„Ein Stück Heimat geworden“ Bockhorsterin war elf Monate als Freiwillige in Peru

Von Alexandra Ratke


Bockhorst. Elf Monate hat Nike Feldmann nach ihrem Abitur in dem 3000 Einwohner zählenden Dorf Acarí in der peruanischen Wüste verbracht. Als eine von insgesamt 27 Freiwilligen wählte das Bistum Osnabrück im Rahmen der Aktion „Alltagshelden gesucht“ die damals 18-jährige Bockhorsterin für einen Freiwilligendienst im Ausland (FDA) aus.

Nachdem sie ein Auswahlwochenende und sämtliche Vorbereitungsseminare erfolgreich hinter sich gebracht hatte, reiste Nike Feldmann mit sechs weiteren Freiwilligen nach Peru. Feldmann belegte mit Maria Koepsel aus Melle eine Doppelstelle in dem Wüstendorf Acarí. Zu ihren Aufgaben gehörte es, dreimal in der Woche an einer staatlichen und an einer kirchlichen Grundschule Englischunterricht zu geben. Den Unterricht bereiteten die Freiwilligen selbst vor, suchten Material zusammen und erstellten Arbeitsblätter. „Die erste Zeit war schwer. Auf einmal war so viel anders“, erinnert sich Feldmann an die Anfangszeit in Peru zurück. Es sei schwierig gewesen, den Respekt und das Vertrauen der Kinder zu gewinnen.

Hühnerfüße und Meerschweinchen

Auf dem Gelände der kirchlichen Grundschule kamen sie in einer Wohngemeinschaft unter, in der sie mit zwei Lehrerinnen lebten. Lucie, die 40-jährige Mitbewohnerin, habe den Freiwilligen die peruanische Küche nähergebracht. Hühnerfüße und Meerschweinchen auf dem Speisemenü bereiteten einen kulinarischen Kulturschock. Umso mehr freute sich die 18-Jährige an Weihnachten auf ein Lebensmittelpaket aus der Heimat mit Schwarzbrot, ostfriesischem Tee und Modezeitschriften.

Mittags halfen die Freiwilligen beim Comedor, also bei der Essensausgabe, in der kirchlichen Schule aus. Damit haben sie zwei deutsche Nonnen unterstützt, die seit mehr als 50 Jahren in Peru leben. Sie waren für die deutschen Jugendlichen „ein Stück Heimat“, wie Feldmann erzählt.

Aushilfe im Kindergarten

Nach einigen Monaten begann sie an ihren beiden freien Tagen im Kindergarten auszuhelfen. Zudem organisierte sie zusammen mit Koepsel zweimal wöchentlich eine AG. Eineinhalb Stunden spielten die beiden Freiwilligen Bewegungsspiele mit den Schülern und brachten ihnen spielerisch in ihrer Freizeit Englisch bei. „Wir haben gesehen, dass es nachmittags nicht so viele Möglichkeiten für Kinder gab, sich zu beschäftigen. Wir fragten uns: Was können wir den Kindern Gutes tun?“, berichtete die Bockhorsterin. So unterbreiteten sie dem Priester und Schulleiter Padre Paulino, der Ansprechpartner für Feldmann und Koepsel war, ihren Vorschlag und setzten ihn kurzerhand um.

Fahrt auf Bananenfrachter

Das Reisen gehörte bei dem Auslandsaufenthalt auch dazu. So besuchten sie die alte Ruinenstadt Machu Picchu in den Anden, oder Selva, die Regenwaldregion. Eine Besonderheit erlebten die beiden Freiwilligen auf dem Weg von Pucallpa nach Iquitos. Diesen legten sie nämlich auf einem Bananenfrachter zurück, auf dem sie vier Tage und drei Nächte mit 200 weiteren Passagieren verbrachten. Abseits von typischen Sehenswürdigkeiten im Reiseführer seien sie den Peruanern, die auf diese Weise die vom Straßenverkehr abgeschnittene Stadt Iquitos erreichten, wirklich nahegekommen. „Wir haben uns peruanisch gefühlt und gemerkt, dass wir dazugehören“, berichtete Feldmann.

Wiedersehen mit Alltagshelden

Ein Wiedersehen mit drei anderen „Alltagshelden“ gelang den Mädchen auf der Climatica im nahe gelegenen Fischerdorf Lomas. Die Climatica ist eine jährlich stattfindende Freizeit für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Zwei Monate lang betreuten die Freiwilligen gemeinsam mit peruanischen Lehrern, Ehrenamtlichen aus dem Ort und Padres alle neun Tage eine Gruppe aus einem anderen Dorf. Vor der Ankunft einer neuen Gruppe hatten sie jeweils drei Tage Zeit, um das Camp für die Neuankömmlinge wiederherzurichten: Spielgeräte mussten zurück an den richtigen Ort gebracht, Bettwäsche mit der Hand gewaschen, Betten neu bezogen und Matratzen gelüftet werden. Die Climatica bezeichnet Feldmann als „richtig tolle Zeit“.

Was ihr der Auslandsaufenthalt bedeutet? „Er hat mir das Tor zur Welt geöffnet. In einem Jahr hätte ich in Deutschland nie so viel lernen können wie in Peru“, sagt die inzwischen 19-Jährige – wieder zu Hause in Bockhorst angekommen. „Ich habe gelernt, alles mit einem kritischen Auge zu betrachten: Ich brauche eigentlich nicht mehr, als ich in Acarí hatte.“

Fernweh

Sie verspüre nun Fernweh und habe Lust, neue Kulturen und Sprachen kennenzulernen. „Peru ist ein Stück Heimat für mich geworden. Ich habe ein Stück meines Herzens dagelassen.“