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Gütesiegel für Familienfreundlichkeit Familie und Beruf: Kein Entweder-oder - 16 emsländische Betriebe ausgezeichnet

Zogen eine positive Zwischenbilanz: Ursula Günster-Schöning, Michael Kuipers, Ewald Schulte, Britta Birnbaum, Maria Borgmann, Sandra Jansen, Ludwig Jansen, Dr. Heinz-Gerd Schlenkermann und Peter Voss (von links) sowie (vorne) Hermann Bröring. Foto: Eva KleinertZogen eine positive Zwischenbilanz: Ursula Günster-Schöning, Michael Kuipers, Ewald Schulte, Britta Birnbaum, Maria Borgmann, Sandra Jansen, Ludwig Jansen, Dr. Heinz-Gerd Schlenkermann und Peter Voss (von links) sowie (vorne) Hermann Bröring. Foto: Eva Kleinert

evk Surwold. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, um dem Fachkräftemangel und der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen entgegenzuwirken, haben sich Unternehmen in ganz Deutschland auf die Fahne geschrieben. „Für das mittelständisch geprägte Emsland sind bundesweite Modelle jedoch nicht übertragbar“, erklärte Landrat Hermann Bröring.

Mit der Initiative „Gütesiegel für Familienfreundlichkeit“ sei seit 2009/2010 eine einmalige Möglichkeit gefunden, die Familienfreundlichkeit emsländischer Unternehmen individuell zu fördern. Gemeinsam mit Vertretern der Handwerkskammer und einigen Unternehmen zog Bröring eine Zwischenbilanz.

Das Zertifikat ist Teil der 2007 gegründeten Stiftung „Beruf und Familie“, die laut Bröring über ein Kapital von einer Million Euro verfügt. Das Gütesiegel, das in Kooperation mit der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland vergeben werde, sei ein Alleinstellungsmerkmal des Landkreises Emslandes. „Wir müssen spezielle Lösungen finden und können nichts von der Stange nehmen“, so Bröring.

Dr. Heinz-Gert Schlenkermann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, lobte das Gütesiegel als Reaktion auf den demografischen Wandel. „In 30 Jahren wird jeder zwölfte Niedersachse über 80 Jahre alt sein“, sagte Schlenkermann. Um dem drohenden Fachkräftemangel zu entgehen, müsse zum einen die Leistungsfähigkeit erhöht werden, zum anderen die Frauenerwerbsquote gesteigert und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden. Denn vor allem für Arbeitnehmer, die erwögen, in das Emsland zu ziehen, sei neben dem passenden Gehalt das Umfeld ebenso wichtig. „Dabei geht es nicht nur um die Kinder. Auch Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Familienmitgliedern müssen unterstützt werden“, sagte Bröring.

„Das Gütesiegel ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ein Marketinginstrument, um bereits vorhandene Angebote auch an die Öffentlichkeit zu bringen“, erklärte Peter Voss, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland. Neben der Information über familienfreundliche Rahmenbedingungen deckt das Gütesiegel vier weitere Bereiche ab. Laut Ursula Günster-Schöning, Unternehmenscoach der Stiftung, sind das zum einen die Betrachtung der Führungskräfte, die Teamentwicklung, zum anderen die Bewertung der Arbeitszeit und des -ortes sowie die Familie betreffende Aspekte.

Um das Siegel zu enthalten, setzt sich das Unternehmen Ziele, die diese Handlungsfelder betreffen. „Nach einem Jahr schaue ich dann im Unternehmen vorbei. Insgesamt wird das Siegel für drei Jahre vergeben“, berichtete Günster-Schöning. Dem Projektantrag gehe ein Workshop voraus, in dem Mitarbeiter des Unternehmens eine Ist-Analyse durchführen. „Wichtig dabei ist, einen repräsentativen Querschnitt der Mitarbeiterschaft auszuwählen“, so der Unternehmenscoach. Bisher haben 16 Betriebe das Gütesiegel erhalten.

Dazu gehört auch die Firma Bergmann Maschinenbau aus Meppen, die unter anderem ein Konto für Überstunden eingeführt hat, das flexibel abgebaut werden kann. Die Firma Jansen Tore in Surwold plant indes eine Kinderbetreuung. „Es soll kein Entweder-oder zwischen Familie und Beruf für die Mitarbeiter geben“, erklärte Projektleiterin Sandra Jansen. Dass derartige Investitionen auch in der Kosten-Nutzen-Rechnung aufgehen, versprach Günster-Schöning. „Die Frauen steigen nach der Mutterschaft früher wieder ein, auch die Männer sind produktiver, wenn sie wissen, ihr Kind ist gut versorgt.“ Viele Betriebe bekämen „sechsmal das Geld raus, das vorher investiert wurde“.

Michael Kuipers von Kuipers CNC Blechtechnik aus Meppen, der sich für das Siegel angemeldet hat, fasste zusammen: „Familienfreundliche monetäre Investitionen sind in Wahrheit unbezahlbar.“


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