,9 Kilogramm – exakt geschätzt.

„Das war Wahnsinn“

Als sich das Sportgelände am späten Mittwochabend langsam leert, staunt Lampen noch immer über die gewaltige Resonanz. „Das war Wahnsinn“, sagt er. Ursprünglich hätten sie nur ein Freundschaftsspiel austragen und ein paar Würstchen für den guten Zweck verkaufen wollen. Schnell zog die Aktion immer größere Kreise. Schließlich mussten die Helfer bereits vor dem Halbzeitpfiff Getränke nachholen. „Fußball verbindet“, sagt Lampen und stellt fest: „Wenn Menschen zusammenstehen, kann man gemeinsam etwas erreichen.“


SV Esterwegen - SV Surwold 1:2 (0:2)

Tore: 0:1 Carsten Schulte (34.), 0:2 Henrik Grote (36.), 1:2 Maik Rieken (61.)

Esterwegen: Michael Kröger (46. Stefan Schulte), Joel Schütte (58. Manuel Thomes), Jörg Röwe (84. Stefan Thomes), Niklas Kröger (46. Jonas Glandien), Thomas Holm, Niklas Mödden (69. Niklas Kröger), Pascal Ostermann (58. Markus Imken), Maik Rieken, Marvin Münster (46. Luca Otten), Stefan Thomes (46. Andre Jansen), Ibrahim Bamba (78. Cüneyt Özkan)

Surwold: Oliver Wissmann (79. Luca Schute), Johannes Hegerkamp (82. Henrik Weseler), Leon Bögemann (78. Nils Röwer), Niklas Papen, Michael Eissing, Eugen Granovski (46. Marvin Schipper), Andre Schürmann (63. Jannick Schmitz), Thorsten Jansen (54. Lennart Behnen), Henrik Grote, Carsten Schulte, David van der Pütten (73. Jonas Antons)

Gelbe Karten: keine – Rote Karten: keine

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